Geschichte - Erkenntnisse und Fakten – Palasthotel Taj Mahal als Rest der alten Pracht Indiens – Frieder Reimold
The Epoch Times - Deutschland

Aktuelle Nachrichten – Geschichte

Zielort prominenter Gäste Palasthotel Taj Mahal als Rest der alten Pracht Indiens

Frieder Reimold

27.11.2008

Das Taj Mahal Hotel in Bombay im November 2004. (Sebastian D'Souza/AFP/Getty Images)
Das Taj Mahal Hotel in Bombay im November 2004. (Sebastian D'Souza/AFP/Getty Images)

Berlin – Das von Terroristen besetzte Hotel Taj Mahal an den Gestaden Bombays findet in ganz Indien nicht seinesgleichen. Bundeskanzlerin Angela Merkel führte dort bei ihrem Besuch im Oktober vergangenen Jahres politische Gespräche. Ex-Außenminister Joschka Fischer residierte 2004 in dem Bau, der der alten Kolonialpracht des Landes zugerechnet wurde. Allein, es wurde nicht von den britischen Herren gebaut, sondern von einem Inder.

Bauherr des 1803 eröffneten Palasthotels war der Vater der indischen Schwerindustrie, Jamshetji Nusserwani Tata. Tata ist seit der Vorstellung des viertürigen Kleinwagens „Nano“, der nur 2.000 Dollar kostet, wieder ins Blickfeld der Europäer geraten. Der Name steht für indisches Unternehmertum schlechthin, heute mit Hotelkette und Firmen von IT-Bereich bis zum Stahl. „Tata“ steht auch auf den meisten indischen Lastwagen.

Der Gründervater des nach ihm benannten Großkonzerns war in England ausgebildet worden. Die britischen Kolonialherren hatten ihn aber nach seiner Rückkehr daran gehindert, das für seine lange Bar und seine Bohème bekannte Green's Hotel – ebenfalls in Bombay – zu betreten. Es war Weißen vorbehalten.

Über der Anlage des Taj Mahal mit den Mauerstärken eines Forts und der Anmutung eines Mogul-Schlosses schwebt der Geist einer bewegten Vergangenheit. Bei der Eröffnung war es noch nicht fertig, aber durch seinen indischen Bauherren bereits eine heimliche Demonstration gegen Imperialismus und Rassismus.

Erste Krisensitzung der Nobilitäten im Zweiten Weltkrieg

In dem Hotel am Hafen mit dem „Tor zu Indien“ versammelten sich sämtliche Maharadschas des britischen Vizekönigreichs, um über Beiträge zur Unterstützung Londons im Krieg gegen Hitler-Deutschland zu beraten. Es war die erste Sitzung ihrer Art. Eine weitere hat es nicht mehr gegeben.

1947, als Großbritannien Indien in die Unabhängigkeit entließ, marschierten die abziehenden britischen Truppen feierlichen Schrittes an dem viktorianischen Koloss vorbei. Lord Mountbatten, der letzte Vizekönig, und Lady Mountbatten schauten im Schatten des Taj Mahal stehend bewegt zu.

Vorher, in den 20er Jahren, waren die Tanzsäle des Hotels voll mit einem Mix aus stocksteifen Kolonialbeamten, Glücksrittern, Neureichen, vergnügungssüchtigen indischen Adeligen und arabischen Potentaten. Außerdem stiegen dort zuweilen schillernde Schönheiten auf der Suche nach Abenteuern aus ganz Europa ab.

Die Liste der prominenten Gäste ist endlos. Unter ihnen Winston Churchill, Margaret Thatcher, Jimmy Carter, Gandhi, Zubin Meta, Duke Ellington – und für Gregory Peck musste der Hotelzimmermann ein Bett verlängern. Marlene Dietrich war auch da, pikanterweise zu einer Zeit, als sie in diesen Breiten unter dem Verdacht stand, eine Nazi-Spionin zu sein.

Brauner Reis

George Harrison von den Beatles war ebenfalls Gast. Einen legendären Auftritt leisteten sich John Lennon und Yoko Ono. Die Polizei schirmte das Gebäude ab, als sich das Paar fünf Tage lang in seiner Suite einschloss – angeblich um bei braunem Reis zu meditieren.

Die Stadtplaner Bombays redeten in den 50er und 60er Jahren davon, den gealterten Kasten abzureißen. Aber ausgerechnet das Erdbeben im Dezember 1967 rettete ihn. Viele Gebäude der Stadt hielten den Erdstößen nicht stand. Das angeblich am Fundament angeknackste Hotel stand jedoch wie ein Fels – und steht weiterhin. (AP)

 

Schlagworte

Webnews einstellen
 
Anzeige
Anzeige