Das Effizienzhaus Plus Elektrofahrzeuge

Effizienzhaus Plus: Mit eigener Stromproduktion modern wohnen und Autofahren ohne weitere Kosten? Dieses Haus erzeugt mehr Energie als eine vierköpfige Familie verbraucht. Und damit werden dann die Elektrofahrzeuge kontaktfrei per Induktion betankt.

Keine Nebenkosten für Energie, keine Spritkosten sondern Elektrofahrzeuge kostenlos aufladen – und im Sommer noch Strom ins Netz einspeisen und Vergütung dafür erhalten? Das alles ist jetzt möglich, denn genau das ist das Plus am Effizienzhaus Plus.

Das Effizienzhaus Plus erzeugt Fall durch den Einsatz modernster Technologien mehr Energie, als eine Familie verbraucht. Im Jahr soll das Haus 16.000 Kilowattstunden Strom durch Solarzellen produzieren, wovon nur 10.000 Kilowattstunden für den familiären Bedarf benötigt werden. Der Energie-Gewinn entsteht durch großflächigen Einsatz von Photovoltaik auf Dach- und Fassadenflächen und eine hocheffizienten Wärmepumpe. Zusätzlich minimiert die isolierende Gebäudehülle und die optimierte Gebäudetechnik die Wärmeverluste.
Die so erzeugte Energie kann gewinnbringend ins Stromnetz eingespeist werden und bei Bedarf wieder entnommen, und, als Plus des Effizienzhaus, muss sich die Familie nicht mehr um steigende Spritkosten für das Familienauto sorgen. Via Induktionsschleife oder Stromkabel der integrierten, hauseigenen Ladestation werden die Elektrofahrzeuge aufgeladen für die leise Fahrt zur Arbeit und zum Einkauf. Fünf deutsche Automobilhersteller stellen der Probewohnfamilie Elektrofahrzeuge zur Verfügung.

Energie-Zwischenspeicher
Um die Umwelt-Effizienz noch weiter zu steigern, kann der als Solar-Energie erzeugte überschüssige Strom in einem „Energie-Kern“ des Effizienzhaus Plus zwischengespeichert werden. Der Autobauer BMW stellt gebrauchte Li-Ionen Batterien vom MINI E zur Verfügung, die dann auch zur Aufladung der Elektrofahrzeuge der Bewohner zur Verfügung stehen. Die Zweit-Nutzung („Second Life“) der Elektrofahrzeuge-Batterien als stationäre Energie-Speicher für Erneuerbare Energie verlängert deren Leben bis zur Wiederverwertung. Damit verbessert sich der Umweltbeitrag der Batterien und die hohen Kosten für die Batteriezellen verteilen sich auf einen längeren produktiven Zeitraum.
Das Effizienzhaus Plus in der Fasanenstraße in Charlottenburg wurde Anfang November von Bundeskanzlerin Angela Merkel gemeinsam mit Bundesbauminister Peter Ramsauer feierlich eröffnet. Das nach nur einem Jahr Planungs- und Bauzeit fertig gestellte Modellhaus auf dem Gelände des Bundesbauministeriums in Berlin ist Ergebnis eines Wettbewerbs des Bundesverkehrsministeriums von 2010. Ausgeschriebenes Ziel war, mittels eines architektonisch attraktiven Pilotprojekts den Entwicklungsstand von nachhaltigen und energieeffizienten Gebäuden zu zeigen, bei denen zusätzlich Elektromobilität ein integraler Bestandteil des Gebäudekonzepts sein sollte.
Die Bundeskanzlerin sagte dazu in ihrer Eröffnungsrede: „Dieses Haus zeigt, was heute schon möglich ist. Hier wird energieeffizientes Bauen intelligent mit innovativer Mobilität verknüpft. Energieeffiziente Gebäude und Elektromobilität sind wichtige Grundpfeiler für die beschleunigte Umsetzung unseres Energiekonzepts. In beiden Bereichen steckt noch viel Potenzial. Ich freue mich, dass wir hier wegweisende Innovationen in der Praxis testen.“
Forschung und Lebensqualität
Architektonisch ist das Konzept des Effizienzhaus Plus dreigeteilt. Da gibt es zur Straße hin das sogenannte Schaufenster, an dem sich Interessente über das Haus und seine Eigenschaften informieren können. Zentral konstruiert ist der Energie-Kern mit allen technischen Anlagen. Die Wohnräume gehen nach hinten raus. Durch die vollflächige Verglasung von Straßen und Rückseite sollen die künftigen Bewohner des Effizienzhaus Plus ein großzügiges Raumgefühl mit viel Tageslicht empfinden. Vor Überhitzung schützt im Sommer ein außen liegender beweglicher Sonnenschutz. Für die Innenbeleuchtung des Effizienzhaus Plus werden energieeffiziente, dimmbare LEDs verwendet. Das Schaufenster hat eine besondere Funktion, es ist integrierter Parkplatz für die hauseigenen Elektrofahrzeuge, die hier berührungslos per Induktion aufgeladen werden können.
Damit ist also das Effizienzhaus Plus ein begehbarer, begreifbarer und anschaubarer Forschungsbeitrag gefördert vom Ministerium zur Umsetzung der Energie- und Klimaziele der Bundesregierung ohne Verringerung der Wohn- und Lebensqualität. Bei diesem Regierungsprojekt werden Synergien erforscht an einer neuen Generation von Gebäude- und Verkehrsgestaltung (E-Haus und E-Mobilität). Ende 2012 werden die Bewohner des Plus-Energie-Hauses gleich mehrere Elektromobilitätskonzepte der BMW Group nutzen – einen MINI E, einen BMW ActiveE, das elektrische BMW 1er Coupé sowie mehrere pedelecs.
Alltagstauglicher Forschungsbeitrag
Bis März 2012 kann das Effizienzhaus Plus besichtigt werden, während es auf Alltagstauglichkeit getestet und optimiert wird hinsichtlich Energieeffizienz und Komfort. Danach soll das Haus von einer Berliner Modellfamilie bezogen werden. 15 Monate lang soll die vierköpfige Familie herausfinden, wie es sich in einem solchen Haus so lebt und ob die fünf verschiedenen Elektrofahrzeuge auch im Alltag optimal funktionieren. Noch soll aber nicht feststehen, wer die Testfamilie sein wird.
Nach maximal drei Jahren soll das Gebäude vollständig zurückgebaut und wiederverwertet werden. Dazu ermöglich ein Rückbau- und Recyclingkonzept den nachhaltigen Umgang mit Rohstoffen. Beim Rückbau kann alles wieder verwertet werden. Die einzelnen Schichten und verschiedene Bauteile wurden nur in seltenen Fällen verklebt, damit beim Rückbau eine möglichst sortenreine Trennung möglich ist. Die Wertstoffe des Effizienzhaus Plus sind also Ressource für kommende Generationen von energieeffizienten Häusern.