Frankfurt/Beverly Hills – Wieder geht ein deutscher Film ins Rennen um die Oscars: Am Dienstag wurde das Stasi-Drama „Das Leben der Anderen“ in der Kategorie „Bester nicht englischsprachiger Film“ nominiert. Der in Deutschland und Europa schon vielfach preisgekrönte Debütfilm des Autors und Regisseurs Florian Henckel von Donnersmarck tritt gegen vier Konkurrenten an: „After the Wedding“ aus Dänemark, „Days of Glory (Indigenes)“ aus Algerien, „Pan's Labyrinth“ aus Mexiko und „Water“ aus Kanada. Die 79. Oscar-Verleihung findet am 25. Februar in Los Angeles statt.
Donnersmarck zeigte sich „überglücklich“ über die Nominierung. Es sei der wichtigste aller Oscars: „Der Regisseur bekommt ihn verliehen, aber er bekommt ihn für das Land verliehen. Mit dieser Statue wäre es also wie mit der Olympischen Goldmedaille: Ich würde sie für Deutschland gewinnen“, erklärte er in einer Pressemitteilung.
Die Chancen für „Das Leben der Anderen“ werden als hoch eingeschätzt, auch weil er nicht mehr wie bei der Golden-Globe-Verleihung gegen Clint Eastwoods teilweise auf Japanisch gedrehter Kriegsfilm „Letters From Iwo Jima“ antreten muss.
Die Hauptdarsteller Ulrich Mühe, Martina Gedeck und Sebastian Koch gehörten zu den Gratulanten, die dem 33-jährigen Henckel von Donnersmarck die Daumen drücken. „Er hat bewiesen, wie man mit Leidenschaft, Geduld und Liebe genau den Film drehen kann, den man auch drehen will“, erklärte Mühe. „Sein Film ist intelligent, spannend, politisch hoch aktuell und voller Emotionen, die jeder Zuschauer auf der ganzen Welt mitempfinden kann.“ Sebastian Koch sagte: „Es ist wunderbar zu erleben, wie euphorisch unser Film überall auf der Welt gefeiert wird.“ Und Martina Gedeck malte sich aus: „Erst 7 Lolas, jetzt 1 Oscar, das wäre der perfekte Hahn im Korb.“ Die Produzenten Quirin Berg und Max Wiedemann meinten, die Oscar-Nominierung sei „ein wunderbares Finale für eine Erfolgsgeschichte, die sich immer noch wie ein Traum anfühlt.“
„Das Leben der Anderen“ ist zuletzt in Warschau als bester Film drei Mal mit dem Europäischen Filmpreis ausgezeichnet worden. Nach vier Bayerischen Filmpreisen gingen sieben Lolas bei der Verleihung des 56. Deutschen Filmpreises in Berlin an das Stasi-Drama. Hinzu kamen der Bernhard-Wicki-Filmpreis und der Publikumspreis beim Internationalen Filmfestival in Locarno.
Autor und Regisseur Henckel von Donnersmarck hat bis 2006 an der Münchner Filmhochschule studiert. „Das Leben der Anderen“ ist sein Abschlussfilm. Die Grundidee bezog er aus einem Buch von Maxim Gorki mit dem Titel „Erinnerungen an Zeitgenossen“. Geholfen hat ihm die finanzielle Förderung seines Drehbuchs, vom Bayerischen Fernsehen wurde er bei seinem Projekt ebenso unterstützt wie von anderen Sendern und Institutionen. Der Film entstand in 38 Drehtagen mit einem Budget von nur 1,8 Millionen Euro.
Bisher haben mehr als 1,6 Millionen Zuschauer den Film über die Wandlung eines Stasi-Hauptmanns beim Observieren eines Künstlerpaares im Kino gesehen.
Bei der Oscar-Verleihung haben in den letzten Jahren immer wieder auch deutsche Produktionen Erfolg: Vor zehn Jahren erhielt „Jenseits der Stille“ von Caroline Link eine Nominierung, fünf Jahre später erhielt sie den Oscar für ihren Film „Nirgendwo in Afrika“. 2004 wurde „Der Untergang“ von Oliver Hirschbiegel nominiert; außerdem erhielt „Die Geschichte vom weinenden Kamel“ von Byambasuren Davaa und Luigi Falorni eine Nominierung in der Kategorie „Best Documentary Feature Film“. 2005 folgte „Sophie Scholl – Die letzten Tage“ von Marc Rothemund; ebenfalls nominiert waren die deutschen Koproduktionen „Paradise Now“ von Hany Abu-Assad (Israel) und „Merry Christmas“ von Christian Carion für Frankreich.
(AP)
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