Menschen & Meinungen – Peter Zadek sah sich als „ängstlichen Menschen“ – DAPD
The Epoch Times - Deutschland

Aktuelle Nachrichten – Menschen & Meinungen

Letztes großes Interview Peter Zadek sah sich als „ängstlichen Menschen“

DAPD

06.08.2009

„Ich habe eine sehr freie und lose Phantasie, mit der Regieführen wirklich großen Spaß macht.“ (AP Photo/Oliver Frantitsch)
„Ich habe eine sehr freie und lose Phantasie, mit der Regieführen wirklich großen Spaß macht.“ (AP Photo/Oliver Frantitsch)

Hamburg – Eine Woche nach dem Tod von Theaterlegende Peter Zadek hat die Wochenzeitung „Die Zeit“ ein letztes großes Interview mit dem Regisseur veröffentlicht. Zadek, der in der Nacht zum 30. Juli starb, sagte darin über sich selbst, er sei „ein sehr ängstlicher Mensch“. Auch habe er sich selbst als „gar nicht so clever“ wahrgenommen. Sein großer Vorteil sei: „Ich habe eine sehr freie und lose Phantasie, mit der Regieführen wirklich großen Spaß macht.“ „Die Zeit“ führte das Gespräch mit Zadek wenige Wochen vor seinem Tod.

Zadek sah seine schönste und aufregendste berufliche Zeit in Bremen. „Das lag an den 60er Jahren und am Intendanten Kurt Hübner. Da war eine Stimmung! Also alles, was wir gemacht haben, war eine neue Erfindung.“ Er habe in Deutschland die Schauspielerei neu erfinden müssen: „Als ich 1959 nach Deutschland kam, standen die Akteure auf der Bühne und sprachen nur Text. Aber sie spielten nicht Theater. Das hat mich total überrascht ... Schauspieler gingen damals nicht wie Menschen, sondern eben wie Schauspieler. Unnatürlich. ... Die Jungen wussten überhaupt nicht, wo es lang geht. Das war für mich natürlich die Gelegenheit.“

Gegen Mitbestimmung

In den 70er Jahren hatte sich Zadek gegen die Mitbestimmung am Theater ausgesprochen: „Ich hätte damals gerne die Intendanz in Kassel übernommen. Aber da wurde ich in einer Art Hearing gefragt, was ich von Mitbestimmung im Theater halte. Gar nichts, habe ich gesagt. Entscheidungen in der Kunst könnten immer nur in einem Kopf stattfinden. Damit hatte ich den Posten verspielt.“ Zadek fügte hinzu: „Die Engländer lieben leaders and not dictators. Das ist auch die richtige Beschreibung für mich.“

Zadek hatte als emigrierter Jude zunächst in England als Regisseur gearbeitet, ehe er nach 1958 nach Deutschland zurückkehrte. In den 60er Jahren arbeitete er vor allem in Bremen, später als Generalintendant und Regisseur am Bochumer Schauspielhaus, wo er mit skandalumwitterten Stücken vor allem britischer Autoren, ungestümen Inszenierungen und ungewöhnlichen Schauspielern für Furore sorgte. Später leitete er das Schauspielhaus in Hamburg und inszenierte erfolgreich in vielen Städten.

Nach einem Triumph mit seinem Wiener „Hamlet“ ehrte ihn das Magazin „Theater heute“ im Jahr 2000 als „Regisseur des Jahres“. Im November 2008 wurde Zadek mit dem Theaterpreis „Nestroy“ für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Er starb im Alter von 83 Jahren in Hamburg. (AP)

 

Hier können Sie sich im Newsletter eintragen.

Folgen Sie uns auf Facebook , Twitter und Google+.

 
Anzeige
Anzeige