Kultur – Philosophie, Politik und Proteste – Epoch Times Deutschland
The Epoch Times - Deutschland

Aktuelle Nachrichten – Kultur

Philosophie, Politik und Proteste

Epoch Times Deutschland

10.09.2012

Judith Bulter (Stephan Töpper/Freie Universität Berlin/dapd) Foto: Freie Universitaet Berlin/Stepha
Judith Bulter (Stephan Töpper/Freie Universität Berlin/dapd)

Foto: Freie Universitaet Berlin/Stepha

Frankfurt/Main – Der Adorno-Preis hat selten so viel Aufmerksamkeit erfahren wie in diesem Jahr. Die seit 1977 verliehene Auszeichnung für hervorragende Leistungen in den Bereichen Philosophie, Musik, Theater und Film zieht bis zuletzt eine breite politische und auch kontroverse Diskussion nach sich. Der Zentralrat der Juden in Deutschland wirft der auserkorenen Preisträgerin Judith Butler Israelfeindlichkeit vor. Die jüdisch-amerikanische Philosophin weist die Vorwürfe zurück - ein öffentlicher Schlagabtausch via Gastbeiträgen in Zeitungen. Die Stadt Frankfurt am Main hält trotzdem an der Wahl Butlers fest.

Viel mehr ist unmittelbar vor der Preisverleihung an diesem Dienstag (11. September) in der Paulskirche aus dem Rathaus kaum zu hören. Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD), Mitinitiator des Arbeitskreises jüdischer Sozialdemokraten, möchte sich zu dem Thema nicht äußern. Auch nimmt er nicht an der Preisverleihung teil - aus terminlichen Gründen, wie sein Sprecher betont. Einen politischen Hintergrund gebe es nicht. Die Absage sei schon erfolgt, bevor die Debatte losgegangen sei. Zuständig sei unabhängig davon Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU).

Dieser hatte Ende August, als die Debatte frisch aufgeflammt war, Verständnis für die Kritik geäußert. Zugleich zeigte er sich überrascht, dass sie so scharf ausgefallen sei und nicht zwischen einzelnen Aussagen Butlers und ihrem Gesamtwerk differenziert werde. Auch betont Semmelroth, dass sich keinem Mitglied des unabhängigen Kuratoriums des Preises "eine Nähe zu antisemitischen und antiisraelischen Positionen" nachsagen lasse. Dieser Aussage, heißt es aus dem Büro Semmelroth, sei aktuell nichts hinzuzufügen.

Auch die Positionen der Kontrahenten scheinen vor der Preisverleihung unverrückbar. Der Zentralrat der Juden, in Person von Generalsekretär Stephan Kramer, kritisiert insbesondere, dass Butler die Hamas und Hisbollah als legitime soziale Organisationen bezeichnete. Zudem wirft der Rat ihr "Komplizenschaft" mit der Initiative BDS vor, die zum Boykott gegen Israel aufrufe. Butler weist die Vorwürfe zurück und warnt davor, jede Kritik an Israel als Tarnung antisemitischer Motive zu verdächtigen. Ihre Aussagen zur Hamas und Hisbollah relativierte sie.

Jüdische Gemeinde boykottiert die Preisverleihung

Die Antwort reicht indes weder dem Zentralrat der Juden noch der Frankfurter Jüdischen Gemeinde. Sie kündigen an, der Preisverleihung fernzubleiben. "Unsere Position ist unverändert", sagt Salomon Korn, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Frankfurt und Vizepräsident des Zentralrats der Juden. Butler habe zwar versucht, ihre Aussagen zur Hamas, Hisbollah und zu Israel ein wenig aufzuweichen. Aber grundsätzlich habe sie nichts Neues gesagt. Korn wirft Butler Realitätsverkennung vor.

Er mahnte, es sich nicht so einfach zu machen, die wissenschaftlichen Verdienste der Philosophin von ihren politischen Äußerungen zu trennen. Deshalb werde von den Offiziellen aus der Gemeinde niemand zu der Preisverleihung gehen. "Wir haben aber nicht zu einem Boykott aufgerufen", stellt Korn zugleich klar. Jedes Mitglied der Gemeinde sei frei in seiner Entscheidung.

Ein klärendes Gespräch mit Butler schließt Korn indes aus: Dazu sei schon zu viel Porzellan zerschlagen worden. "Wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist, ist es zum Schwimmenlernen zu spät." Zu lautstarkem Protest gegen die Preisverleihung ruft unterdessen die Prozionistische Linke auf. Sie hat eine Versammlung auf dem Paulsplatz mit 50 Personen angemeldet, wie ein Sprecher des Ordnungsamts sagte. Gründe, das zu verbieten, gebe es nicht.

dapd

 

Hier können Sie sich im Newsletter eintragen.

Folgen Sie uns auf Facebook , Twitter und Google+.

 
Anzeige
Anzeige