Nachrichten Deutschland – Ölpreisanstieg erreicht deutsche Kunden – Claus-Peter Tiemann
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Ölpreisanstieg erreicht deutsche Kunden

Claus-Peter Tiemann

04.01.2008

Manhattan  (AP Photo/Charlie Riedel)
Manhattan (AP Photo/Charlie Riedel)

Hamburg – Der Ölpreisschock hat die deutschen Verbraucher erreicht: Der Preis für einen Liter Heizöl stieg nach Angaben des Hamburger Fachdienstes EID auf den Rekordstand von 75 Cent. Der Benzinpreis stieg nach EID-Beobachtungen auf 1,40 Euro für den Liter Benzin. Das sind 4 Cent mehr als im Dezember. Diesel verteuerte sich um 2 Cent auf 1,30 Euro. „Im Zuge der gestiegenen Rohölpreise verteuerten sich auch die Produkte im Rotterdamer Markt, was auch die Autofahrer an den deutschen Tankstellen und vor allem die Heizölkunden zu spüren bekamen“, erklärte EID-Chefredakteur Rainer Wiek.

Die Rekordpreise für Öl erfordern nach Ansicht von Verbraucherschützern ein Umdenken in der Verkehrs- und Energiepolitik. Anders sei die Mobilität der Menschen in Deutschland künftig kaum zu finanzieren. „Es geht darum, aus dem Energie- und Klimaprogramm der Bundesregierung wirklich konkrete Ziele abzuleiten“, sagte Holger Krawinkel, Energieexperte des Bundesverbands der Verbraucherzentralen (vzbv), der Nachrichtenagentur AP. Vor allem müsse der öffentliche Personenverkehr stark ausgebaut werden.

Ein Barrel (159 Liter) Rohöl hatte am Donnerstag den Rekordstand von 100,09 Dollar erreicht, nachdem am Mittwoch zum ersten Mal die 100-Dollar-Marke berührt worden war. Auslöser für den jüngsten Preissprung waren Daten der US-Regierung, wonach die Rohöl-Bestände deutlich mehr gefallen sind als erwartet. Im Jahr 2007 war der Ölpreis um 57 Prozent gestiegen.

Verbraucherschützer Krawinkel sagte, im Schienennetz „gibt es einen Investitionsrückstand von rund einer Milliarde Euro“. Überhaupt müsse der Anteil der Schiene am Verkehrsaufkommen rasch und spürbar wachsen. Der Autoverkehr werde künftig kaum günstig genug bleiben, um den meisten Menschen offen zu stehen: „Wir müssen uns jetzt endlich auf dauerhaft steigende Öl- und Spritpreise einstellen.“

Wirtschaftsexperten sind sich aber völlig uneinig, wie es beim Ölpreis weitergehen wird. Laut einer Prognose des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) droht in den kommenden zehn Jahren eine Verdreifachung des Benzinpreises. DIW-Energieexpertin Claudia Kemfert sagte laut „Bild-Zeitung“: „Sollte sich der Ölpreis verdoppeln – was nicht unwahrscheinlich ist – und der Dollarkurs normalisieren, würde der Liter Super vier Euro kosten.“ Kemfert schloss schon früher eine Verdoppelung des Ölpreises auf 200 Dollar bis zum Jahr 2020 nicht aus.

Der Wirtschaftsweise Bert Rürup sieht dagegen trotz des hohen Ölpreises keinen Grund, „ökonomische Untergangsszenarien zu malen“. Rürup sagte dem Deutschlandfunk, zum Ende dieses Jahres könne er sogar in der Größenordnung von 80 Dollar liegen.

HWWI erwartet sinkende Ölnotierungen

Das Wirtschaftsforschungsinstitut HWWI erwartet sinkende Öl-Notierungen. „Wenn sich die politische Situation in den Erdölförderregionen – zum Beispiel in Nigeria – schnell wieder entspannt und der Winter hier in Europa mild bleibt, können wir bereits kurzfristig wieder einen deutlichen Rückgang des Ölpreises erleben“, sagte Michael Bräuninger, Konjunkturexperte des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI) der „Passauer Neuen Presse“. Bräuninger erwartet, „dass der Ölpreis im Jahresdurchschnitt bei zirka 80 Dollar liegen wird“. Beim Benzin sieht er Literpreise von mehr als 1,50 Euro „an der Tagesordnung“. Der Autoclub ACE warnte vor Panikmache bei den Preisprognosen.

Unterdessen ist der Ölpreis AN der New Yorker Rohstoffbörse am Freitag auf 97,37 Dollar gefallen. Inflationsbereinigt bewegt sich der Ölpreis nun auf dem Rekordniveau der frühen 80er Jahre. (AP)

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