Nachrichten Deutschland – Offenbar Versäumnisse auf der „Gorch Fock“ – André Klohn
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Einweisung von Ausbildern Offenbar Versäumnisse auf der „Gorch Fock“

André Klohn

08.02.2011

Hamburg/Berlin – Der Tod einer Offiziersanwärterin an Bord des Segelschulschiffs "Gorch Fock" wirft immer neue Fragen auf. Die Kieler Staatsanwaltschaft prüft, ob die 25-Jährige Sarah Lena S. zum Unfallzeitpunkt Anfang November diensttauglich gewesen ist. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums sagte am Dienstag auf dapd-Anfrage in Berlin, alle relevanten Dokumente seien an die Staatsanwaltschaft übergeben worden. Zu laufenden staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen äußere sich das Ministerium generell nicht.

Die Kieler Anklagebehörde bestätigt bislang nur, dass die "Frage der Borddienstverwendungsfähigkeit" der Offiziersanwärterin Gegenstand der Prüfungen sei. Unterdessen berichtete die "Bild"-Zeitung (Mittwochausgabe) von Versäumnissen bei der Einweisung von Ausbildern an Bord des Schiffes kurz vor dem tödlichen Unglück am 7. November. Das Blatt beruft sich auf einen Ermittlungsbericht der Marine.

Demnach soll es vor Beginn der Segelvorausbildung an Bord keine konkreten Einweisungen für die Ausbilder gegeben haben, was sie in Bezug auf eventuelle Unsicherheiten der Kadetten zu melden hätten. Einer der diensthabenden Ausbilder soll erst zwei Tage vor dem Unglück an Bord gekommen sein. "Eine Einweisung in seine Pflichten, Aufgaben, speziell während der Segelvorausbildung in der Takelage, hat nicht stattgefunden, da man der Meinung war, dass er wissen müsste, was er zu tun und zu lassen hat", zitiert das Blatt aus dem Bericht.

Verunglückte Kadettin war möglicherweise dienstuntauglich

Zudem soll einem Ausbilder aufgefallen sein, dass die 25-Jährige Probleme mit der Übung hatte. "Er hatte, wie er beschreibt, ein ungutes Bauchgefühl." Laut "Bild" hat die Frau bei einer Größe von 1,58 Metern 83 Kilogramm gewogen. Im Kameradenkreis soll sie zudem kurz vor dem Unfall davon gesprochen haben, dass sie ein "Kraftloch" habe. Die junge Frau war aus der Takelage abgestürzt und ihren schweren Verletzungen erlegen. Nach dem tödlichen Zwischenfall sollen sich einige Kadetten geweigert haben, in die Segel zu klettern. Dies brachte ihnen den Vorwurf der Meuterei ein.

Derzeit ist das Schiff auf dem Weg zurück nach Deutschland, wo es nicht vor Ende April erwartet wird. Ein Untersuchungsteam der Marine befragt derzeit an Bord die Soldaten. Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hatte die Dreimast-Bark im Januar nach Vorwürfen unzumutbarer Lebens- und Arbeitsbedingungen an Bord nach Deutschland zurückbeordert.

Kommandant Schatz möglicherweise zurück auf die "Gorch Fock"

Laut einem Bericht der "Rheinischen Post" muss das Verteidigungsministerium den suspendierten Kapitän Norbert Schatz höchstwahrscheinlich wieder an Bord der Dreimast-Bark einsetzen. Erste Befragungen der Besatzung und ehemaligen Kadetten hätten "keine Anzeichen für ein disziplinarrechtliches Fehlverhalten" ergeben, sagte ein Mitglied der Ermittlerkomission dem Blatt. Das Verteidigungsministerium wollte sich zu der Personalie Schatz nicht äußern. Guttenberg hatte den Kommandanten im Januar vorläufig von seinen Aufgaben entbunden.

(dapd)

 

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