Frankfurt/Main – Zum Internationalen Weltwassertag am Donnerstag haben Verbände, Hilfsorganisationen und Wirtschaft an die Wasserknappheit in vielen Teilen der Welt erinnert und zu einer gerechteren Verteilung der Vorräte aufgerufen. Nach Angaben der Experten müssen insgesamt 1,2 Milliarden Menschen ohne sichere Trinkwasserversorgung auskommen. Im Mittelpunkt der Kritik an Regierungen und Weltbank standen am Dienstag die Privatisierung der Wasserversorgung in unterentwickelten Ländern und die Verschwendung in Industriestaaten.
Der Weltwassertag, der in diesem Jahr unter dem Leitwort „Zeit zum Handeln – Wasserknappheit und Dürre“ steht, wurde im Jahr 1993 institutionalisiert und steht seit 2003 unter der Ägide der Vereinten Nationen. Zentrales Anliegen ist es, das lebensnotwendige Nass jedem Menschen sauber, in ausreichendem Maß und zu bezahlbaren Preisen zugänglich zu machen. Zahlreiche Projekte der internationalen Entwicklungshilfe sind der Wasserversorgung gewidmet, zum Teil aber heftig umstritten und keineswegs flächendeckend.
Die katholische Hilfsorganisation Misereor beklagte insbesondere, dass noch immer vier von zehn Afrikanern südlich der Sahara keinen Zugang zu sauberem Wasser hätten. Damit versage die Staatengemeinschaft ausgerechnet in einer Weltregion, die am dringendsten auf Fortschritte angewiesen sei. Einer der Hauptgründe für die Misere südlich der Sahara liegt nach den Worten des Misereor-Experten Jean-Gerard Pankert in einer verfehlten Entwicklungspolitik: „Vor allem die von der Weltbank und dem Internationalen Währungsfonds propagierte Strategie, die Wasserversorgung in Entwicklungsländern durch Investitionen privater Unternehmen zu verbessern, ist ein Irrweg.“
Laut Pankert ist die Privatisierung „mit dem Ziel der Armutsbekämpfung unvereinbar“. Da Unternehmen auf Gewinne ausgerichtet seien, sei der besonders entwicklungsbedürftige ländliche Raum in der Vergangenheit bei Investitionen nicht berücksichtigt worden. Doch auch in afrikanischen Großstädten seien die Wasserkosten durch die Kommerzialisierung „vielerorts auf ein Niveau gestiegen, das für die örtliche Bevölkerung unbezahlbar wurde“. Die einzige Lösung des Problems liegt laut Misereor in der Subventionierung der Wasserversorgung.
Ohne auf diese Argumente einzugehen, sprach zum Weltwassertag auch die Industrie von einem „Menschenrecht auf sauberes Wasser“. Die Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (DWA) erklärte, die Probleme duldeten keinen Aufschub. Die außerordentlichen Anstrengungen zur Halbierung der Anzahl der Menschen ohne Trinkwasserzugang erforderten angepasste Technologien und gut ausgebildete Nachwuchskräfte.
Der Umweltschutzverband WWF machte anlässlich des Aktionstages auf die zunehmende Verschmutzung vieler wichtiger Flüsse aufmerksam. Fünf der weltweit am stärksten bedrohten Ströme – Jangtse, Mekong, Saluen, Ganges und Indus – befänden sich in Asien. Weitere bedrohte Flüsse seien in anderen Kontinenten die Donau, der La Plata, der Rio Grande, der Nil sowie der australische Murray/Darling. Als Hauptgründe für den Niedergang der Flüsse nannte der WWF den Bau von Staudämmen, den Ausbau für die Schifffahrt, den Hochwasserschutz, die Verschmutzung, eine übermäßige Wasserentnahme, Überfischung und den Klimawandel. (AP)