Berlin: Gefängnisausbruch in JVA Tegel – Nordafrikaner foppte Wärter mit Kissen-Dummy

Von und 8. February 2018 Aktualisiert: 10. Februar 2018 6:58
Da waren es schon zehn ... Erneut ist ein Gefangener aus dem Berliner Strafvollzug geflohen. Das Fehlen des Mannes in der Haftanstalt Tegel sei am Morgen festgestellt worden, teilte die Justizverwaltung mit. Doch weg ist er wohl schon seit dem Vortag, nur fiel es niemandem auf ...

In Berlin ist offenbar erneut ein Gefängnisinsasse entwischt. Wie die Senatsverwaltung für Justiz am Donnerstag mitteilte, wurde am Morgen das Fehlen eines Häftlings in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Tegel festgestellt.

Dabei handelt es sich um den zehnten Fall innerhalb von sechs Wochen in Berlin, wie die „Bild“ mitteilte. Das JVA-Gelände werde derzeit noch durchsucht. Zudem sei eine Polizeifahndung ausgelöst worden.

Typischer geht es kaum: die Stoffpuppe

Bei dem Häftling soll es sich um einen 24-jährigen Libyer handeln, der seit dem  11. Oktober 2017 in der JVA wegen Diebstahl und räuberischer Erpressung einsitzt. Ursprünglich sollte der Nordafrikaner noch bis zum 18. Oktober 2022 hier verweilen.

Doch bereits am Donnerstag, 8. Februar 2017, 6 Uhr morgens, war der Häftling unauffindbar. Statt seiner fand man einen Dummy in seinem Bett: Kissen, Stoffreste, Klopapier und eine Mütze auf dem Kopf. Der Trick fiel offenbar nach einer Zählung nach einer Freistunde niemandem auf.

Das Wie? – Justizsenator Behrendt hat keine Ahnung

Laut Angaben von Berlins grünem Justizsenator Dirk Behrendt im Rahmen einer Pressekonferenz am Donnerstag fehlte der Libyer möglicherweise bereits seit Mittwoch. Doch welchen Weg wählte der Häftling nach draußen? „Wir wissen nicht, auf welchem Weg“, musste der Minister eingestehen.

Die Justizverwaltung prüft jetzt, ob der Mann mit einem Lastwagen entkam. Am Mittwoch hatte der Laster samt Anhänger Waren in die Anstalt gebracht. Der Fahrer des Wagens wurde befragt, er ist nicht verdächtig.

Doch schon ist in der Politik von Tagen der offenen Tür (Thorsten Schatz, CDU) und einem Justizsenator die Rede, der mit seinem Ressort „hoffnungslos überfordert“ sei (Marcel Luthe, FDP). Der FDP-Innenpolitiker forderte erneut eine Untersuchungsausschuss.

Herausspaziert aus Plötzensee

Um den Jahreswechsel herum waren bereits vier Häftlinge spektakulär aus dem Gefängnis Plötzensee ausgebrochen. Unter noch immer nicht vollständig geklärten Umständen gelang es den Männern, aus einer Kfz-Werkstatt auf dem JVA-Gelände zu fliehen.

Fünf weitere Häftlinge waren zudem aus dem offenen Vollzug von Plötzensee entwischt. Die neun Geflüchteten konnten allesamt gestellt werden oder kehrten freiwillig zurück. Justizsenator Behrendt geriet wegen der Ausbrüche unter Druck: Aus Reihen der Berliner Opposition wurde vermehrt sein Rücktritt gefordert.

Laut „Bild“ kehrte bereits am 6. Januar der verurteilte Doppel-Mörder Oliver A. nach einem Ausgang zunächst nicht zurück. Erst nach 16 Stunden kam der überfällige Kriminelle wieder „nach Hause“ zurück. Eine harte Strafe folgte: bis auf Weiteres kein Ausgang.

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