Bremen-Blumenthal: Wurde 15-jähriger Syrerjunge Opfer ethnischer Konflikte?

Ein jugendlicher Syrer war in der Silvesternacht in Bremer Stadtteil Blumenthal von mehreren Personen angegriffen worden und hatte dabei schwere Kopfverletzungen erlitten. Jetzt ist er gestorben. Die syrische Community geht von Kurden als Täter aus.

Der junge Syrer Odai Kh. (15), der in der Silvesternacht in das Klinikum Nord eingeliefert und in ein künstliches Koma versetzt werden musste, ist tot.

Der Angriff geschah gegen 2 Uhr morgens. Laut „Weser-Kurier“ feierte der Junge mit Familienangehörigen auf der Straße vor der Wohnung.

Auf der Straße Lüssumer Heide in Bremen-Blumenthal warfen Kurden, die zur Glaubensgruppe der Jesiden gehören Böller. Ein Augenzeuge berichtete der „Bild“, dass der 15-jährige Syrer von einem Böller getroffen wurde:

Erst warf er zurück, dann flüchtete er in ein Café. Es kam zum Streit, als seine Verfolger, die ihn beworfen hatten, ihn da herausholten.“

(Augenzeuge)

Die Täter prügelten und traten auf den Jugendlichen ein, Tritte trafen sein Gesicht und den Kopf. Er wurde auch mit dem Messer getroffen, so „Bild“. Doch tödlich seien die Tritte gegen den Kopf gewesen. Ein Gast des Cafés rief den Rettungsdienst, der den Schwerverletzten ins Krankenhaus brachte. Zwei Stunden später informierte die Familie die Polizei.

Die Suche nach den Tätern

Er soll ein fröhlicher Junge gewesen sein, voller Träume und Hoffnungen, schildert die „Bild“. Sieben Tage nach der Tat verlor der Junge den Kampf gegen seine schweren Verletzungen. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Frank Passade, sagte am Montag: „Wir ermitteln im Moment noch gegen Unbekannt.“

Wie die „Turkishpress“ berichtet, soll die Familie des Jungen aus den besetzten Golanhöhen in Syrien 2015 über die Türkei nach Deutschland gekommen sein, wie Verwandte des Jungen gesagt hätten.

Die syrische Community teilte den Fall in den sozialen Netzwerken mit, auch die Verwandschaft des Jungen postete Einzelheiten über Twitter und Facebook zum Tathergang. Ein Angehöriger aus London namens A. Ziab gab an, dass die Angreifer kurdischstämmig gewesen seien. Die „TP“ schlussfolgert: „Über das Motiv ist jedoch nichts bekannt, es wird aber nicht ausgeschlossen, dass es einen politisch-ideologischen Hintergrund hat.“

Ethnische Clan-Konflikte der Kurden

Im Sommer 2015 kam es in Bremen zu Clan-Kämpfen unter den Kurden. So schrieb der „Weser-Kurier“ über den damaligen Kurden-Krieg: Die kurdische Community zerfalle in Bremen-Nord in einen größeren jesidischen Teil, der in Lüssum konzentriert sei, und einen streng islamischen. Einer Großfamilie, die dem zweiten Lager zugehöre, wurden Sympathien für den „Islamischen Staat“ nachgesagt.

Damit ist klar, welcher Krieg sich in Bremen manifestiert: Denn „Jesiden und IS bekriegen sich im Mittleren Osten, sie sind Todfeinde“, so das Blatt. Laut einem Insider gäre in Bremen seit Längerem ein Konflikt „zwischen kurdischen Jesiden, von denen einige in Strukturen der verbotenen PKK-Organisation eingebunden sind, und salafistischen Islamisten.“

In Blumenthal würden die jesidischen Kurden dominieren, doch schon in Vegesack und weiter in Richtung Innenstadt verschöben sich die Gewichte.

 

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