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17.07.2005
Düsseldorf - Der neue nordrhein-westfälische Minister für Innovation, Wissenschaft, Forschung und Technologie, Andreas Pinkwart, will mit Studiengebühren mehr Qualität an den Hochschulen finanzieren. Im Interview der Nachrichtenagentur AP kündigte der FDP-Politiker außerdem mehr Freiheit für die Hochschulen und eine engere Verbindung von Forschungspolitik und Technologieförderung an. Das Interview im Wortlaut:
AP: Herr Pinkwart, Sie sind von Haus aus Wissenschaftler, Professor der Betriebswirtschaftslehre. Eine Ihrer Publikationen trägt den Titel «Chaos und Unternehmenskrise», eine andere heißt «Möglichkeiten und Grenzen der Chaossteuerung in Unternehmen». Hat das einen Bezug zu Ihrer künftigen Arbeit als Innovationsminister?
Pinkwart: Mit dem Thema Chaossteuerung habe ich mich in den 90er Jahren beschäftigt, zuletzt habe ich zu Unternehmensgründungen und Unternehmenskrisen geforscht. Aber um das Stichwort aufzugreifen: Es gibt eine Ordnung im Chaos, die gilt es nur zu entdecken, um auf einen stabilen Pfad zurückzukehren. In meinem Ministerium habe ich aber zum Glück kein Chaos angetroffen, sondern ein hoch motiviertes und sachkundiges Team. Und in der Hochschul- und Forschungslandschaft gilt es eher, Reglementierungen abzubauen und mehr Freiheit zu schaffen.
AP: Wer kam auf die Idee, das eigentlich normal zugeschnittene Forschungsministerium (mit den üblichen Zusätzen Wissenschaft und Technologie) in Innovationsministerium umzubenennen?
Pinkwart: Bislang gab es in NRW ein Ministerium für Wissenschaft und Forschung. Die Technologieförderung war beim Wirtschaftsminister. Jetzt werden diese drei Säulen in einem Haus zusammengefasst. Dadurch wird der Name länger, aber die Wege werden kürzer - für alle, die in NRW mit Innovation zu tun haben. Innovation, also wirksame Erneuerung, ist das, was unser Land dringend benötigt. Und dafür brauchen wir beste Bedingungen - für die Hochschulen, für die Forschung, für die Entwicklung und für die Unternehmen, die die Ergebnisse letztlich umsetzen und an den Markt bringen.
AP: Was wird durch die Bezeichnung Innovationsministerium anders, oder ist sie nur ein hübsches Etikett?
Pinkwart: Neu ist, dass erstmals die Wissenschaftsexperten mit den Forschungsspezialisten und den Fachleuten für Technologiepolitik unter einem Dach zusammenarbeiten. Das ist ein erster Schritt, damit NRW im Technologiewettbewerb den Anschluss an andere Länder findet. Neu ist für NRW auch, dass wir Kooperationen zwischen Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Wirtschaft effektiver fördern wollen.
AP: Was sehen sie als erste dringlichste Aufgabe oder grundlegende Entscheidung?
Pinkwart: Ich sehe zwei große Aufgaben: Erstens die Hochschulen weiter in die Freiheit zu entlassen und sie dabei so zu unterstützen, dass sie diese Freiheit auch nutzen können. Damit sie künftig das Kapitänsamt auf ihrem eigenen Schiff voll übernehmen können. Dazu bereiten wir ein Hochschulfreiheitsgesetz vor. Zweitens möchte ich die Aufgaben des Ministeriums von Hochschulverwaltung in Richtung Hochschulmanagement verändern. Wir wollen Lotse für viele wendige Schnellboote sein statt Kapitän auf einem schwerfälligen Tanker.
AP: Und Sie wollen Studiengebühren.
Pinkwart: Wir wollen den Hochschulen die Möglichkeit eröffnen, Studienentgelte einzuführen. Die Höchstgrenze beträgt 500 Euro pro Semester. Ziel von Studienentgelten ist es, das Bewusstsein für den Wert von Bildung und Ausbildung zu stärken und mit dem Geld die Qualität der Lehre zu verbessern. Die Hochschulen erhalten das gesamte Geld, das über verbesserte Studienbedingungen und eine bessere Qualität der Lehre den Studierenden direkt zugute kommt. Die Studierenden werden diesen Qualitätsanspruch künftig auch gegenüber ihrer Hochschule geltend machen. Denn sie haben ein Interesse an einem zügigen Studium und einem erfolgreichen Abschluss. (AP)
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