Unternehmen – Opel-Arbeiter demonstrieren gegen GM – Guido Rijkhoek
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„Wir drehen uns im Kreis“ Opel-Arbeiter demonstrieren gegen GM

Guido Rijkhoek

05.11.2009

Arbeiter versammeln sich am Donnerstag  im Opel-Werk in Bochum, Nordrhein-Westfalen. Mit Arbeitsniederlegungen und Massenprotesten haben die 25.000 deutschen Opel-Beschäftigten ihrer Wut auf den US-Mutterkonzern General Motors (GM) Luft gemacht.  (AP Photo/Martin Meissner)
Arbeiter versammeln sich am Donnerstag im Opel-Werk in Bochum, Nordrhein-Westfalen. Mit Arbeitsniederlegungen und Massenprotesten haben die 25.000 deutschen Opel-Beschäftigten ihrer Wut auf den US-Mutterkonzern General Motors (GM) Luft gemacht. (AP Photo/Martin Meissner)

Rüsselsheim – Es liegt eine Art kalter Wut über diesem Platz. Tausende Opel-Beschäftigte sind am Donnerstag vor das Hauptportal des Opel-Stammwerks in Rüsselsheim gezogen, um ihrem Unmut über den US-Konzern General Motors Luft zu machen. „Wir wissen nicht, was auf uns zukommt“, sagt Nicole Mey, die Sprecherin der Vertrauensleute im Rüsselsheimer Werk. Die Beschäftigten würden nun den massenhaften Abbau von Arbeitsplätzen fürchten.

Transparente, die rund um die Bronzestatue von Firmengründer Adam Opel hochgehalten werden, illustrieren Zorn, Frust und Enttäuschung der Beschäftigten. „GM hau ab“, ist da zu lesen, „Finger weg von Opel“ oder „Wir drehen uns im Kreis ins Verderben“ – daneben ein Schiff, das von einem Opel-Segel angetrieben, aber von einer Seeschlange mit der Aufschrift „GM“ bedroht wird.

Weit über 10.000 Opelaner haben am Donnerstag bundesweit die Arbeit neidergelegt und sind vor die Werkstore gezogen, um ihrer Empörung Luft zu machen. Mindestens 6.000 waren es in Rüsselsheim, rund 3.000 in Bochum, weitere 3.000 in Kaiserslautern und 600 im thüringischen Eisenach. In Kaiserslautern reihten sich in die Demonstration zusätzlich 500 Beschäftigte von diversen Autozulieferern ein. „Eine solch breite Solidaritätsbekundung haben wir hier noch nie erlebt“, sagt der erste Bevollmächtigte der IG Metall Kaiserslautern, Norbert Kepp.

„Es geht in eine neue Runde“

Der US-Konzern im fernen Detroit habe Opel immer nur gebremst, erklärt Mey. Bis heute habe sich nichts verändert. GM habe in den vergangenen Monaten Milliarden verbrannt, und eben dieser Konzern wolle nun das Steuer bei Opel übernehmen. Die Beschäftigten seien über diese Aussicht „erschreckt, geplättet und fragen nach der Perspektive“.

Auf der Kundgebung in Rüsselsheim treten an diesem Tag zwei Geschlagene auf: Der eine ist Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz. Er kämpfte in den vergangenen Monaten unermüdlich für eine Loslösung von GM. Der zweite ist Roland Koch. Der hessische Ministerpräsident unterstützte Franz und hoffte vermutlich auch auf einen neuen, schlagkräftigen Automobilkonzern mit Sitz in Hessen.

Koch, der seine Nehmerqualitäten der Politik schon oft unter Beweis gestellt hat, gibt freimütig zu, dass Politik und Arbeitnehmervertreter eine böse Niederlage hinnehmen mussten. Doch der Kampf sei noch nicht zu Ende: „Es geht in eine neue Runde.“ Betriebsrat und Politik verfolgten weiter das Ziel, Opel innerhalb des GM-Konzerns zu einem „europäischen Unternehmen mit eigener Identität“ zu machen: „Das bleibt der Maßstab.“

Auch Betriebsratschef Franz versucht, den Opel-Arbeitern zu vermitteln, dass noch etwas herauszuholen ist in den Verhandlungen mit GM: „Der Kampf muss weitergehen um mehr Eigenständigkeit.“ Und so fordert Franz als Bedingung für weitere Gespräche mit der General-Motors-Führung die Zusage, dass Opel wieder in eine deutsche Aktiengesellschaft umgewandelt wird. Der deutsche Autobauer dürfe künftig nicht mehr „Anhängsel von GM“ sein.

„Tiefste Vertrauenskrise“

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers fordert GM in Bochum auf, schnellstmöglich die Sanierungspläne für Opel vorzulegen. „Die Unsicherheit für die Mitarbeiter muss endlich weg“, sagt er. Das Verhalten von GM sei inakzeptabel, menschenverachtend und rücksichtslos.

Dass GM die Ergebnisse von einem Jahr Verhandlungsarbeit in der Nacht zum Mittwoch mit einem Federstrich beseitigte, hat die Opel-Arbeitnehmer geschockt. Dass der Konzern nun mit einer Insolvenz droht, sollten die Arbeitnehmer nicht auf Einkommen in dreistelliger Höhe verzichten, sorgt für neue Empörung. „General Motors hat sich selbst in die tiefste Vertrauenskrise gebracht“, erklärt Franz. Und Ministerpräsident Koch schwant, dass das Tauziehen um die Zukunft von Opel nun erst richtig beginnt: „Es sind schwierige Wochen, die vor uns liegen.“ (AP)

 

 

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