Ethikrat-Vorsitzender für offensiven Umgang mit intelligenten Maschinen

"Intelligente Maschinen könnten uns einen Impuls geben, neue Felder der Menschlichkeit erst zu entdecken - eben weil sie uns technisch unterstützen und zu neuer Kreativität ermuntern", erklärt der Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, Peter Dabrock.

Der Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, Peter Dabrock, wirbt für einen offensiven Umgang mit intelligenten Maschinen: „Wir stehen an der Schwelle der vierten industriellen Revolution. Mit Kulturpessimismus allein kommt man da nicht weit“, sagte er dem Nachrichtenmagazin „Focus“. Es gebe „geradezu eine Pflicht“, diesen Prozess aktiv zu gestalten.

„Es wäre der größte Fehler, wenn wir die Chancen, die sich auch mit der zunehmenden Automatisierung und sogenannten intelligenten Maschinen verbinden, vertun.“

Der evangelische Theologe räumte ein, dass Menschen in diesem Prozess auch von Maschinen verdrängt werden können.

Roboter nicht grundsätzlich ablehnen

Mit Blick auf die Zukunft von Lkw-Fahrern in Zeiten des autonomen Fahrens sagte er: „Wenn wir Bildung nicht als große gesellschaftliche Aufgabe angehen, besteht in der Tat die Gefahr, dass es zu einer Prekarisierung größerer Teile der Gesellschaft kommt.“

Der Ruf nach Bildung „als Phrase in Sonntagsreden“ reiche da nicht. Dabrock mahnt: „Werden wir im globalen Wettbewerb abgehängt, dann ist das ein zutiefst ethisches Problem!“

Auch Pflegeroboter seien nicht grundsätzlich abzulehnen, meint der Ethik-Experte. „Unter knappen Bedingungen ist es vielleicht nicht möglich, einer Person 24 Stunden persönliche Betreuung zu gewähren“, argumentiert Dabrock. „Wenn Roboter einen Teil der Lasten übernehmen können, ist das nicht von vornherein abzulehnen.“

Intelligente Maschinen könnten helfen, neue Menschlichkeit zu entdecken

Die Erwartung des Ethik-Experten: „Intelligente Maschinen könnten uns einen Impuls geben, neue Felder der Menschlichkeit erst zu entdecken – eben weil sie uns technisch unterstützen und zu neuer Kreativität ermuntern.“

Zur Vorsicht aber mahnte Dabrock beim Umgang mit Drohnen. „Nach meiner Auffassung ist bei voll automatisierten Waffensystemen, bei denen theoretisch Soldaten die Ortung ins Handy tippen und dann zum Kaffeetrinken in den Bunker gehen, eine Grenze erreicht, die wir keinesfalls überschreiten sollten.“

Es müsse immer die Möglichkeit geben, einen solchen Prozess zu stoppen. Am Mittwoch kommender Woche befasst sich der Deutsche Ethikrat auf seiner Jahrestagung mit den gesellschaftlichen Veränderungen durch intelligente Maschinen. (dts)

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