Burgwedel: Flüchtlinge im Neubau-Doppelhaus – Bürgerreaktionen für Bürgermeister nur „übelster Trash“

Fast eine halbe Million Euro - ohne Grundstück - kostete das neu gebaute Doppelhaus für zwei Flüchtlingsfamilien. Ist das noch sozialer Wohnungsbau? Heftige Reaktionen der Bürger im Netz, doch für Bürgermeister Axel Düker (SPD) ist das alles nur "fürchterliches Gerede und übelster Trash".

Viele Familien, vor allem mit mehreren Kindern, sind immer wieder verzweifelt auf der Suche nach bezahlbarem Wohnraum auf dem oft wie leer gefegten Markt.

Die Stadt Burgwedel (20.650 Einwohner in sieben Ortsteilen), rund 30 Kilometer nordöstlich von Hannover, baute am Dorfrand des Ortsteils Engensen (1.440 Einwohner) für rund 480.000 Euro, ohne Grundstück, ein schickes neues Doppelhaus mit rot-blau-geflammtem Klinker verkleidet. Das Doppelhaus mit jeweils 110 Quadratmetern Wohnfläche inklusive ausgebauter Dachgeschosse und großen, begehbaren quadratischen Gauben über den Haustüren, bester Neubaustandard.

„Hier würde ich auch einziehen“, meinte eine Frau aus Engensen beim Ortstermin, wie die „Hannoversche Allgemeine Zeitung“ berichtet.

Flüchtlinge integrieren

An diesem Wochenende zogen hier zwei syrische Familien mit jeweils vier Kindern in ihre neuen Sozialwohnungen ein, da die Verträge der Stadt mit ihren bisherigen Wohnungen am Verwaltungssitz in Großburgwedel (9.594 Einwohner) ausliefen. Ortsbürgermeister Friedhelm Stein von der Wählergemeinschaft Engenser Bürger (WEB), der sich auch als Betreuer für Migranten engagiert, bestätigte:

Die werden hier integriert.“

(F. Stein, Ortsbürgermeister)

Burgwedels übergeordneter Bürgermeister Axel Düker (SPD) deutete hinsichtlich des Neubaus an, dass dereinst auch einheimische Familien darin wohnen könnten, denn:

Der Neubau solle, wenn er nicht mehr als Unterkunft für Geflüchtete benötigt wird, das Angebot an dringend benötigten Sozialwohnungen verbessern, ebenso, wie das 1,3 Millionen Euro teure Sechs-Familien-Haus im Ortsteil Kleinburgwedel (2.492 Einwohner), das seit Mai 2017 im Betrieb ist.

Diskussion über soziale Gerechtigkeit (sic)

Auf der Facebook-Seite der „HAZ“ begann nach dem Artikel eine hitzige Diskussion, viele Frauen beteiligten sich daran, viele sind sauer: Eine von ihnen merkte (resigniert?) an, dass sich deutsche sozial schwache Familien sicher auf gefreut hätten, so schön zu wohnen.

Da träumen auch andere davon: „Ich geh dann mal weiter arbeiten;) und Träume weiter von einem Haus in burgwedel:) Kostenpunkt in etwa 500.000bis1.000.000€ vermutlich auch nach 40 arbeitsjahren nicht realisierbar;(„

Eine Leserin meint: “ Tja und wir, als bodenständige Familie mit vollzeitjob und 2 kindern müssen burgwedel verlassen weil wir es uns nicht leisten können. 😒“

 

Ein Leser erinnert an die Flaschen sammelnden deutschen Rentner [Anm. d. Red.: das sind die, die dieses Land nach dem Krieg mit aufgebaut haben], während ein anderer Leser einen fiktiven Plan hat: “ Ich hab mein Ausweis weggeschmissen – morgen reise ich ohne Pass ein 😡 Geld und Haus ich komme…..“.

Andreas S. will beruhigen, verweist auf die nun durch den Auszug der Syrer freigewordene Wohnung: „Ich versteh die Aufregung nicht! Grundsätzlich doch ne gute Sache, da die Wohnung ja auch demnächst verfügbar ist. Vielleicht mal insgesamt einfach weniger aufregen, hilft dem Allgemeinbefinden😁“ 

Die Antwort folgt sogleich: „…Ok, die kann ja dann zu überhöhten Preisen an Einheimische vermietet werden…“.

Häuser für Flüchtlinge

Manche Leser waren angesichts dessen sogar nahezu sprachlos: „Gehts noch“, „Ich fasse es nicht!!!“, „Mir fehlen gerade die Worte …“ oder „Ich schmeiss mich weg, wenn ich schon Nachnutzung lese. Die Häuser können hinterher zusammengekloppt werden.“, so Anne R. im Kommentar.

Eine Leserin berichtete:

Bei uns in Kleinburgwedel wurde ein Bauprojekt für 1 Mio. € umgesetzt, finanziert durch Steuergelder. Dort sind derzeit Flüchtlingsfamilien untergebracht. Leider gibt es beim Großteil der Bewohner keinerlei Wertschätzung. Müll fliegt auf dem Gelände und zwangsläufig auch in den Nachbargärten rum, Mülltonnen werden nicht weggestellt, Essensreste in den Garten geschmissen, Sofas auf der Terasse. Die Haustüren stehen auch im Winter offen und werden von den Jüngeren teils mit dem Fuß aufgetreten. Silvester wurden Batterien und Böllerreste einfach auf dem Gehweg liegen gelassen usw. und sofort. Möbelspenden wurden teils abgelehnt, weil sie den Ansprüchen nicht gerecht wurden. 😤 Ich war auch total unvoreingenommen aber inzwischen macht es mich stocksauer.“

(„HAZ“-Leser Janine F. auf FB)

Auch andere Meinungen kommen: „Mir fehlen auch die Worte… wegen der Reaktionen hier. Warum soll die Stadt Burgwedel keine Sozialwohnungen bauen und an Bedürftige vermieten?  Was kann man daran nicht fassen? Und warum sollten die Häuser hinterher zusammengekloppt werden?“, so Gundi S., der u.a. geantwortet wird:

Es handelt sich hier nicht um eine profane Wohnung! Es handelt sich hier um 2 Doppelhaushälften mit 110qm.! Dafür muss eine Familie fast 30 Jahre abbezahlen um sich sowas leisten zu können! Und es kann einfach nicht sein, dass Flüchtlinge in so eine Immobilie ziehen und der Staat noch die horrende Miete bezahlt, denn selbst werden die diese wohl nicht aufbringen können! Es muss sich keiner wundern dass der Zustrom der „Flüchtlinge „ nicht abreißt, wenn denen tatsächlich ganze Häuser gebaut werden und alles finanziert wird!“

(„HAZ“-Leserin „Si Mal“ auf FB)

Die derart aufgeklärte Leserin gibt dann allerdings zu bedenken, dass der Familie dann ja das Haus gehören würde, wenn es abbezahlt sei, nicht so wie im Fall der syrischen Familien, weil das Haus ja der Stadt gehöre und „nicht für Flüchtlinge gebaut, sondern im Rahmen des sozialen Wohnungsbau errichtet“ worden sei.

Sozialer Wohnungsbau?

Nun, bezahlen musste und muss dennoch jemand, und wenn es die Gemeinde ist, dann eben zahlt die Gemeinschaft. Doch ist ein solches Doppelhaus wie am Kiebitzweg in Engensen überhaupt noch sozialer Wohnungsbau? Eine Leserin, Melanie W., überlegt: „(…) Gerade im Bereich der 4 Zimmer Wohnungen ist es in Burgwedel generell spärlich. Die Objekte auf dem freien Markt gehen dann dazu ab 1300 € Miete los. Ein Mieter müsste mit der allgemeinen Bank Formel dafür ein Netto Einkommen von 4200 € vorweisen. Der deutsche Bruttodruchschnittsverdienst 2017 lag allerdings nur bei 37.000 € im Jahr. Also mtl 3083 € Brutto. Wo bitte sind denn die ausreichend vorhandenen 4 Zimmer Wohnungen für Durchschnittsverdiener?“

Und noch genauer gesagt: Welche sozial schwache Familie verdient denn überhaupt so viel wie der deutsche Durchschnittsverdienst aufweist? Andersherum gefragt: Wenn eine Familie die nach der Bankformel berechneten 4.200 Euro netto verdienen würde, wäre sie dann noch für den sozialen Wohnungsbau berechtigt, zum Beispiel auch hinsichtlich eines Wohnberechtigungsscheins?

Was hat das noch mit sozialem Wohnungsbau zu tun?

Eine andere Frage drängt sich auf: Welches internationale Zeichen setzt man damit in den Ländern, aus denen Migranten nach Deutschland kommen? Was werden die neuen Bewohner innerhalb ihrer Community berichten?

Im Video: „Die Deutschen werden für uns Häuser bauen. Bald ziehen wir alle dorthin.“

Burgwedels leer stehende Wohncontainer

„HAZ“-Leser Udo J. hat es so verstanden: „Wir sind doch ein Sozialstaat… Aber nicht für uns Deutsche, wir sind nur gut zum melken. Und die armen Leute müssen ja irgend wo wohnen. Also nur das beste . Willst du eine 3 Zimmer Wohnung haben, bekommst du ein dunkles Loch. (…)“

Zwei weitere Bauprojekte verschob die Stadt  laut „HAZ“ aus akutem Mangel an Bedarf: ein Mehrfamilienhaus auf dem ehemaligen Spielplatzgelände im Ortsteil Wettmar, sowie eine Neubebauung eines Grundstücks in Großburgwedel, auf dem früher Notunterkünfte standen.

Die integrative Siedlungspolitik von Burgwedel setzt vorzugsweise auf dezentrale Unterbringung in angemieteten Wohnungen und einigen Gemeinschaftsunterkünften. Die seit einem Jahr als Notreserve bezugsfertig bereitstehenden 30 Wohncontainer für bis zu 90 Menschen stehen hingegen leer. Die Region Hannover bringe dafür 150.000 Euro Miete im Jahr auf.

Wohncontainer für die sozial Schwachen in Burgwedel?

„So ist es in Deutschland,zuerst kommen die Goldstücke,dann der deutsche Steuerzahler“, ärgert sich Peter S. 

Zurecht?

Bürgermeister Düker (SPD) im Gespräch

Aufgrund der massenhaften Reaktionen auf den Artikel im Netz ging die „HAZ“ ins Gespräch, mit Bürgermeister Axel Düker. Auf die Frage nach den Reaktionen der Bürger antwortete der sozialdemokratische Bürgermeister:

Trotz aller Integrationserfolge in Burgwedel habe ich mich nie der Illusion hingegeben, dass alle einverstanden sind mit unsere Flüchtlingspolitik. Aber das Echo auf die sachliche und korrekte Berichterstattung ist schon teilweise fürchterliches Gerede und übelster Trash.“

(Axel Düker, BM, SPD)

Das seien normale Häuser, die man lange als Sozialwohnungen nutzen wolle, weshalb sie ordentlich und nachhaltig gebaut worden seien. „Und auch von der Nachbarschaft sollen sie akzeptiert werden – und das noch in vielen Jahren.“

Im Video: Sie hörten, sie werden gebraucht, gesucht und bekämen Arbeit. Doch sie wurden alle betrogen! 

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