Panorama - Aktuelle Nachrichten – Peter Maffay präsentiert seine größten Hits mit Orchester – Uwe Käding
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Aktuelle Nachrichten – Panorama

40-jähriges Bühnenjubiläum Peter Maffay präsentiert seine größten Hits mit Orchester

Uwe Käding

28.01.2010

Im Gespräch mit der Nachrichtenagentur DAPD erzählt der 60-jährige Sänger und Gitarrist von seinem neuen Projekt – und davon, wie er sich einmal den Abschied von der Bühne vorstellen könnte. Foto: Fabian Bimmer/AP Photo
Im Gespräch mit der Nachrichtenagentur DAPD erzählt der 60-jährige Sänger und Gitarrist von seinem neuen Projekt – und davon, wie er sich einmal den Abschied von der Bühne vorstellen könnte.

Foto: Fabian Bimmer/AP Photo

Berlin/Tutzing (apn) Peter Maffay feiert sein 40-jähriges Bühnenjubiläum mit Pauken und Trompeten: Mit klassischem Orchester und seiner Band hat er seine großen Hits von den sieben Brücken über „Du“ bis „Ewig“ neu eingespielt und wird diese aufwendige Produktion im Herbst auch live präsentieren.

In Berlin gab es am Mittwoch zusammen mit dem Philharmonic Volkswagen Orchestra für die Bühnenshow die Weltpremiere, am Freitag erscheint die CD, die Maffay und seine Band mit einem polnischen Orchester aufgenommen haben. Im Gespräch mit der Nachrichtenagentur DAPD erzählt der 60-jährige Sänger und Gitarrist von seinem neuen Projekt – und davon, wie er sich einmal den Abschied von der Bühne vorstellen könnte.

„Tattoos“ heißt das neue Album mit den 15 Neueinspielungen. Deep Purple, Procol Harum, die Scorpions und Metallica sind die Referenzpunkte, an denen man sich orientiert hat und an denen man gemessen wird – das ist Maffay klar. „Es gibt gelungene Beispiele, und es gibt weniger imposante Beispiele, wo du sagst, ob da jetzt in New York eine Tür zufällt oder nicht, ist auch egal“, sagt Maffay. „Ich meine, ich habe sieben Jahre Geige gespielt und habe ein Ohr für Klassik. Ich habe selber viel Klassik bei mir im Schrank stehen. Aber es macht mich nicht zum Fachmann, und schon gar nicht, wenn es darum geht, zu beurteilen, wie funktioniert das mit einer Band?“

Aber Maffay wäre nie da angekommen, wo er heute ist, würde er sich da nicht beraten und helfen lassen. Sein Gitarrist Peter Keller war der Mittelsmann zum Arrangeur Peter Hintertür, der dem Orchester die Partituren schrieb. Für die rein wirtschaftliche Umsetzung schmiedete Maffay Allianzen und Kooperationen, wie schon der Name des Tour-Orchesters zeigt.

Die Musikindustrie ist in der Krise, und auch der Mann, der mehr als 40 Millionen Tonträger verkauft hat, muss sehen, wie er seine Visionen realisieren kann. „Du musst kompensative Bündnisse erzeugen, die dir einfach helfen, weil du es aus eigener Kraft nicht mehr schaffst. Mit dem Orchester ist es dasselbe: Würde VW das nicht bezahlen, könnten wir das nur auf den Ticketpreis draufschlagen. Und dann muss man sich fragen, ob wir unserer Philosophie, kaufbare Tickets zu erzeugen, noch gerecht werden. Unser Publikum würde uns was husten, wenn wir da über ein gewisses Limit hinausgingen.“

„Wir können auch ohne leben“

Ist das philharmonische Projekt nun das, was Maffay noch in seiner Sammlung fehlt? „Sagen wir mal so: Wir können auch ohne leben. Aber es ist interessant, es ist ein anderes Segeln. Dieses Schiff bewegt sich – zumindest im Studio – mal anders. Da tun sich Möglichkeiten auf, die wir allein nicht erzeugen können. Und diese Ergänzung, die ist reizvoll.“

Allerdings war das, was das Wroclav Score Orchestra in Maffays Studio in Tutzing zurückschickte, der Band und ihrem Chef manchmal zuviel: „Einige Sachen haben mir nicht so zugesagt, wir haben das diskutiert, und dann haben wir einfach gemuted“ (Tonspuren stumm geschaltet). „Eiszeit“ fange deshalb jetzt mit einem extrem sparsamen Arrangement an: Der Text solle so besser zur Geltung kommen, erklärt Maffay. „Und dann hinten, wo die Wiederholungen passieren und die Refrains und so weiter, wo einfach nur Sentiment ist, dann finde ich es gut, dass die Band Druck macht. Sagen wir mal so: Im Studio haben wir das alles zunächst einmal zusammengefügt, wenn wir das im Herbst spielen, ist es noch mal was anderes. Das wird spannend!“

14 der 15 Songs sind völlig neu arrangiert worden, nur eines ist nach Maffays Angaben auch im Orchesterarrangement eine Kopie: „Du“, sein erster großer Hit vor 40 Jahren, für viele der Inbegriff einer Schnulze. Hintertür habe das Arrangement von der Platte herausgehört und aufgeschrieben, so gut es ging. „Wenn du die Historie von 'Du' an die Seite stellst, die Polarisierung, die damit zustande kam oder zusammenhängt – wenn du einfach nur die Komposition nimmst: Ich habe so viele amerikanische und englische Kollegen hier gehabt, die diese ganze Geschichte nicht kennen und die sagen: 'Das ist ein geiler Song!'“

Heute sehe er die scharfen Kontroversen aus vor allem den 70er Jahren entspannt. „Ich glaube, nach hinten verschwindet die Angst vor der Vergangenheit, weißt du?“ sagt er. „Deswegen wird auch 'Du' das Bekenntnis: Das war die erste Scheibe, jetzt machen wir sie. Schluss. So what? Das finde ich amüsant und befreiend. Ich freue mich jetzt schon, wenn wir rausgehen, und die fangen an und ich spiele dieses Intro (singt) ... Ich weiß genau, was die Leute machen werden: Die werden schreien! Und ich auch.“

Inniges „Ewig“

Völlig anders, weil hier nach einiger Diskussion die Band „stummgeschaltet“ wurde, ist „Ewig“ geworden. „Es ist innig!“, erklärt Maffay. „Wir haben die Orchester-Files bekommen und haben gecheckt, was wollen wir rausschmeißen, damit wir noch eine Berechtigung haben, bei dem Song selbst zu spielen“, erzählt er. „Und hören das, und ich drehe mich um und sage: 'Jungs, was haltet ihr davon, wenn wir ein ganz anderes Bild erzeugen? Ich singe, und ihr steigt aus.'“

„Wir verschwinden“ ist das einzige Lied, das bisher noch nicht veröffentlicht war. Aber es hätte auch schon auf dem vorigen Album sein können, ein Hinweis auf die Zukunft sei das nicht. Aber Maffay ist sich der Symbolik bewusst. „Ich meine, wenn ich das letzte Album spiele, wäre es konsequent, dass ich auf der Gitarre ganz alleine spiele. So habe ich ja schließlich angefangen. Das wäre für mich einfach so als Bild die richtige Art, sich zu verabschieden. Thank you and good night! Paff, und das Ganze in a-Moll, oder...“

Am 2. November beginnt Maffay philharmonische „Tattoos“-Tour in der Hamburger Color Line Arena. Geplant sind bisher mehr als 20 Konzerte. (AP)

 

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