Aktuelle Nachrichten – Welt
20.10.2009
Dera Ismail Khan/Pakistan – Die pakistanischen Streitkräfte werben im Kampf gegen die Taliban in Süd-Waziristan um die Unterstützung eines einflussreichen Stammes in der Region. Mit Flugblättern appellierte der Chef des Heeres, General Ashfaq Parvez Kayani, an die Mitglieder des Mehsud-Stammes, „kollektiv aufzubegehren“ und gegen die Extremisten in ihrer Mitte vorzugehen.
Die jüngste Militäroffensive richte sich nicht gegen die Bevölkerung, sondern gegen die Terroristen, die in der Region „Recht, Gesetz und Frieden“ zunichtegemacht hätten, schrieb der General nach Angaben der Streitkräfte vom Dienstag. Der Mehsud-Stamm wurde bislang mit den Taliban in Verbindung gebracht. Viele Mitglieder des weitläufigen Clans leben allerdings außerhalb der Stammesgebiete. Die Taliban haben in diesen Gebieten entlang der afghanischen Grenze hunderte Stammesälteste getötet, um das traditionelle Herrschaftssystem zu durchbrechen und die Kontrolle zu erlangen.
Die Streitkräfte versuchen gezielt, lokale Kriegsherren und Stammesälteste auf ihre Seite zu ziehen, um Rückhalt für ihre Offensive in Süd-Waziristan zu erlangen. So schloss das Militär ein Bündnis mit zwei einflussreichen antiamerikanischen Stammesältesten, Maulvi Nazir und Hafiz Gul Bahadur. Sie halten sich offiziell aus den Kämpfen heraus und lassen die Truppen über ihr Land marschieren. Die Streitkräfte garantieren ihnen im Gegenzug mehr Kontrolle, wie zwei Geheimdienstmitarbeiter der AP erklärten.
Die USA sehen die Abkommen mit Stammesfürsten und Kriegsherren skeptisch. Sie stellen eine militärische Erleichterung dar, könnten aber den langfristigen Erfolg des Einsatzes gefährden.
Die neue Offensive ist bereits der vierte Versuch seit 2001, die Taliban aus der Region zu vertreiben. Die drei bisherigen Militäroperationen endeten jeweils mit einem Waffenstillstand, der letztlich den Taliban weiter die Kontrolle in Süd-Waziristan ließ. Die Regierung hat allerdings erklärt, dass es nun keine Verhandlungslösung geben werde.
Die am Samstag eingeleitete Offensive gilt als die umfangreichste, seit 2004, als sich die Taliban im Grenzgebiet zwischen Pakistan und Afghanistan neu formierten. Rund 150.000 Menschen wurden von den Kämpfen bereits in die Flucht getrieben, weitere 200.000 dürften nach Behördenangaben in den nächsten Tagen folgen. Die Regierung hat die Großoffensive rechtzeitig angekündigt, dennoch saßen rund 350.000 Zivilpersonen zwischen den Fronten fest. (AP)
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