Los Angeles/Berlin – Triumph für "The King's Speech": Das Historiendrama um den stotternden König George VI. wurde in der Nacht zu Montag auf der Gala in Los Angeles mit vier Oscars ausgezeichnet – in der Königskategorie Bester Film sowie für Regisseur Tom Hooper, Hauptdarsteller Colin Firth und Drehbuchautor David Seidler. Zur besten Schauspielerin kürte die Academy Natalie Portman für ihre Rolle als psychotische Ballerina in dem Psycho-Thriller "Black Swan". Firth und Portman waren auch als haushohe Favoriten ins Rennen gegangen.
Ebenfalls vier Oscars gingen an Christopher Nolans "Inception", der in den technischen Kategorien abräumte. Die deutschen Hoffnungen auf einen Oscar erfüllten sich nicht. Jakob Schuh und Max Lang, die Regisseure des animierten Kurzfilms "Der Grüffelo", gingen ebenso leer aus wie Komponist Hans Zimmer ("Inception"), der nach 1994 auf seinen zweiten Filmmusik-Oscar spekulieren konnte.
In ihrer Dankesrede bezeichnete die hochschwangere 29-Jährige Portman die Rolle als die "wichtigste ihres Lebens" und bedankte sich mit zittriger Stimme bei Darren Aronofsky, dem Regisseur des Ballett-Thrillers. Portmans Oscar blieb der einzige für "Black Swan", der in fünf Kategorien nominiert war.
Insgesamt hielt die 83. Oscar-Gala keine größeren Überraschungen bereit. Etwas erstaunlich war, dass die bereits mehrfach oscar-prämierten Brüder Joel und Ethan Coen ganz ohne Auszeichnung blieben. Ihr Western "True Grit" war in zehn Kategorien nominiert, gewann aber in keiner.
David Finchers "The Social Network" erhielt immerhin drei Oscars in den Kategorien "Bester Schnitt", "Beste Filmmusik" und "Bestes adaptiertes Drehbuch". Bei den Golden Globes vor einigen Wochen war das Facebook-Drama noch der große Gewinner mit vier Auszeichnungen gewesen.
Die beiden Nebendarsteller-Oscars gingen an Melissa Leo und Christian Bale aus David O. Russells Boxfilm "The Fighter". Zum besten animierten Spielfilm wurde "Toy Story 3" gekürt. Randy Newman, der die Filmmusik zu allen drei "Toy Story"-Filmen geschrieben hat, bekam für seinen Song "We Belong Together" seinen zweiten Oscar. Der 67-Jährige war bereits zum 20. Mal nominiert.
Die Auszeichnung für den besten nicht-englischsprachigen Film ging an die dänische Produktion "In a Better World" von Susanne Bier. Zum besten Dokumentarfilm wurde "Inside Job" von Charles Ferguson und Audrey Marrs gewählt. Der Film über die Finanzkrise setzte sich unter anderem gegen "Exit through the Gift Shop" des Graffiti-Künstlers Banksy durch.
Die EU-Kommission gratulierte den europäischen Machern der Oscar-Sieger "The King's Speech" und "In a Better World". "Was für eine große Nacht für die europäische Filmindustrie und unser Förderprogramm MEDIA", freute sich EU-Kulturkommissar Androulla Vassiliou. Die EU sponserte "The King's Speech" mit 562.000 Euro aus dem MEDIA-Programm. Auch "In a Better World" wurde von der EU gefördert.
Moderatoren bei der Gala im Kodak Theatre in Los Angeles waren in diesem Jahr Anne Hathaway und James Franco, der auch nominiert war. Die beiden führten zwar charmant durch die Veranstaltung, weitgehend ohne Höhe-, aber auch ohne Tiefpunkte.
Bemerkenswert und berührend war der Auftritt 94-jährigen Kirk Douglas, der den Oscar für die beste Nebendarstellerin überreichte. Emotional wurde es auch, als gegen Ende der rund dreistündigen Veranstaltung wieder an jüngst verstorbene Filmschaffende erinnert wurde, darunter Leslie Nielsen, Tony Curtis und Dennis Hopper.
(dapd)
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