Fünf geflohene Verbrecher auf freiem Fuß – Polizei sieht keinen Grund Fahndungsfotos zu veröffentlichen

Hammer, Trennschleifer - und eine unverschlossene Tür im Heizungsraum. Auf dieser Basis ist vier Häftlingen in Berlin eine filmreife Flucht gelungen. Jetzt fehlt ein weiterer Insasse. Doch Fahndungsfotos werden nicht veröffentlicht.

Nach der spektakulären Flucht von vier Insassen fehlt ein weiterer Gefangener in der JVA Berlin-Plötzensee. Ein 30-Jähriger aus dem offenen Vollzug meldete sich gestern Abend nicht zurück, wie die Justizverwaltung mitteilte.

Nach bisherigen Erkenntnissen habe der Fall nichts mit dem Gefängnisausbruch zuvor zu tun.

Kein Grund für Veröffentlichung von Fahndungsfotos?

Die vier Häftlinge die zuvor ausgebrochen waren sind unterdessen weiter auf der Flucht. „Es gibt noch keine Festnahmen und keinen neuen Stand“, sagte eine Sprecherin der Polizei in Berlin am Freitag.

Auch die Polizei in Brandenburg fahndete in der Nacht nach Angaben eines Sprechers des Lagezentrums im brandenburgischen Innenministerium nach den Entflohenen. Dies sei jedoch wegen der Nähe zu Berlin nicht ungewöhnlich, hieß es.

Die Polizei hat eine Großfahndung nach den 27 bis 38 Jahre alten Männer ausgelöst, die seit diesem Jahr in der JVA wegen Straftaten wie Diebstahl, räuberischer Erpressung oder schwerer Körperverletzung einsaßen.

„Wir wissen ja, um wen es sich handelt“

Eine öffentliche Suche mit Bildern sei bislang nicht geplant, erläuterte ein Polizeisprecher gegenüber RT. „Wir wissen ja, um wen es sich handelt.“

  • Häftling 1: ungeklärte Staatsangehörigkeit, 27 Jahre, Haft von 8/2017 – 10/2020, schwere Körperverletzung
  • Häftling 2: ungeklärte Staatsangehörigkeit, 30 Jahre, Haft von 8/2017 – 3/2018, Wohnungseinbruch
  • Häftling 3: deutsche Staatsangehörigkeit, 38 Jahre, Haft von 9/2017 – 9/2018, Diebstahl
  • Häftling 4: deutsche Staatsangehörigkeit, 25 Jahre, Haft von 4/2017 – 9/2018, Diebstahl mit Waffe

Es wurden bislang keine Fahndungsfotos veröffentlicht. Niemand weiß, wo sich die Ausbrecher aufhalten.

Nachdem die Männer aus der Haftanstalt geflohen waren, kündigte Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) eine Überprüfung aller Sicherheitsmaßnahmen in der Vollzugsanstalt an. „Zudem werden die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt, bis alles aufgeklärt ist.“

Die Bevölkerung wurde aber weiterhin im Dunkeln gelassen.

Was ist los in der JVA Berlin-Plötzensee?

Fragen wirft der Fall mehrere auf. Am Morgen vor dem Ausbruch arbeiteten die vier Männer gemeinsam mit einem Dutzend weiteren Gefangenen in einer Autowerkstatt, die auf dem Gefängnisgelände liegt und an den Heizungsraum grenzt. Dort gelangten sie auch an einen schweren Hammer und einen Trennschleifer, mit denen sie in einem Heizungsraum zunächst den Betonmittelpfosten einer Lüftungsöffnung an der Außenmauer zerschlugen. Dann zersägten sie die Stahlträger unter dem Beton. Schließlich zwängten sie sich durch die enge Öffnung ins Freie und krochen unter dem Außenzaun der JVA in die Freiheit.

Wie sich die Männer allerdings Zutritt in den laut Anstaltsleitung üblicherweise verschlossenen Heizungsraum verschaffen konnten, ist noch unklar. An der Tür ist ein Sicherheitsschloss, das offenbar mit einem Schlüssel geöffnet wurde.

Unklar ist auch, warum der Ausbruch lange unbemerkt bliebt. Denn eine Kamera, die eine Eingangspforte überwacht, filmte die Aktion um 8.49 Uhr zufällig, weil das Bild auch die Lüftungsöffnung erfasst. Alarm wurde aber erst gegen 9.30 ausgelöst. In der Alarmzentrale des Gefängnisses, in der Aufnahmen von Dutzenden Kameras auf zahlreichen Bildschirmen zusammenlaufen, bemerkte niemand den Coup des Quartetts. (dpa/afp/so/sm)

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