Technik - Aktuelle Nachrichten – Per Langwelle zur Sommerzeit – Jürgen Voges
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Aktuelle Nachrichten – Technik

Arbeitsgruppe Zeitübertragung Per Langwelle zur Sommerzeit

Jürgen Voges

24.03.2009

Die Atomuhr CS2 der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt in Braunschweig. Innerhalb von rund 2,5 Millionen Jahren weicht dieser Zeitmesser um nur eine Sekunde von der idealen Zeit ab. (AP Photo/Focke Strangmann)
Die Atomuhr CS2 der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt in Braunschweig. Innerhalb von rund 2,5 Millionen Jahren weicht dieser Zeitmesser um nur eine Sekunde von der idealen Zeit ab. (AP Photo/Focke Strangmann)

Braunschweig – Zweimal im Jahr kommt für die Arbeitsgruppe Zeitübertragung bei der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) die entscheidende Sekunde. Die Physiker, die für Millionen Funkuhren und an Labors und Firmen laufend die genaue Zeit liefern, müssen am letzten Sonntag im März für die Umstellung von der Winter- auf Sommerzeit und am letzten Sonntag im Oktober für die umgekehrte Umstellung sorgen.

Dennoch können die fünf Mitarbeiter der Arbeitsgruppe zu Hause im Bett liegen, wenn am Sonntagmorgen die Zeiger statt auf 02.00 Uhr Winterzeit gleich eine Stunde weiter auf 03.00 Uhr Sommerzeit springen. Denn die Zeitumstellung erfolgt längst automatisch.

Seit mehr als 50 Jahren, seit dem ersten Januar 1959, verbreitet die PTB über den Langwellensender DCF77 laufend die genaue Zeit. Der Sender steht im Mainhausener Ortsteil Mainflingen 30 Kilometer südöstlich von Frankfurt und beliefert europaweit rund 100 Millionen Funkuhren jede Minute präzise mit der deutschen gesetzlichen Zeit. In der Mehrzahl versehen die Funkuhren in Deutschland ihren Dienst.

Die Zeitumstellung am Sonntag leitet der Sender genau eine Minute vor 02.00 Uhr ein. „Um 01.59 sendet DCF77 das Signal aus, dass die nächste Minute nicht um 02.00 Uhr mitteleuropäischer Zeit, sondern um 03.00 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit beginnt“, sagt Andreas Bauch, der die Arbeitsgruppe Zeitübertragung leitet.

Der Physiker hat selbst einen Funkwecker, der automatisch von DCF77 die Zeit erhält. In der Nacht der Zeitumstellung liegt neben dem Wecker noch eine Armbanduhr, die von Hand umgestellt werden muss. „Wenn ich in der Nacht aufwache und Wecker und Armband zeigen verschiedene Stunden an, weiß ich, dass die Umstellung geklappt hat“, sagt er.

Genauer als eine Tausendstelsekunde

Der Langwellensender DCF77 hat vor zweieinhalb Jahren eine neue Steuereinheit erhalten. Seit ihrem Einbau hat der Sender zwei Programme, eines mit und eines ohne Zeitumstellung, wie Bauch erläutert. Entsprechend der gesetzlichen Regelung sei derzeit natürlich das Programm mit Zeitumstellung aktiviert. „Das Signal des Senders ist genauer als eine Tausendstelsekunde“, betont der.

Dem Sender geben drei Atomuhren den Takt vor. Deren Zeitangaben werden automatisch verglichen. Uhren und Steuereinheit des Senders haben eine unabhängige unterbrechungsfreie Stromversorgung. Die codierte Zeitinformation wird jeweils in der 15. bis 58. Sekunde jeder Minute übertragen. Gesendet wird auf der Langwellenfrequenz 77,5 Kilohertz.

Zu den Funkuhren, die am Sonntagmorgen nach der Umstellung automatisch die Sommerzeit anzeigen, gehören Bahnhofsuhren, Kirchturmuhren, Zeitanzeigen an Straßenbahnhaltestellen und Millionen private, per Funk gesteuerte Wecker oder Uhren.

Sonderschicht soll Blamage verhindern

Über ihren Sender DCF77 habe die PTB 50 Jahre lang stets die genaue Zeit verschickt, betont Bauch. Allerdings sei der Sender zuweilen witterungsbedingt ausgefallen. In den vergangenen zwei Jahren habe es sieben Störungen der Sendeanlage gegeben, die länger als 30 Minuten gedauert hätten. In der Summe sei dessen Signal in 99,94 Prozent der Zeit verfügbar gewesen.

Ursache der Störungen waren Sturm, Schneefall oder Eisregen: „Schnee oder Eis auf der Antennenanlage können die Frequenz des Senders verändern“, sagt Bauch. Dann muss die Antenne nachgeregelt werde, damit die Funkuhren ihr Signal wieder empfangen.

In der Nacht der Zeitumstellung legt deswegen ein Mitarbeiter des Senders eine Sonderschicht ein. „Es wäre schon eine Blamage, wenn der Sender ausgerechnet in der Nacht der Zeitumstellung ausfallen würde“, meint der Physiker. Der Mitarbeiter der Media Broadcast, die für die PTB die Sendeanlage betreibt, muss deswegen bis nach der Zeitumstellung im Sender in Bereitschaft sitzen.

Bauch legt Wert darauf, dass sich am Lauf der supergenauen Atomuhren der PTB am Sonntag nichts ändert. „Wir machen das im Prinzip wie der Besitzer einer Armbanduhr. Der dreht die Zeiger eine Stunde vor, aber das Uhrwerk läuft normal weiter“, sagt Deutschlands Zeittaktgeber. Auch die PTB lasse am Sonntag nicht die Zeit schneller laufen, sondern ändere einfach nur die Zeitangabe. (AP)

 

 

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