Die Stadt, die nachhaltig siegt: Leutkirch im Allgäu

  Sie ist das Siegen gewohnt, die Kreisstadt Leutkirch im Allgäu: Kaum hat sie zum vierten Mal in Folge den ersten Platz in der Solarbundesliga (in der Kategorie der Mittelstädte) …

 

Sie ist das Siegen gewohnt, die Kreisstadt Leutkirch im Allgäu: Kaum hat sie zum vierten Mal in Folge den ersten Platz in der Solarbundesliga (in der Kategorie der Mittelstädte) gewonnen, wird sie obendrein von der Agentur für Erneuerbare Energien zur „Energie-Kommune“ des Monats Juli 2012 gewählt.
Da die Preisverleihung der Solarbundesliga in Leutkirch im Allgäu zelebriert wurde, feierte man in Leutkirch im Allgäu gleich ab 25. Juni eine ganze „Woche der Sonne“, die mit der Meisterfeier am 2. Juli als Höhepunkt endete. Und als sei das nicht genug, bekommt der Oberbürgermeister aus Leutkirch im Allgäu, Hans-Jörg Henle, eine Woche später in Rom die nächste Urkunde in die Hand gedrückt: erster Platz der Europäischen Champions League für erneuerbare Energien.

Engagierte Bürger
Wie macht Leutkirch im Allgäu das? Auch im Rang der meisten Sonnenstunden in Deutschland steht Leutkirch im Allgäu ganz oben. 2177 Stunden Sonne im Jahr 2011 mögen da geholfen haben, doch wie auch beim Sport: ohne Einsatz kein Gewinn. „Wir haben eine ganz starke Bewegung innerhalb der Bürgerschaft, und das nicht erst seit Fokushima. Die sind zum Teil seit Jahrzehnten engagiert,“ betont Thomas Stupka, Pressesprecher der Stadt Leutkirch im Allgäu in einem Gespräch mit der Epoch Times. Seit 1988 hat Leutkirch im Allgäu einen Umweltbeauftragten. Leutkirch im Allgäu installierte Holzhackschnitzelanlagen, Fernwärme, Biogasanlagen, ein Blockheizwerk fürs Lehrschwimmbecken und und und. Seit 2001 schrauben die Bürger in Leutkirch im Allgäu Photovoltaik-Anlagen aufs Dach.
Planen, beraten, investieren
2008 gründeten die Bürger von Leutkirch im Allgäu das Energiebündnis Leutkirch und treiben Leutkirch im Allgäu voran in Sachen Wärmedämmung, Einbau von Brennwertkesseln, Stromsparen im Haushalt, Bezug von Ökostrom und dem Ausbau regenerativer Energien. 2009 gründeten sie die Energiegenossenschaft Leutkirch eG. „Die Bürger in Leutkirch, die in Mehrfamilienhäusern wohnen und nicht die Möglichkeit haben, sich eine  Photovoltaik-Anlage aufs eigene Dach zu bauen, können statt dessen Genossenschaftsmitglied werden. Sie erhalten dann jährlich eine Dividende von den Stromerträgen. Das wird relativ fleißig gemacht“, erzählt Stupka. Dadurch haben öffentliche Gebäude wie Feuerwehr, Bürgerhaus, Bauhof und Schulen, eine  Photovoltaik-Anlage aufs Dach bekommen. Dann gab es die Möglichkeit, der Genossenschaft einen Kredit zu geben und dafür Zinsen zu bekommen. So hat sich die Genossenschaft kräftig an einer großen Freifeld-Photovoltaik-Anlage in Leutkirch im Allgäu beteiligen können, die im Dezember 2011 ans Netz ging. Rund fünf Megawatt, das ist umgerechnet der Strom für 1.500 Haushalte, produziert der  Photovoltaik-Park.
Zeigen, wie dezentrale nachhaltige Energieerzeugung funktioniert

Der Photovoltaik-Park entstand im Rahmen des Projektes „Nachhaltige Stadt“, ein Gemeinschaftsprojekt der Bürger in Leutkirch im Allgäu mit dem örtlichem Stromversorger EnBW, dem Zweckverband Oberschwäbische Elektrizitätswerke (OEW) und der Hochschule Biberach. Das Pilotprojekt soll wichtige Erkenntnisse liefern, wie nachhaltige dezentrale Energieversorgung organisiert, finanziert und realisiert werden kann.
2011 hat Leutkirch im Allgäu pro Einwohner knapp 1,4 Kilowatt Strom aus Solarenergie erzeugt. Zusammen mit den anderen erneuerbaren Energien könnte Leutkirch im Allgäu alle Privathaushalte mit Strom versorgen. Das ist laut Stupka aber nur rund ein Viertel des Gesamtstrombedarfs. Die anderen Dreiviertel benötigen die ansässigen Gewerbebetriebe. „Das ist eine riesengroße Lücke, die wir noch zu füllen haben, das wird mit Photovoltaik allein wohl nicht zu schaffen sein“, findet Stupka.
Nachdenken über Windenergie
In Leutkirch im Allgäu denkt man jetzt auch über Windenergie nach. Gibt es gegen Windenergie Widerstand? Dass das nicht nur Freunde hat, sei klar, denn so mancher findet Windenergie gut, so lange das Windrad woanders steht. „Zum einen hat sich die Landesregierung in Baden-Württemberg viel vorgenommen, was Windenergie betrifft. So wird keine Kommune in den nächsten Monaten oder Jahren sich entziehen können, ein Windrad irgendwo auf ihrer Gemarkung stehen zu haben“, berichtet Stupka. Zum anderen nennt Stupka den Flächenverbrauch. Der neue  Photovoltaik-Park steht auf einer ehemaligen Kiesgrube. Die Fläche von rund 15 Fußballfeldern war landwirtschaftlich nicht nutzbar, weshalb sie sich für die  Photovoltaik-Anlage anbot. „Diese  Photovoltaik-Anlage produziert ungefähr so viel Strom wie ein großes Windrad, ein einziges.“ Deren Gesamthöhe würde allerdings den Kölner Dom übertreffen. „Das sieht man nicht nur, wenn man davor steht“, sagt Stupka, „doch man wird immer gucken, dass man ein Windrad landschaftsverträglich aufstellt.“ Für die Steigerung der Akzeptanz würden die Bürger sich wieder als Anteilseigner an der Anlage beteiligen können: Jedes Mal wenn das Windrad dreht, verdienen die Bürger in Leutkirch im Allgäu Geld.