Berlin: Jüdischer Schüler flüchtet von „Schule ohne Rassismus“ mit 75 Prozent Migratenanteil

Antisemitismus in Schule "ohne Rassismus": Ein 14-jähriger jüdischer Schüler hat die Berliner Gesamtschule Friedenau verlassen, nachdem ihn Mitschüler wegen seiner Religionszugehörigkeit mehrfach beleidigt und schließlich angegriffen haben sollen. Der Migrantenanteil dieser Schule in Berlin beträgt etwa 75 Prozent, hauptsächlich Türken und Araber.

In einem offenen Brief hat sich die Leitung einer Berliner Gemeinschaftsschule entsetzt über einen antisemitischen Vorfall an ihrer Schule gezeigt.

Ein 14-jähriger jüdischer Mitschüler hat die Gesamtschule Friedenau in Berlin-Schöneberg verlassen, nachdem ihn Mitschüler wegen seiner Religionszugehörigkeit mehrfach beleidigt und schließlich angegriffen haben sollen.

Der Würzburger Arzt Josef Schuster ist derzeit Vorsitzender des Zentralrats der Juden in Deutschland. In dieser Funktion forderte er die Berliner Schulverwaltung auf, das Verhalten der Friedenauer Schulleitung genau zu untersuchen und Versäumnisse klar zu benennen, berichtet die „Jüdische Allgemeine“ zu dem Fall.

Der Schulleitung ist der Vorfall besonders peinlich. Wie sie in einem offenen Brief auf ihrer Internetseite schreibt, möchte sie ihr „Bedauern und Entsetzen kundtun“. Außerdem wurde darauf verwiesen, dass die Schule seit 2016 Teil des Projekts „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ sei.

Migrantenanteil 75 Prozent

Die Mutter des Jungen hatte der englischsprachigen Zeitung „The Jewish Chronicle“ von dem Vorfall berichtet. Auch der „Tagesspiegel“ berichtete darüber.

Die Schulleitung teilte auf ihrer Internetseite mit, dass sie gegen die mutmaßlichen Täter Strafanzeige erstattet habe. Außerdem wolle sie schulische Ordnungsmaßnahmen gegen die Jugendlichen einleiten. Laut „Tagesspiegel“ haben an der Schule etwa 75 Prozent der Schüler eine andere Muttersprache als Deutsch, viele kommen aus türkischen oder arabischen Familien.

Wie die „Berliner Zeitung“ berichtet, ergab eine Umfrage des Bundesinnenministeriums unter Schülern, dass deutlich mehr muslimische Schüler Vorurteile gegenüber Juden gezeigt hätten, als nicht-muslimische Schüler.

„Juden sind alle Mörder“

Wie die „Jüdische Allgemeine“ berichtet, soll der 14-Jährige vor zwei Wochen von zwei Schülern an der Bushaltestelle vor der Schule gewürgt worden sein.

Der jüdische Schüler soll bereits vor einigen Monaten von Mitschülern beleidigt worden sein, nachdem er über seine Religionszugehörigkeit gesprochen hatte, wie „The Jewish Chronicle“ schrieb. „Du bist eigentlich ein cooler Typ, aber ich kann nicht mit dir befreundet sein“, soll einer der Mitschüler gesagt haben, sowie: „Juden sind alle Mörder.“

Schulleiter Uwe Runkel bestätigte dem „Tagesspiegel“ lediglich den ersten Teil der Aussage. Vor rund zwei Wochen hatten den Berichten zufolge dann zwei Mitschüler den 14-Jährigen an einer Bushaltestelle in den Schwitzkasten genommen und gewürgt worden sein. In einem anderen Fall wurden mit einer täuschend echt aussehenden Spielzeugpistole Plastikteile auf ihn geschossen. Die anderen Schüler standen dabei und lachten, so die „Jüdische Allgmeine“ dazu. Einer der mutmaßlichen Täter war kurz zuvor erst von einer anderen Schule geflogen.

Kein Einzelfall

„Leider ist das kein Einzelfall, wir hören immer wieder von solchen Angriffen“, sagte Levi Salomon, Sprecher und Koordinator des Vereins Jüdisches Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus, dem „Tagesspiegel“.

Einige Hundert Meter von der Schule entfernt sei 2012 ein Rabbiner von mehreren mutmaßlich arabischstämmigen Jugendlichen vor den Augen seiner Tochter zusammengeschlagen worden. Die Ermittlungen der Polizei sollen ohne Ergebnis geblieben sein, so das Blatt.

Hinsichtlich der erneuten Vorfälle forderte Zentralratschef Schuster von der muslimischen Gemeinschaft, den antisemitischen Tendenzen in ihren Reihen und der Judenfeindlichkeit in Teilen der Moscheen in Deutschland entgegenzutreten.

Auch in Hamburg, keine Einzelfälle – Die Intoleranz richtet sich nicht nur gegen Juden, sondern generell gegen „Ungläubige“.