Aktuelle Nachrichten – Welt
22.09.2008
Islamabad – Die pakistanische Staatsspitze ist dem verheerenden Bombenanschlag auf das Marriott-Hotel in Islamabad am Wochenende nur knapp entgangen. Ministerpräsident Yousuf Raza Gilani und Präsident Asif Ali Zardari hätten in dem Hotel gemeinsam zu Abend essen wollen, sagte Innenminister Rehman Malik am Montag. In letzter Minute sei der Termin jedoch in das Haus des Regierungschefs verlegt worden. Die Entscheidung sei geheim gehalten worden. Bei dem Anschlag am Samstag kamen 53 Menschen ums Leben, 270 wurden verletzt.
Die Angreifer hätten möglicherweise von dem geplanten Essen gewusst, sagte Malik. Die gesamte Führung Pakistans wäre demnach im Marriott anwesend gewesen.
Zu der Bluttat bekannte sich zunächst niemand, die Behörden vermuteten aber das Terrornetzwerk Al Kaida oder die Taliban als Urheber. Ein Berater des pakistanischen Taliban-Führers Baitullah Mehsud sagte, dieser sei nicht in den Anschlag verwickelt und teile die Trauer des Landes.
Führende pakistanische Zeitungen forderten die Regierung am Montag zu einer klaren Anti-Terror-Politik auf. Pakistan müsse eindeutig Position beziehen, schrieb die englischsprachige Zeitung „The News“ in einem Leitartikel. Die Regierung müsse akzeptieren, „dass dies unser Krieg ist“. Die Tageszeitung „Dawn“ rief Regierung und Streitkräfte auf, eine unmissverständliche Haltung im Kampf gegen den Terror an den Tag zu legen.
Wegen Sicherheitsbedenken nach dem Anschlag stellte die Fluggesellschaft British Airways ihre Verbindungen nach Pakistan vorübergehend ein. Eine konkrete Bedrohung gebe es aber nicht, sagte ein Sprecher in Pakistan. British Airways bietet wöchentlich sechs Flüge nach Pakistan an.
Im Nordwesten des Landes entführten Bewaffnete den designierten afghanischen Botschafter in Pakistan. Die Männer hätten das Fahrzeug des Diplomaten überfallen und seinen Fahrer getötet, teilte ein Sprecher der afghanischen Vertretung mit.
Ein Zwischenfall ebenfalls in Nordwestpakistan dürfte unterdessen die Spannungen zwischen Islamabad und der US-Regierung verstärken: Nach Geheimdienstangaben beschossen pakistanische Soldaten und Stammesmitglieder zwei amerikanische Hubschrauber, die über die afghanische Grenze geflogen waren. Die Helikopter hätten das Feuer nicht erwidert und seien ohne zu landen nach Afghanistan zurückgekehrt, erklärten zwei Gewährsleute. (AP)