„Kultureller Kolonialismus“: BpB-Chef Krüger kritisiert West-Dominanz in Eliten

"Auch wenn es auf den ersten Blick mit Angela Merkel als Kanzlerin und dem ehemaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck anders aussieht: In der Fläche wird die Dominanz der Westdeutschen in den Eliten immer noch als kultureller Kolonialismus erlebt", beklagt der Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung die Dominanz der Westdeutschen in den Eliten.

Der Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung (BpB), Thomas Krüger, hat die Dominanz der Westdeutschen in den Eliten kritisiert.

„Auch wenn es auf den ersten Blick mit Angela Merkel als Kanzlerin und dem ehemaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck anders aussieht: In der Fläche wird die Dominanz der Westdeutschen in den Eliten immer noch als kultureller Kolonialismus erlebt. Und das ist ein Problem, ja“, sagte er der „Berliner Zeitung“ (Mittwochsausgabe).

Denn „der Anteil der Ostdeutschen und ihre Identität werden dabei häufig überlagert“. Krüger fügte hinzu: „Als ich im Jahr 2000 in den Job nach Bonn gewechselt bin, habe ich die Anzahl der Ostdeutschen verdoppelt. Aus einem Ostdeutschen wurden zwei – von 200 Mitarbeitern insgesamt. Das war für beide Seiten gewöhnungsbedürftig. Es prallen einfach unterschiedliche Erfahrungen und kulturelle Praktiken aufeinander. Man muss viel reden.“

Auf die Frage, was man zur Behebung des Problems tun könnte, antwortete der ehemalige Bürgerrechtler: „Als adaptierter Rheinländer würde ich den Westdeutschen raten: Man muss ooch mal jönne könne. Als Ostdeutscher plädiere ich für das bedingungslose Aushandeln dieses Konflikts frei nach dem bekannten Agitprop-Spruch: Von den Westdeutschen lernen heißt siegen lernen.“

Elitenforscher weisen immer wieder nach, dass Ostdeutsche sowohl in den gesamtdeutschen wie in den ostdeutschen Funktionseliten unterrepräsentiert sind. So stellen sie etwa in den neuen Ländern nur rund 13 Prozent der Richter. Der Geschäftsführer der Stiftung Frauenkirche in Dresden und langjährige Präsident der sächsischen Landeszentrale für politische Bildung, Frank Richter, sagte der „Berliner Zeitung“ vor dem Hintergrund: „Warum sollte es etwa im öffentlichen Dienst nicht eine gewisse Quotierung von Menschen mit ostdeutscher Herkunft ähnlich wie bei der Frauenquote geben, gerade in ostdeutschen, aber auch in gesamtdeutschen Zusammenhängen? Solche Landeskinder-Regelungen sind ja gelegentlich schon diskutiert worden.“

Für Eliten sei nämlich „nicht nur Fachkenntnis, sondern auch Kontextwissen“ über die jeweilige Region wichtig. „Das kann im Osten nur von Ostdeutschen geliefert werden.“ Der ehemalige Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) sagte dem Blatt: „Es gibt keine Revolution ohne Elitenwechsel.“

Er fügte jedoch hinzu: „Bei gleicher Qualifikation sollte man darauf achten, dass Ostdeutsche eine faire Chance erhalten.“ Zugleich setzt der Sozialdemokrat „weiter darauf, dass vor allem in den großen ostdeutschen Städten langsam eine neue Mischung entsteht, sodass die Frage, woher einer kommt, an Bedeutung verliert“. (dts)

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