Aktuelle Nachrichten – Sport
21.11.2009
Frankfurt/Main – Knapp fünf Jahre nach dem Skandal um Robert Hoyzer ist offenbar erneut ein Schiedsrichter des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in Spielmanipulationen verstrickt. Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ berichtete am Samstag vorab, ein ein Referee habe sich bei einem Spiel der Regionalliga Süd im Mai bestechen lassen. Verdachtsmomente gibt es im größten Fußballskandal der europäischen Geschichte auch gegen drei Spieler, die vergangene Saison für den aus der Zweiten Liga abgestiegenen VfL Osnabrück aktiv waren.
DFB-Präsident Theo Zwanziger erklärte, die Informationen zu dem Schiedsrichter könne er nicht bewerten. Aber sollte sich das als wahr herausstellen, dann hätten die Leute im Fußball nichts mehr zu suchen. „Jeder, der an den Manipulationen beteiligt ist, ist einer zu viel. Da Schiedsrichter zur Objektivität verpflichtet sind, wäre eine Beteiligung besonders verwerflich“, wird Zwanziger in einem Interview auf der DFB-Homepage zitiert.
Heribert Bruchhagen, Mitglied im Vorstand der Deutschen Fußball-Liga (DFL), sagte in der Internet-Sendung „Liga total!“, Verfehlungen von einzelnen Menschen gehörten zur unserer Gesellschaft. „Aber dass unsere Bundesliga-Schiedsrichter auch nur im Ansatz manipulierbar oder sonst etwas wären, das schließe ich komplett aus, und da irre ich mich auch nicht“, wird er zitiert.
Bei den drei Spielern von Osnabrück handelt es sich um die beiden Ex-Bundesliga-Profis Thomas Cichon und Thomas Reichenberger sowie um Marcel Schuon. Reichenberger ist als einziger von ihnen noch in Osnabrück aktiv. Für die Regionalliga-Partie gegen Dortmund II wurde er nominiert. Vor dem Anpfiff gab er unter dem Applaus der Zuschauer im Stadion eine Ehrenerklärung ab. Auch Cichon, der in Südafrika spielt, und Schuon, der beim Drittligisten SV Sandhausen unter Vertrag steht, wiesen die Vorwürfe laut Medienberichten zurück.
Derweil berichtet der „Spiegel“, dass der Regionalligist SSV Ulm offenbar tiefer in den Wettskandal verwickelt ist als bislang bekannt. Nach Informationen des Magazins stehen vier Regionalligaspiele des baden-württembergischen Traditionsvereins aus der Endphase der vergangenen Saison unter Manipulationsverdacht. SSV-Vizepräsident Mario Meuler sagte: „Wir gehen davon aus, dass niemand mit dieser Sache etwas zu tun hat.“
Verhaftet wurde ein Spieler des bayerischen Landesligisten Würzburger Kickers. Dieser Spieler sei bereits in einen früheren Wettskandal verwickelt gewesen, erklärte Pressesprecher Peter Neuberger. Bei dem Spieler handelt es sich übereinstimmenden Medienberichten zufolge um Kristian Sprecakovic, der zuvor für mehrere Clubs aus der zweiten und dritten Liga gespielt hatte.
Rund 200 Fußballspiele sollen für Sportwetten manipuliert worden sein. In Deutschland gibt es mit 32 Spielen von der Zweiten Bundesliga abwärts die meisten Verdachtsfälle. Insgesamt 17 Haftbefehle wurden vollstreckt.
Unklar ist, warum die Frühwarnsystem der Fußballverbände nicht angeschlagen haben. Zwanziger sagte, es sei aber noch zu früh, um von einem Versagen des Systems zu sprechen. Auch die Swiss Football League erklärte, dass es über das Frühwarnsystem der UEFA für verdächtige Wetten noch nie Hinweise über verdächtige Wetten auf Schweizer Fußballspiele gegeben habe.
Im schweizerischen Nyon sollen am kommenden Mittwoch die Generalsekretäre der nationalen Fußballverbände zusammenkommen, um sich über die aktuellen Entwicklungen auszutauschen.
Derweil trat Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger Forderungen nach schärferen Gesetzen entgegen. Die Verurteilungen der Vergangenheit hätten gezeigt, „dass auch auf der Basis des geltenden Rechts Manipulationen und Betrugsvorwürfe im Sport sachgerecht geahndet werden können“, sagte sie dem „Tagesspiegel am Sonntag“. (AP)
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