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Berlin – Eigentlich will Philipp Rösler in sieben Jahren aus der Politik aussteigen. Der Bundesgesundheitsminister hat schon mehrfach gesagt, dass er sich im Alter von 45 Jahren zurückziehen wird. Aber vielleicht ist doch noch nicht alles entschieden. Denn ursprünglich wollte Rösler auch nicht als Minister nach Berlin, sondern bei seiner Familie in Hannover bleiben. So sagte es der heute 38-Jährige FDP-Politiker noch kurz, bevor er nach der Bundestagswahl doch ins schwarz-gelbe Kabinett wechselte.
Christian Lindner fühlt sich wiederum eigentlich zu jung für den Parteivorsitz. Der 32-jährige FDP-Generalsekretär hat sich in den vergangenen Tagen nicht getraut, nach dem Chefsessel zu greifen – obwohl ihn führende Liberale dazu ermutigt haben. Als Parteimanager sehe er seine Aufgabe vor allem darin, das neue Grundsatzprogramm der FDP auszuarbeiten, betont er stets. Bekannt ist, dass er zwar "gerne vor der Front operiert – allerdings weniger mit dem Säbel und öfter mit dem Florett".
Rösler und Lindner sind die beiden aussichtsreichsten Kandidaten auf die Nachfolge Guido Westerwelles. In der Partei werden die Nachwuchstalente schon lange als Hoffnungsträger und mögliche Erben des langjährigen Vorsitzenden gehandelt – zuletzt vor dem traditionellen Dreikönigstreffen der Liberalen Anfang Januar in Stuttgart. Doch scheint ihnen die letzte Entschlossenheit zur Macht noch zu fehlen.
Erinnert wurde zur Jahreswende oftmals an den Abgang des früheren Parteichefs Wolfgang Gerhardts, den der damalige Generalsekretär Westerwelle 2001 vom Thron stieß. Bei einem Geheimtreffen im Hamburger Hotel Atlantic stellte Westerwelle den FDP-Vorsitzenden vor die Wahl: Entweder er erklärt seinen Verzicht oder er riskiert beim Bundesparteitag eine Kampfkandidatur. Zugleich wies der aufstrebende Jungliberale damit Nordrhein-Westfalens Landeschef Jürgen Möllemann in die Schranken.
Einen solch kämpferischen Schritt wagte die neue Generation der Freidemokraten nicht. Im Gegenteil: Der scheidende Chef nahm sogar bei seinem Rückzug das Ruder in die Hand und lud am Sonntagabend kurzfristig zu einer Pressekonferenz ein. Dort kündigte er an, sich beim Bundesparteitag Mitte Mai nicht zur Wiederwahl zu stellen. Lindner erzählt später, dass er am Sonntag mit Westerwelle über den Zeitplan für die kommenden Tage gesprochen habe. Nordrhein-Westfalens FDP-Landeschef Daniel Bahr und fernmündlich auch Rösler nahmen an dem Gespräch teil. Doch Westerwelles Entscheidung stand da nach Worten seines Parteimanagers schon fest.
Im Gegensatz zu Westerwelle präsentieren sich die möglichen Nachfolger weniger konkret, weniger kämpferisch. So deutet Lindner an, dass mit dem Rückzug des Vorsitzenden auch die Zeit der "One-Man-Show" vorbei ist. Der Generalsekretär spricht von einem "Team", das die FDP "Hand in Hand" führen wird. Mit Verweis auf die von Westerwelle gerne genutzten "maritimen Metaphern" sagt er, wichtig sei nicht nur der Steuermann, sondern die ganze Mannschaft.
Warb Westerwelle noch mit prägnanten Sprüchen wie "Arbeit muss sich wieder lohnen" oder "einfach, niedrig und gerecht" für ein neues Steuer- und Sozialsystem, spricht die neue Generation eher vage von Bildungsthemen, einem aktivierenden Sozialstaat und der Generationengerechtigkeit.
Der FDP-Nachwuchs will eher diskutieren als führen, verhält sich eher zögerlich als machtbewusst. Ob das bei einer zerstrittenen Partei den gewünschten Erfolg bringt, bleibt fraglich. Denn auch die inhaltliche Neuaufstellung dürfte für heftige Kontroversen zwischen alter Garde und jungen Aufsteigern sorgen. Parteivize Rainer Brüderle – der sich aktuell über die Atomwende von Schwarz-Gelb ärgert – mahnte die Freidemokraten schon Anfang des Jahres, Kurs zu halten, und wandte sich gegen einen "Säusel-Liberalismus". Auch aus den Ländern müssen sich Rösler und Lindner auf Gegenwind gefasst machen. Denn selbst nach dem Abgang Westerwelles werden die Querschläge von Landespolitikern wie Wolfgang Kubicki oder Jörg-Uwe Hahn nicht aufhören.
Doch vielleicht kommen den beiden auch psychologische Tricks zugute. Schließlich hat Rösler schon in der Schule die Erfahrung gemacht: "Als Asiat hat man es immer leichter, weil alle denken, ich kann Karate."
(dapd)
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