Aktuelle Nachrichten – Deutschland
27.01.2010
Foto: Markus Schreiber/AP Photo
Berlin (apn) Mit eindringlichen Worten hat der israelische Präsident Schimon Peres im Bundestag an den Holocaust erinnert und angesichts der atomaren Bedrohung durch den Iran vor einer Wiederholung gewarnt. Um eine zweite Shoa zu verhindern, müsse Frieden mit allen Ländern bewahrt werden, sagte der 86-Jährige am Mittwoch in einer Gedenkstunde für die Opfer des Holocaust. Die Drohungen, Israel zu zerstören, kämen von nicht zurechnungsfähigen Menschen, sagte er mit Blick auf die iranische Führung.
Peres war nach Ezer Weizman und Mosche Katzav der dritte israelische Präsident, der vor dem Parlament sprach. Der Bundestag begeht den Holocaust-Gedenktag jedes Jahr mit einer Feierstunde, zu der die höchsten Repräsentanten des Staates eingeladen sind. Dazu zählen neben dem Bundespräsidenten und der Bundeskanzlerin auch der Bundesratspräsident und der Präsident des Bundesverfassungsgerichts.
Vor 65 Jahren, am 27. Januar 1945, war das Vernichtungslager Auschwitz durch sowjetische Truppen befreit worden. Diesen Tag erklärten die Vereinten Nationen im Jahr 2005 zum internationalen Holocaust-Gedenktag. In Deutschland ist dieser Tag seit 1996 der zentrale Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus.
Peres erinnerte in seiner emotionalen, 35-minütigen Rede an seinen Großvater und weitere Familienmitglieder, die die Nazis umgebracht hätten. Als er ihn das letzte Mal gesehen habe, habe ihm sein Großvater mit auf den Weg gegeben: „Mein Kind, bleib immer ein Jude“, erzählte der Friedensnobelpreisträger.
Der Blick müsse in die Zukunft gerichtet werden: „Nie wieder eine Rassenlehre, nie wieder ein Gefühl von Überlegenheit“, forderte Peres und fügte hinzu, nie wieder dürften Demagogen mit mörderischen Absichten ein Volk bedrohen.
Er betonte, Israels Ziel sei es, mit seinen Nachbarn in Frieden zu leben. Sein Staat stimme einer Zweistaatenlösung mit den Palästinensern zu. Man zögere nicht, für den Frieden einen Preis zu zahlen und sei bereit, auf Gebiete zu verzichten, sagte Peres.
Allerdings lehne man ein „fanatisches Regime“ ab, das die UN-Charta ablehne, mit Zerstörung drohe und Nuklearwaffen besitze, sagte Peres mit Blick auf den Iran. „Ein solches Regime ist eine Gefahr für die ganze Welt“, fügte er hinzu. Der Frieden sei seiner Meinung nach in Reichweite. Peres, der am Montag zu einem dreitägigen Staatsbesuch in Berlin eingetroffen war, erhielt für seine Rede langanhaltenden, stehenden Beifall.
Vor Peres hatte Bundestagspräsident Norbert Lammert gesprochen und die besondere Verantwortung Deutschlands für den Staat Israel bekräftigt. „Wo sein Existenzrecht gefährdet ist, gibt es für uns Deutsche keine Neutralität“, sagte der CDU-Politiker. „Manches ist verhandelbar, das Existenzrecht Israels nicht“, betonte er.
Ein atomar bewaffneter, offen antisemitischen Regime in seiner Nachbarschaft sei nicht nur für Israel unerträglich, die Weltgemeinschaft dürfe eine solche Bedrohung nicht dulden, sagte Lammert.
Derweil warnte der Zentralrat der Juden in Deutschland vor „Gleichgültigkeit gegenüber dem Schicksal des anderen“. „Es ist nicht hinnehmbar, dass Rechtsextremisten 65 Jahre nach dem Ende der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft braunes Gedankengut verbreiten“, monierte Präsidentin Charlotte Knobloch.
http://www.bundestag.de/ (AP)
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