Drohnen mit heißer Ware: Dönercopter

Drei Freiburger planen Drohnen-Einsätze über Freiburg und über weitere Städte. Die Drohnen des Typs „Dönercopter“ sollen die Zivilbevölkerung anvisieren. Sicherlich auch Soldaten. Egal wen. Jeder, dem der Magen knurrt und …

Drei Freiburger planen Drohnen-Einsätze über Freiburg und über weitere Städte. Die Drohnen des Typs „Dönercopter“ sollen die Zivilbevölkerung anvisieren. Sicherlich auch Soldaten. Egal wen. Jeder, dem der Magen knurrt und der die Dönercopter-App auf sein Handy geladen hat, kann von den Drohnen per GPS ausfindig gemacht werden. Dort sollen die Dönercopter dann Ihre Ladung abwerfen: Döner-Kebaps.

Das klingt nach einer Schnaps-Idee. Doch so stellen sich drei Freiburger Jungunternehmer den Döner-Lieferservice der Zukunft vor. In einer Flughöhe von 30 Metern und einer Fluggeschwindigkeit von 60 bis 100 Stundenkilometern – unabhängig von Stau, Rush-Hour und roten Ampeln – sollen die unbemannten Flugkörper die Döner in einer Thermobox transportieren und heiß und knusprig anliefern. Fangen sollten die Kunden können, denn es ist  nicht geplant, dass die Drohne auf dem Küchentisch landet. Die Gefahr, dass der Dönercopter geklaut wird, wäre zu groß.
Klappe auf, der Döner fällt
Benedikt Böckenförde, einer der beiden Projektleiter, erklärt, wie die Hungrigen sich künftig die heiße Ware vom Dönercopter liefern lassen können, sobald sie die Dönercopter-App auf ihr Handy installiert haben: „Der Kunde lässt sich lokalisieren. Dann werden ihm Döner-Buden in seiner Nähe angezeigt, davon sucht er sich eine aus und stellt seinen Wunsch-Döner zusammen. Der Döner-Laden bekommt dann eine Nachricht und bringt den Döner zum Startplatz – wir können ja nicht jede Döner-Bude mit einer Drohne ausstatten, darum gibt es Dönercoper-Knotenpunkte. Eine Minute bevor der Dönercopter sein Ziel erreicht hat, bekommt der Kunde eine Push-Nachricht via App. Dann muss der Kunde heraus, der Dönercoper kommt auf drei Meter herunter, die Klappe geht auf und der Döner fällt heraus.“

„Der Döner muss fliegen“
Eine Idee, die Fast-Food-Liebhabern schmeckt. Aber die Behörden gaben keine Fluggenehmigung. Vielleicht ist es ganz gut so. Denn würden alle Lieferservices – von diversen Restaurants, über Apotheken und vom Fahrrad auf Drohnen umgesattelten Stadtkurieren – den Luftraum über den Städten erobern, würde die Menschen, die nichts bestellt haben, sich vermutlich nicht mehr aus dem Haus trauen – jedenfalls nicht mehr ohne Helm.
Die Gründer von Dönercopter sehen das anders: „Der Döner muss fliegen!“ ist ihr Leitspruch. Noch verdienen die Unternehmensgründer von Dönercopter in einem anderen Haupterwerb ihre Brötchen mit Fleischfüllung. Nachts tüfteln sie in einer Garage am Dönercopter. „Und er wird fliegen … entgegen vieler Mutmaßungen von Pessimisten und Vegetariern!“, verspricht das Dönercopter-Team auf Facebook ihren Fans. Über Facebook wird die Welt seit der Unternehmensgründung vor einem halben Jahr über so ziemlich jeden der Schritte zur Verwirklichung des Projekts Dönercopter auf den Laufenden gehalten. Zu den Meldungen auf Facebook findet man auch hier und da ein Zitat gestreut, das offenbar die Stimmung im Jungunternehmen wiedergibt. Etwa: „Lasse dir nicht von jemanden, der seine Träume aufgab, deine eigenen Träume ausreden.“
Überlegen, warum man es schaffen kann
Derzeit knapp 3.000 Facebook-Follower finden das Projekt Dönercopter gut und die Medien stehen Schlange. Nach Feierabend und in der Mittagspause beantwortet Böckenförde die Anfragen und gibt Interviews. „Die Medienresonanz und die Begeisterung der Menschen ist natürlich sehr befriedigend für uns, weil wir am Anfang von vielen Pessimisten nur für Spinner gehalten wurden. Jetzt sehen sie, dass wir ernsthaft daran arbeiten“, sagt Böckenförde, der die Dönercopter-Idee entwickelt hat, und fügt hinzu: „Ich habe mir vor dem Projekt nicht überlegt, an was es alles scheitern könnte, sondern warum wir es schaffen können. Dann habe ich mir das Team zusammengesucht.“

„Ich habe mir vor dem Projekt nicht überlegt, an was es alles scheitern könnte,
sondern warum wir es schaffen können.“

Nur wegen einer fehlenden Fluggenehmigung ist das Projekt Dönercopter nicht vom Tisch. „Das war uns ja von Anfang an klar, dass das so nicht gleich funktioniert. Wir haben uns gedacht, wir machen trotzdem weiter. Und wir freuen uns darüber, dass das Projekt jetzt eine Dimension angenommen hat, dass es technisch so umsetzbar ist, wie wir uns das vorstellen. – Die Fluggenehmigung im Moment zwar noch nicht. Das Regierungspräsidium hat uns aber zumindest schon mal in Aussicht gestellt, dass wir auf Veranstaltungen fliegen dürfen“, sagt Böckenförde.
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Mit Bruchlandungen zum Etappen-Erfolg
Im Internet auf Youtube zu sehende Video-Aufnahmen von Dönercopter-Testflügen zeigen wacklige Flugmanöver und Bruchlandungen – und man hört Gelächter. Andere Firmen hätten diese Fehlschläge vielleicht nicht auf den Präsentierteller gelegt, bei Dönercopter ist Transparenz das Patentrezept: „Das ist unser Erfolgsgeheimnis, dass wir ganz transparent zeigen: das haben wir, das haben wir nicht. Wir zeigen auf der Webseite, wie es in Zukunft aussehen soll. Doch zu einer Unternehmung gehört das Scheitern dazu. Damit muss man auch ganz offen und ehrlich umgehen. Der Weg ist bei diesem Projekt das Ziel“, sagt Böckenförde.

Und so brachte gerade eine Kostprobe des Scheiterns das Unternehmen Dönercopter voran: „Der Dönercopter der zweiten Generation ist uns aus zehn Metern abgestürzt, weil der Akku aufgegeben hatte in der Luft. Die Filmaufnahmen davon haben die Kollegen aus der Schweizer Firma Heliopro gesehen. Die riefen uns an und sagten: ‚Ihr braucht wohl professionelle Hilfe.‘ Diese boten sie uns an und jetzt bauen wir den Dönercopter der dritten Generation zusammen.“
Beharrlich aber nicht verbissen
Stabilität, Akkulaufzeit und damit die Reichweite werden nun verbessert, auch die Fähigkeit, Hindernisse wie hohe Türme zu umfliegen. Die Döner-Klappe (Transportkorb) wird aus neuen Zutaten hergestellt: speziell beschichtetes Carbon und Heizfolie.
Trotz der beharrlichen Arbeit sei im Dönercopter-Team von Verbissenheit keine Spur, betont Böckenförde: „Das Ganze ist natürlich auch mit einem Augenzwinkern zu sehen. Der Spaß an diesem Projekt ist riesengroß. Wir wollen aber niemanden veräppeln. Wer zu uns kommt, sieht, wie ernsthaft wir daran arbeiten.  Es ist eine Idee. Wir versuchen, sie zu verwirklichen und schauen, wie weit wir mit euer aller Hilfe kommen.“
Was ist, wenn das Projekt nicht gelingt? „Dann bin ich nicht tod-unglücklich. Ich will mich jedoch jetzt noch nicht davon abbringen lassen, sondern loslegen und aufzeigen, wie weit man mit einer Idee und einer gewissen Naivität kommen kann, wenn man andere dafür begeistern kann.“ Immerhin sponsert eine Schweizer Firma Dönercopter mit 30.000 Euro und es gibt noch weitere Sponsoring-Anfragen von Unternehmen aus dem Ausland. Vor wenigen Tagen rief der Geschäftsführer einer der größten Online-Lieferketten an. Er möchte den Dönercopter in seine Bestell-App mit einbauen. Auch wenn die Jungunternehmer ihm sagen mussten, dass sie noch nicht so weit sind, stellt Böckenförde zufrieden fest: „Wir sind also nicht mehr die einzigen, die daran glauben.“
„Der höchste Lohn für unsere Bemühungen ist nicht das, was wir dafür bekommen,
sondern das, was wir dadurch werden.“    (John Ruskin – 1819-1900)