Aktuelle Nachrichten – Europa
03.01.2009
Moskau/Warschau – Der Gasstreit zwischen Russland und der Ukraine hat offenbar zu ersten Störungen bei der Lieferung von russischem Erdgas an andere Länder geführt. Polen und Rumänien meldeten am Freitagabend einen Rückgang der Gaslieferungen aus Russland, die durch Pipelines in der Ukraine gepumpt werden. Kunden in den beiden Ländern waren zunächst nicht betroffen. Der russische Gasmonopolist Gazprom erklärte, die Ukraine habe für den Balkan bestimmte Lieferungen abgezweigt.
Das ukrainische Unternehmen Naftogaz erklärte, es nutze einen Teil des Gases aus Russland dazu, sein Leitungssystem betriebsbereit zu halten. Gazprom sei verpflichtet, dieses sogenannte „technische Gas“ zu liefern. Der stellvertretende Gazprom-Chef Alexander Medwedew forderte die Ukraine am Freitag auf, sich an Vereinbarungen zu halten und die Gaslieferungen nicht zu behindern. Balkanstaaten litten unter einer Verringerung der Lieferungen.
Der polnische Gasmonopolist PGNiG registrierte nach eigenen Angaben um 17.00 Uhr MEZ einen Rückgang der Gaslieferungen um etwa sechs Prozent. Das rumänische Unternehmen Transgaz meldete sogar einen Rückgang um 30 bis 40 Prozent.
Gazprom hat am Donnerstag im Streit um unbezahlte Rechungen und künftige Lieferbedingungen alle Gaslieferungen an die Ukraine gestoppt. Die Entscheidung weckte Erinnerungen an einen ähnlichen Streit 2006, als auch die Lieferungen an Westeuropa zeitweise eingeschränkt waren. Gazprom teilte gleichzeitig mit, es habe die Gasmenge in den Leitungen erhöht, die hauptsächlich Europa belieferten. Die ukrainische Regierung erklärte, sie garantiere den reibungslosen Transit.
Beide Seiten bemühen sich inzwischen um europäische Unterstützung. Eine Delegation unter Führung des ukrainischen Energieministers Jurij Prodan brach am Freitag nach Prag auf. Brüssel soll eine weitere Station der Reise sein. Russland seinerseits bat um eine Sondersitzung der EU-Kommission, um die Position Moskaus darzulegen, wie der russische Vizeaußenminister Alexander Gruschko sagte. Direkte Kontakte zwischen Kiew und Moskau waren vorerst nicht geplant. (AP)