Berlin: Messerangriff im Rathaus Neukölln – Täter (57) war kein „Obdachloser“

Am Montagmorgen gegen 9.30 Uhr stürmte ein 57-jähriger Mann die Abteilung der sozialen Wohnhilfe im Sozialamt im Neuköllner Rathaus. Dort habe er eine Mitarbeiterin zur Seite gedrängt und auf einen vor Ort befindlichen Mitarbeiter losgegangen. Dabei verletzte er ihn mit einem Messer. Es ging eine Alarm-Meldung an alle Mitarbeiter, sich in den Büros zu verbarrikadieren.

Laut Angaben der Polizei habe es sich um eine wahllose Tat gehandelt, so ein Polizeisprecher. Der Täter sei den Rathaus-Mitarbeitern bekannt gewesen.

Bezirksbürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) erklärte am Mittag in einer Pressekonferenz, dass der Mann mit einem „Jagdmesser“ bewaffnet gewesen sei. Er habe sein Opfer „unter der Brust, auf der rechten Seite“ verletzt.

Zuvor habe er laut „Tagesspiegel“ zwei Mitarbeiterinnen beiseite gestoßen, die ihn aufhalten wollten. Dann stürmte er in das Büro einer 40-jährige Mitarbeiterin, bei der er in der Vorwoche zum Gespräch war. Diese bedrohte er mit dem Jagdmesser. Die Frau flüchtete daraufhin in einen Nachbarraum. Währenddessen unterrichteten die Mitarbeiterinnen den Wachdienst.

Ein weiterer Kollege versuchte, sich dem Mann in den Weg zu stellen, der daraufhin mit einem etwa 20 Zentimeter langen und sieben Zentimeter breiten Messer zustieß.

Anschließend flüchtete der 57-Jährige aus dem Gebäude, wobei er noch mit einem der Mitarbeiter des heraneilenden Wachschutzes zusammenstieß. Dieser erlitt eine Schnittverletzung am Unterarm, als er versuchte, den Mann festzuhalten. Der Täter flüchtete, immer noch mit dem Messer bewaffnet, über den Zugang Donaustraße.

Laut der Bezirksbürgermeisterin sei der Wohnhilfe-Mitarbeiter ins Krankenhaus gekommen:

Es geht ihm den Umständen entsprechend gut.“ (Franziska Giffey, Bezirksbürgermeisterin Neukölln)

Mann mit Unterkunft unzufrieden

Die Wohnhilfe wurde für den Rest des Tages geschlossen. Der Mann sei nach Giffeys Angaben schon in der Vorwoche im Rathaus gewesen, um sich über seine Unterbringung in einer Unterkunft für wohnungslose Menschen zu beschweren. Mit dieser sei er nicht zufrieden gewesen, berichtet der „RBB“.

Verschiedenerseits wurde der Mann als „Obdachloser“ bezeichnet, was aber nicht stimmt. Bürgermeisterin Giffey antwortete einer Userin mit entsprechenden Post auf ihrer Facebook-Seite zur Wohnsituation des Mannes: „Er war die ganze Zeit nicht obdachlos. Es ging darum, dass er in seiner Unterkunft ein Einzelzimmer haben wollte.“

Er wollte lieber ein Einzelzimmer“ (Franziska Giffey, Bezirksbürgermeisterin Neukölln)

Dies sagte die Rathaus-Chefin der rbb-Welle radioBERLIN.

Angriff ohne Vorwarnung

Er sollte einer Verabredung nach in dieser Woche nochmals in der Wohnhilfe vorsprechen. Dem entgegen erschien der Mann am Montagmorgen ohne Voranmeldung und abrupt angreifend. Er sei „sofort auf den Frontalangriff gegangen“ und die Mitarbeiter hätten gar keine Möglichkeit gehabt, „deeskalierend zu reagieren“, so die SPD-Politikerin. 

Der Mann konnte am Abend gegen 18 Uhr von der Polizei in Oberschönweide festgenommen werden. In Konsequenz des Angriffs wird das Rathaus über eine Verstärkung des seit drei Jahren nötigen Wachschutzes nachdenken, so Giffey. Die Mitarbeiter hätten den Wunsch geäußert, auf jeder der beiden Etagen einen permanenten Wachschutz zu haben.

Dies sei der erste Vorfall dieser Art im Neuköllner Rathaus gewesen, bestätigte Giffey noch. Über die nationale Identität des „unzufriedenen“ Mannes wurde nichts bekannt gegeben.