Menschen & Meinungen – Ohne Strom und Telefon im Schneesturm von Fehmarn – Zacharias Zacharakis
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Notstand Ohne Strom und Telefon im Schneesturm von Fehmarn

Zacharias Zacharakis

11.01.2010

In der Nacht waren 30 der etwa 45 Ortschaften auf den Inseln zwischen Schleswig-Holstein und Dänemark von Schnee eingeschlossen gewesen.  Foto: Frank Hormann/AP Foto
In der Nacht waren 30 der etwa 45 Ortschaften auf den Inseln zwischen Schleswig-Holstein und Dänemark von Schnee eingeschlossen gewesen.

Foto: Frank Hormann/AP Foto

Hamburg/Fehmarn (apn) Am Tag danach sehen viele Straßen auf der Ostseeinsel Fehmarn aus „wie Eiskanäle einer Bobrodelbahn“, sagt Bürgermeister Otto-Uwe Schmiedt. Rechts und links der Fahrbahn türmen sich weiße Schneewände meterhoch, die Ränder sind sauber abgeschnitten von den Schneefräsen und Räumgeräten. Nach Durchzug des Sturmtiefs „Daisy“ finden sich die Bewohner in sibirischen Landschaften wieder.

„Wir haben hier weiterhin einen Notstand“, bilanzierte Insel-Bürgermeister Schmiedt der Nachrichtenagentur DAPD am Montag. „Bis sich die Situation wieder normalisiert, kann es noch Tage und Wochen dauern.“

In der Nacht waren 30 der etwa 45 Ortschaften auf der Insel zwischen Schleswig-Holstein und Dänemark von Schnee eingeschlossen gewesen. Die ganze Nacht über kämpften Helfer mit Schneefräsen, Radladern und Baggern die Zufahrten zu den Dörfern frei. „Wir mussten schwere Geräte zum Teil von der Bundeswehr und aus der Region bei Flensburg anfordern“, erklärte der Bereichsleiter Bauen und Häfen auf Fehmarn, Burghard Nass.

Bis zum Montagnachmittag hatten die Winterdienste zwar die Straßen zu allen Ortschaften freigeräumt, allerdings waren viele Fahrbahnen nur in eine Richtung für Notdienste und Feuerwehr befahrbar.

Dammdurchbruch verhindert

Auf der Insel war es am Sonntag zu teils dramatischen Entwicklungen gekommen. Eine hochschwangere Frau, bei der die Wehen bereits eingesetzt hatten, musste nach einem Bericht des „Fehmarnschen Tageblatts“ von der Feuerwehr aus einer eingeschneiten Ortschaft geborgen werden. Bereits am Sonntagvormittag hatte eine Stunde lang ein Stromausfall auch die Kommunikation auf der Insel lahmgelegt. Ein Umspannwerk hatte aus noch ungeklärter Ursache gebrannt. „Man konnte nur hoffen, dass der Akku des Handy weiter hält“, sagte Bürgermeister Schmiedt.

Zudem konnte nur unter erheblichen Anstrengungen vieler auch freiwilliger Helfer ein Deichdurchbruch am südlichen Ufer der Insel, am Fehmarn-Sund, verhindert werden. „Wir haben acht Lkw-Ladungen voller Sandsäcke zur Sicherung benötigt“, sagte Bereichsleiter Nass. Zusätzlich sei die von Wasser unterspülte Stelle im Deich mit Pfählen abgestützt worden. Der starke Seegang bei Windstärke neun hatte am Sonntag die Wallanlagen auf einer Länge von 25 Metern aufgeweicht.

Nachbarschaftshilfe in der Sturmnacht

Bürgermeister Schmiedt wollte am Montagnachmittag noch keine Entwarnung geben. „Hier hat wieder erheblicher Schneefall eingesetzt und gibt dem Wind damit neues Futter.“ Dem Wetterdienst zufolge sollten aber sowohl Niederschläge als auch der Wind nachlassen.

Die meisten der 13.000 Inselbewohner hatte sich ihrem Bürgermeister zufolge aber gut auf das Wetter eingestellt und sich mit Lebensmitteln und Brennstoff bevorratet. „Wir sind extreme Wetterbedingungen hier gewöhnt“, erklärte Schmiedt. In der Sturmnacht hätten viele Familien in den eingeschneiten Dörfern Nachbarschaftshilfe geleistet: „Auch wenn man sich nur zusammengesetzt und einen Punsch gemeinsam getrunken hat.“ (AP)

 

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