Aktuelle Nachrichten – Kultur
14.05.2009
Erfurt – Die deutsche Orchesterlandschaft ist nach Ansicht von Musikexperten in den kommenden Jahren massiv gefährdet. „Ab 2010 wird die Finanz- und Wirtschaftskrise die 133 öffentlich finanzierten Ensembles voll erfassen“, sagte der Vorsitzende des Gesamtvorstandes der Deutschen Orchestervereinigung, Hartmut Karmeier, am Dienstag auf einer Jahrestagung in Erfurt. Es gebe wenig Grund zum Optimismus für die Zukunft der Orchester.
Bei Sparzwängen der öffentlichen Haushalte würden freiwillige Leistungen wie die Finanzierung der Kultureinrichtungen zuerst fallen, sagte Karmeier. Hinzu käme eine zunehmende Verunsicherung der Sponsoren.
In den vergangenen 16 Jahren wurden den Angaben zufolge 35 Orchester aufgelöst oder sind fusioniert. Mehr als 2.000 Personalstellen seien verloren gegangen. Das sei ein Sechstel der Arbeitsplätze. „Die Zahl ist erschreckend“, sagte der Geschäftsführer der Orchestervereinigung, Gerald Mertens. „Die Länder und Kommunen müssen gegensteuern, wenn die kulturelle Substanz nicht dauerhaft Schaden nehmen soll.“
Mertens forderte mehrjährige Finanzierungsvereinbarungen zur besseren Planung für die Kultureinrichtungen sowie eine Festschreibung der privilegierten Förderung der Kultur. Die Orchester forderte er auf, mit neuen Ideen die eigene Bedeutung für das tägliche Leben in der Region hervorzuheben. Die Ensembles sollten sich mehr als bisher an der Nachfrage orientieren. Dazu sollte das Orchestermanagement stärker entwickelt werden.
Ein Viertel aller Orchester der Welt sind nach Angaben der Orchestervereinigung in Deutschland zu Hause. Die Zahl der Besucher ist demnach mit rund 3,8 Millionen in den vergangenen Jahren nahezu konstant geblieben. Die Zahl der Konzerte sei mit 12.700 in der Spielzeit 2007/2008 leicht gestiegen. Die Auslastung liege bei 70 bis 80 Prozent. (AP)
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