Aktuelle Nachrichten – Wirtschaft
26.03.2008
München – Allen Hiobsbotschaften zum Trotz blickt die deutsche Wirtschaft auch im März überraschend optimistisch in die Zukunft. Zum dritten Mal in Folge stieg der Ifo-Geschäftsklimaindex von 104,1 Punkte auf 104,8 Punkte. „Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Konjunktur in Deutschland mit Jahresbeginn an Schubkraft gewonnen hat“, erklärte ifo-Chef Hans-Werner Sinn am Mittwoch.
Dem Münchner Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung zufolge stuften die 7.000 befragten Firmen im März sowohl ihre Geschäftsaussichten für das kommende halbe Jahr als auch die aktuelle Lage positiver ein als im Februar. Analysten dagegen hatten wegen der Finanzkrise, des Höhenfluges des Euros und des hohen Ölpreises einen deutlichen Rückgang des Stimmungsbarometers erwartet. Der Gesamtindex stieg stattdessen auf den höchsten Wert seit August vergangenen Jahres.
Der Teilindex zu den Erwartungen verbesserte sich leicht von 98,2 Punkte auf 98,4 Punkte. Trotz des starken Euros schätzen die Firmen ihre Exportgeschäft besser ein, erklärte Sinn. 80 Prozent der deutschen Ausfuhren würden in Euro abgerechnet und nur 13 Prozent in Dollar, sagte Ifo-Experte Hans Russ. „Für die Unternehmen ist die Konjunktur in ihren Abnehmerländern auch viel wichtiger als der Eurokurs.“
Ein größerer Risikofaktor sei dagegen der hohe Rohölpreis. Der Öleinsatz habe sich jedoch in den letzten Jahrzehnten nahezu halbiert. „Im Moment läuft die Konjunktur gut und der Ölpreis kann verkraftet werden“, sagte der Experte.
Der Optimismus zog sich laut ifo von der Industrie, über das Baugewerbe und den Großhandel quer durch fast alle Branchen. Nur im Einzelhandel verschlechterte sich die Stimmung leicht.
Die Finanzkrise sei noch nicht in dem befürchteten Maß in der europäischen Realwirtschaft angekommen, meinte Russ. „Einen Einbruch brauchen wir nicht fürchten“, erklärte er zu den kommenden Monaten. Die deutsche Wirtschaft habe sich momentan von der schwächelnden US-Wirtschaft abgekoppelt. „Es gilt immer noch: Wenn USA hustet, bekommen wir einen Schnupfen“, warnte Russ. „Aber die Abhängigkeit ist geringer geworden.“
So beurteilten die befragten deutschen Unternehmen auch ihre aktuelle Geschäftslage im März besser. Der Teilindex stieg im Vergleich zum Februar von 110,3 Punkte auf 111,5 Punkte. „Die Auftragsbücher sind nach wie vor gut gefüllt. Zum Teil arbeiten die Unternehmen an der Kapazitätsgrenze“, sagte Russ. Viele Firmen planten zumindest kurzfristig Personal aufzustocken.
Im Einzelhandel trübte sich laut ifo wegen der derzeit schlechteren Geschäftssituation die Stimmung im Vergleich zum Vormonat etwas ein. „Wenn man die vergangenen Monate betrachtet, haben wir aber ein sehr hohes Niveau beim Klimaindikator für den Einzelhandel“, sagte Russ. Der Experte bewertete die Aussichten für den privaten Konsum positiv. Die Beschäftigungslage habe sich verbessert, die Nettolöhne seien höher als im vergangenen Jahr. „Von daher wird auch der Konsum anspringen“, meinte Russ.
Das ifo-Institut hatte im Februar seine Wachstumsprognose für die deutsche Wirtschaft von 1,8 auf 1,6 Prozent in diesem Jahr gesenkt und dies mit der deutlichen Abkühlung der Weltwirtschaft begründet. Angesichts der derzeit noch positiven Stimmung gebe es für die Europäische Zentralbank aber beim Leitzins bisher keinen „akuten Handlungsbedarf“, sagte Russ. (AP)
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