Fall Niklas: Behördlicher Eiertanz um ethnischen Hintergrund des Täters

Die Herkunft des mutmaßlichen Täters wurde als "in Italien geboren" umschrieben. Damit sollte offenbar der ethnische Hintergrund des Totschlägers verborgen werden.

Der 17-Jährige war in der Nacht zum 7. Mai nach einem Streit mit einer Jugendgruppe und anschließender Prügelattacke gestorben. Der polizeibekannte mutmaßliche Täter Walid S. (20), sitzt derzeit in Untersuchungshaft, berichtet der "Kölner Express" nach DPA-Angaben.

Walid S. schlug den Jugendlichen mit einem Schlag an die Schläfe zu Boden. Dessen Freunde versuchten gerade sich um den Jungen zu kümmern, als der Täter noch einmal hinzukam und dem regungslos am Boden liegenden mit voller Wucht gegen den Kopf trat. Nach zwei weiteren Tatbeteiligten wird noch gesucht.

Die Herkunft des mutmaßlichen Täters wurde als "in Italien geboren" umschrieben. Damit sollte offenbar der ethnische Hintergrund des Totschlägers verborgen werden.

Nachdem erst nur von Männern und einer Gruppe junger Männer gesprochen wurde, kam ein zögerlicher Hinweis auf Italien, doch offenbar nur, um die eigentliche Herkunft des Täters weiterhin zu verschweigen, obwohl der Name "Walid" kein typisch italienischer ist und sich deutlich von Namen wie Giuseppe, Alfredo oder Marco unterscheidet.

Später, und nur auf vorsichtige Nachfrage von Journalisten, wurde der schwammige Zusatz "es gebe einen zusätzlichen Immigrationshintergrund" preisgegeben. Doch die Gesichter der Beamten sprechen Bände.

Polizei und Presse gaben sich betont zurückhaltend, nicht auszumalen, wie groß die Schlagzeilen gewesen wären, wenn es sich beim Täter um einen rechts verorteten Täter gehandelt hätte, der einen Flüchtling angegriffen hätte.

Letztendlich wurde bekannt, dass Walid S. einen marokkanischen Hintergrund hat, wie die "Bild" schreibt. Ein solches Katz-und-Maus-Spiel deckt und ermutigt letztendlich entsprechende Täterkreise und ist geradezu integrationsfeindlich. Dadurch werden sogar jene gut integrierten Ausländer diffamiert, die hier in der Gesellschaft gut und erfolgreich angekommen sind.

https://youtube.com/watch?v=rOzAGV1lBZ4

Dekan prangert Schweigen der Landesregierung an

Dekan Dr. Wolfgang Picken leitete den bewegenden Gottesdienst am vergangenen Samstag, als der zu Tode geschlagene 17-jährige Niklas P. von Hunderten Menschen begleitet in einem weißen Sarg zu Grabe getragen wurde. 

Am Dienstag zeigte sich Picken überrascht, dass es keine Stellungnahme der rot-grünen Landesregierung um Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) gegeben hatte. "Meine Sorge ist es, dass das Ganze politisch unter den Tisch fällt", so der Dekan, der die Verantwortung für die innere Sicherheit nicht bei der Stadt Bonn, sondern bei der Landespolitik sieht.

Dekan Picken sagte: "Wenn wir Konsequenzen wollen, brauchen wir den politischen Willen und auch die finanziellen Mittel aus Düsseldorf, beispielsweise für Präventionsmaßnahmen in Schulen."

Wie der "Bonner Generalanzeiger" heute schreibt, zeigten sich Eltern der nahe dem Tatort gelegenen Paul-Klee-Grundschule und des Clara-Fey-Gymnasiums verwundert darüber, "dass mit ihren Kindern bislang kaum bis gar nicht über den Tod von Niklas P. gesprochen worden sei. Beide Schulen lägen in Tatortnähe. Die Kinder kämen daher häufig an der Gedenkstätte für Niklas P. vorbei und seien besonders von der Situation betroffen", so das Blatt.

Die Schulleiterin der Grundschule, Petra Römer, gab an, dass der Tod von Niklas P. sehr wohl ein Thema im Schulalltag sei und die Kinder im Rahmen einer wöchentlichen Kinderkonferenz darüber sprechen könnten. Die Schule wolle die Kinder aber "lieber stark machen" anstatt "ihre Ängste zu schüren", so Römer.

Joachim Meurer vom Gymnasium erzählte, dass das Thema bei der Schulpflegschaftssitzung ausführlich diskutiert worden sei und in den Fächern Religion, Politik und Sozialwissenschaften von den Lehrern aufgegriffen wurde. 

Erinnerungen an Jonny K.

Zur Trauerfeier am Samstag kam auch Tina K., die Schwester von Jonny K. 2012 kam der 17-Jährige mit sechs jungen Männern mit Migrationshintergrund am Berliner Alexanderplatz in Streit und wurde von einem türkischen Ex-Boxer zu Boden geschlagen und dort weiter gegen den Kopf getreten. Der Jugendliche starb später an den Verletzungen.

"Als ich an die vielen Parallelen der beiden Fälle dachte, an das Leid der Familie, war plötzlich alles wieder da", sagte Tina K. der "Bild". Tina K. engagiert sich seit dem Tod ihres kleinen Bruders gegen Gewalt ("I Am Jonny"). Doch in solchen Momenten verzweifelt sie: "Wenn Du die leeren Augen der Mutter siehst, dann denkst Du, alles, was Du getan hast, war nutzlos", sagte die junge Frau. 

Die katholische Gemeinde Bad Godesberg wird die Route des Fronleichnam-Umzugs am 26. Mai ändern und am Tatort vorbeiführen. (sm)

https://youtube.com/watch?v=7D5tS61HY60