Großeinsatz in Donauwörth: 150 wütende Afrikaner fordern „Justice“ von den „Nazis“ – Polizei verhindert illegale Ausreise

Rosenmontag: Nach Randalen im Asylheim wollten rund 150 abgelehnte Asylbewerber aus Gambia nach Österreich und Italien ausreisen. Die Behörden hinderten sie jedoch daran. Aus Sicherheitsgründen wurde der Bahnverkehr komplett eingestellt. Sie forderten "Justice" und schimpften "Nazis, Nazis".

Montagnachmittag, 12. Februar, in Donauwörth, einer Großen Kreisstadt zentral zwischen München, Nürnberg und Stuttgart gelegen: Gegen 14 Uhr randalierten im Asylheim in der Sternschanzenstraße, der ehemaligen Kaserne auf dem Schellenberg, zahlreiche verärgerte Bewohner, beschädigten u.a. die Kantine und verhielten sich aggressiv gegenüber Personal und den zur Hilfe gerufenen Einsatzkräften der Polizei.

Hintergrund könnten die Abschiebebescheide sein, die den vorwiegenden gambischen Staatsangehörigen im Laufe der letzten Tage und Wochen zugestellt wurden.“

(Polizeibericht)

Laut „Augsburger Allgemeine“ sollen alle 200 Bewohner der Aufnahmeeinrichtung von den Negativ-Bescheiden betroffen sein. Bereits Ende Januar kam es deshalb zu tumultartigen Szenen mit den Leuten. So auch wieder am Rosenmontag.

Die Leute kamen mehr und mehr in Fahrt und bildeten noch in der Unterkunft Gruppen, die sich in Richtung Bahnhof Donauwörth in Bewegung setzten.

Trotz Verhandlungen haben sich die Männer nicht beruhigen lassen.“

(Gerhard Bißwanger, Vize-Polizeichef Donauwörth)

Um der Lage Herr zu werden, mussten „zahlreiche Kräfte des nordschwäbischen Polizeipräsidiums, Bereitschafts- sowie Bundespolizei“ zu einem Großeinsatz zusammengezogen werden. In weiser Voraussicht lenkte die Polizei die verärgerten Afrikaner um die Innenstadt herum, in der gerade der Tandlerfasching gefeiert wurde.

„Justice“ von den „Nazis“

Gegen 17 Uhr stoppten die rund 50 Beamten, darunter auch Hundeführer, den Tross der rund 150 Afrikaner am Busbahnhof, direkt gegenüber dem Bahnhof Donauwörth. Von dort aus wollten diese über Österreich nach Italien ausreisen.

Immer wieder skandieren sie „Nazis, Nazis“, während einige eine bemalte Bettdecke hochhielten, auf der stand: „Justice we want“ (Wir wollen Gerechtigkeit), so die „Augsburger Allgemeine“ weiter.

Behörden verhindern Ausreise der Afrikaner

Zwischenzeitlich kamen auch Vertreter der Bezirksregierung Schwaben hinzu, um Verhandlungen mit den Afrikanern aufzunehmen, in einem AVV-Regional-Bus. Es wurde den Ausreisewilligen klar gemacht, dass dies so nicht geht:

Dieses Vorhaben musste durch die Einsatzkräfte unterbunden werden, da die Personen über keine gültigen Ausweispapiere verfügten und eine sofortige Ausreise rechtlich nicht möglich war.“

(Polizeipräsidium Schwaben Nord)

Am Dienstag fragte die „Augsburger Allgemeine“ bei der Bezirksregierung nach. Vorn dort hieß es:

Von unserer Seite aus könnten die Gambier nach Italien ausreisen.“

(Pressestelle der Bezirksregierung Schwaben)

Allerdings brauche es dazu „gültige Identitätspapiere“. Es sei unklar gewesen, ob sich alle Betroffenen hätten ausweisen können, hieß es.

Komplett-Sperrung des Zugverkehrs

Aufgrund der unübersichtlichen Situation vor Ort habe der Zugverkehr für etwa 30 Minuten komplett gesperrt werden müssen, um eine Gefahr für Personen zu verhindern, so die Polizei. Im Nahverkehr wurden zusätzliche Busse eingesetzt. Erst allmählich konnte der Bahnverkehr zwischen Augsburg und Nürnberg sowie Ingolstadt und Ulm wieder aufgenommen werden.

Laut Polizei hätten sich die Afrikaner „größtenteils friedlich“ verhalten, während sie ihren Unmut verbal äußerten. Allerdings kam es „immer wieder zu aggressiver Stimmung einzelner Gruppenmitglieder“, die sich auf dem Bahnhofsvorplatz versammelt hatten.

Die Polizei und die zuständigen Behörden konnten mit Vertretern der Gruppe sprechen und diese davon überzeugen, dass eine „spontane Ausreise zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich“ sei. Gegen 20.15 Uhr machten sich die Männer und Frauen auf den halbstündigen Weg zurück zur Aufnahmeinrichtung – begleitet von den Einsatzkräften.

Nach den geglückten Verhandlungen wurde die bis aus Nürnberg angeforderte Verstärkung nicht mehr benötigt – diesmal.

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