Politik und Konjunktur – Ölpreis sinkt trotz Georgien-Konflikt – Simone Utler
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Ölpreis Ölpreis sinkt trotz Georgien-Konflikt

Simone Utler

12.08.2008

Hamburg – Der Ölpreis setzt trotz des militärischen Konflikts in Georgien seinen Preisrutsch fort. Am Dienstag erreichte der Preis für Rohöl an der Börse in New York seinen tiefsten Stand seit drei Monaten und lag mit rund 113 Dollar mehr als 20 Prozent unter seinem Allzeithoch von Mitte Juli, obwohl BP eine Pipeline mit einer Tagesmenge von 90.000 Barrel aus Sicherheitsgründen in Georgien geschlossen hatte.

Nach Ansicht von Analysten stehen die Märkte derzeit vor allem unter dem Einfluss der weltwirtschaftlichen Abkühlung. Sie wiege stärker als eine regionale Krise wie die russische Militäraktion in Georgien.

„Das übergreifende Thema auf dem Ölmarkt ist sicher die Weltkonjunktur“, sagte der Leiter Investment Strategy der SEB Bank, Klaus Schrüfer, der AP am Dienstag. Nicht nur in den USA, sondern auch in der Euro-Zone gebe es eine Abkühlung der Konjunktur. „Der entscheidende Punkt ist, dass die Nachfrage langsamer wachsen wird, als wir es noch vor ein paar Wochen erwartet haben“, sagte Schrüfer. Gerade erst habe die Internationale Energieagentur (IAE) eine gesunkene Nachfrage gemeldet.

„Der regionale Konflikt in Georgien belastet natürlich ein Stück weit, aber es ist sehr schwer vorherzusagen, wie die Märkte reagieren“, sagte Schrüfer. Dies hänge nun sicherlich davon ab, wann und welche Lösungen gefunden würden. „Wenn die Unsicherheit bestehen bleibt, dass es auch weiter zu Anschlägen kommt, wird das sicher den Ölpreis treiben“, prognostizierte der Finanzexperte.

MWV betont weltweit sinkende Nachfrage

Nach Ansicht des Hauptgeschäftsführers des Mineralölwirtschaftsverbandes (MWV), Klaus Picard, kann keiner wirklich sagen, warum sich der Konflikt in Georgien sich nicht auf den Ölpreis auswirkt, wie andere kleinere Anschläge. Beispielsweise trieben in den vergangenen Monaten Angriffe auf Pipelines in Nigeria den Preis immer wieder in die Höhe.

„Ein wesentlicher Faktor ist sicherlich, dass man von einer sinkenden Nachfrage weltweit ausgeht“, sagte Picard. Der bereits vor einigen Wochen begonnene Preisrutsch sei vor allem von der gesunkenen Nachfrage in den USA ausgelöst worden. Aber auch dadurch, dass Schwellenländer wie China und Indonesien ihre Subventionen gekürzt hätten und dadurch dort die Nachfrage zurückgegangen sei. Auch spiele die derzeitige Stärkung des Dollars mit hinein.

Benzinpreise blieben relativ konstant

Ein Barrel (159 Liter) Rohöl kostetet am Dienstag zeitweise 113,11 Dollar und damit 1,34 weniger als zu Börsenschluss am Vortag. Die für Europa wichtige Nordseesorte Brent kostete in London zwischenzeitlich 111,46 Dollar pro Barrel, ein Minus von 1,21 Dollar gegenüber Montag. In den vergangenen Wochen hatte sich der Ölpreis konstant von seinem Rekordwert von mehr als 147 Dollar für ein Fass entfernt.

Die Preise für Sprit an deutschen Tankstellen blieben unterdessen relativ konstant: Ein Liter Super kostete nach Angaben aus der Mineralölbranche im bundesweiten Durchschnitt knapp 1,46 Euro. Für Diesel mussten Autofahrer durchschnittlich 1,39 Euro je Liter zahlen.

Dies erklärte Picard damit, dass der Benzinmarkt ein separater Markt sei. „Der Produktenpreis sinkt nicht so stark, weil hier Angebot und Nachfrage bestimmen“, erklärte der MWV-Hauptgeschäftsführer. Außerdem seien rund 60 Prozent des Tankstellenpreises fest: Mineralöl- und Ökosteuern machten immer 65,5 Cent pro Liter aus. (AP)

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