Peking – Nach wochenlangem internationalen Druck hat China ein Gespräch mit einem Vertreter des Dalai Lamas angekündigt. Das Treffen werde in Kürze stattfinden, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua am Freitag. Vonseiten des geistlichen Oberhaupts der Tibeter sei mehrfach der Wunsch nach einer Wiederaufnahme des Dialogs gekommen, zitierte Xinhua einen Regierungsvertreter. Die tibetische Exilregierung in Indien erklärte, noch sei kein Gesprächsangebot eingegangen. Der Dalai Lama sei jedoch immer zum Dialog bereit.
Die Bundesregierung begrüßte die Ankündigung Pekings. China habe die Bundesregierung vor der Bekanntgabe informiert, dass ein solches Gespräch geplant sei, sagte Außenamtssprecher Martin Jäger in Berlin. Der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy nannte die Aussicht auf Gespräche einen Grund zu Hoffnung. Er hatte mit einem Boykott der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele gedroht, sollte es beim Thema Tibet keine Fortschritte geben.
China sah sich nach den blutigen Unruhen in der tibetischen Hauptstadt Lhasa Mitte März zunehmenden Forderungen nach Gesprächen mit dem Dalai Lama konfrontiert. Ziel des nun angebotenen Treffens solle es sein, „die Dalai-Seite“ dazu zu bewegen, ihre Bemühungen um eine Abspaltung Tibets und die Versuche aufzugeben, die Olympischen Spiele zu sabotieren, zitierte Xinhua am Freitag einen Regierungsmitarbeiter. Nur dadurch könnten die Vorbindungen für Gespräche geschaffen werden.
In der Vergangenheit gab es bereits sechs Verhandlungsrunden zwischen Vertretern Chinas und des Dalai Lamas. Direkte Gespräche lehnte Peking ab, und die Erklärung des Dalai Lamas, er strebe keine Unabhängigkeit, sondern eine Autonomie für Tibet an, wurde mit Skepsis aufgenommen. Die Regierung machte den Dalai Lama für die Unruhen in der tibetischen Hauptstadt Lhasa im März verantwortlich, bei denen nach Behördenangaben 22 Menschen ums Leben kamen. Die tibetische Exilregierung spricht von mindestens 140 Toten.
Ein Treffen beider Seiten hatte auch die Europäische Union gefordert, und die Lage in Tibet war am Freitag eines der zentralen Themen beim Treffen von EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso in Peking mit dem chinesischen Ministerpräsidenten Wen Jiabao. Er sei zuversichtlich, dass es schon bald eine „positive Entwicklung in dieser Frage geben werde“, sagte Barroso nach der Beratung. (AP)
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