Imad Karim beim Trauermarsch in Kandel: „Heimat eurer Vorväter“ mit „Grundgesetz als Kompass“ schützen und verteidigen

"Dieses Land ist die Heimat eurer Vorväter, aber dieses Land ist [auch] die Heimat meiner Werte. Und ich bin bereit, diese Heimat mit allen rechtsstaatlichen Mitteln zu schützen und zu verteidigen." (Imad Karim)

„Ich bin ein Demokrat und ich bin heute unter Demokraten“, so begann Imad Karim seine kurze Rede beim Trauermarsch für die am 27. Dezember ermordete 15-jährige Mia in Kandel am Sonntag, 28. Januar 2018.

An diesem Nachmittag hatte das „Frauenbündnis Kandel“ dazu eingeladen, vom Tatort am DM-Markt bis zum Marktplatz zu laufen und forderte „Sicherheit für uns und unsere Kinder“. Rund 1.000 Menschen folgten dem Aufruf, während der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Kandel, Volker Poß (SPD), bei der gleichzeitig stattfindenden Gegendemonstration „Aufstehen gegen Rassismus“ unter den 150 Teilnehmern auf der anderen Seite des Marktplatzes zu sehen war.

Vielleicht hören die Menschen Imad Karim gerne zu, weil er sowohl die Kultur und Religion der Migranten kennt, als auch die von Deutschland kennt.

Ich bin vor 40 Jahren, einem Monat und 25 Tagen nach Deutschland gekommen. Ich bin nicht als Asylbewerber oder als Flüchtling gekommen, ich bin zum Studieren gekommen. Und ich bin in diesem großartigen Land geblieben.“

(Imad Karim, 59, Regisseur und Autor)

1977 kam Imad Karim nach seinem kriegsbedingt abgebrochenen Studium an der Beiruter Akademie der Schönen Künste (ALBA) nach West-Berlin und lernte in Deutschland aktiv Land, Leute, Kultur und Geschichte kennen. Doch im Oktober 2015 musste er entsetzt erkennen, dass „sein Deutschland“ in Begriff war, verloren zu gehen.

Die Verantwortung wahrnehmen

Doch was hatte der Mann, der diese beiden so unterschiedlichen Kulturen kennt, in Kandel zu den Menschen sagen?

Dieses Land ist die Heimat eurer Vorväter, aber dieses Land ist [auch] die Heimat meiner Werte. Und ich bin bereit, diese Heimat mit allen rechtsstaatlichen Mitteln zu schützen und zu verteidigen.“

(Imad Karim)

Als Ex-Moslem und Agnostiker kenne er den religiösen Faschismus, den er verachte.

Ich will nicht, dass meine Kinder eines Tages denken, ihr Vater war ein Feigling. Deswegen stehe ich heute hier.“

Meinungen respektieren

Dann wandte sich der 59-Jährige an die Gegendemonstranten, nannte sie Menschen, mit deren Eltern er zusammen studiert habe und dass sie nicht wüssten, was sie täten:

Sie lernten leider jeden zu diffamieren, der mit ihnen nicht gleicher Meinung ist. Schade. Aber sie werden bald selber feststellen, dass sie sich geirrt haben, leider blutig geirrt haben.“

Dann erinnerte Karim an die Epoche der DDR, wo es hieß: „Wer nicht für uns ist, ist gegen den Weltfrieden und die Völkerbrüderschaft.“ Heute heiße es, wer Positionen der AfD gut finde, sei ein Nazi.

Imad Karim erzählte, dass er sich kürzlich mit einem geflüchteten Iraner unterhalten hatte. Nach dem dritten Satz habe er gewusst, dass er einen Ex-Moslem vor sich hatte. Er habe ihn gefragt, ob er Angst in Deutschland habe. Da habe der Iraner ja gesagt und Imad Karim fragte ihn: Warum? Vor den Deutschen? Da sagte der Flüchtling: „Nein“ und dass er Angst vor 90 Prozent der Flüchtlinge hat, die mit ihm nach Deutschland gekommen sind.

Mit Grundgesetz als Kompass

„Wir“, so Imad Karim, „müssen an uns glauben“ und man dürfe den Boden des Grundgesetzes nie verlassen, sagt der Deutsch-Libanese mahnend den Zuhörern.

Das Grundgesetz muss immer unser Kompass bleiben bei diesem Kampf.“

Angesichts der Gegendemonstranten, der sogenannten „Anti-Rassisten“, deutete Imad Karim eine traurige Wahrheit bezüglich des ermordeten Mädchens und des derzeit herrschenden ideologischen Trends an:

Wenn dieses furchtbare Verbrechen nicht Mia getroffen hätte, sondern ein anderes Mädchen, dann wäre Mia heute da drüben gewesen. Aber wenn Mia aus dem Reich der Toten kommen würde, dann würde sie heute hier stehen.“

Als arabisch sprechender Journalist könne er jedem aufzeigen, „wie verächtlich die überwiegende Mehrheit der sogenannten Flüchtlinge über unsere offene Gesellschaft denkt“, so der Filmemacher. Es sei ein harter Kampf, den man gemeinsam führe.

Wir kämpfen gemeinsam für Deutschland, als die Heimat unserer Werte. (…) Wir halten zusammen, denn es lohnt sich, für dieses Land zu kämpfen.“

Imad Karim nahm bereits am ersten Trauermarsch in Kandel für die ermordete Schülerin teil. An jenem 2. Januar waren es noch bis zu 600 Menschen, die an einem Schweigemarsch vom Tatort durch die Stadt und zurück teilnahmen. Als sie am DM wieder ankamen, warteten dort schon Personen mit bunten Schirmen, um gegen die „Rechten“ zu demonstrieren.

Info Imad Karim

Imad Karim studierte in Berlin, Mainz und Mannheim Medienwissenschaft und Sozialwissenschaft und arbeitete später als freier Fernsehjournalist, Film- und Drehbuchautor sowie Regisseur für ARD, ZDF und WDR und erhielt 1994 den Freiburger Publikumspreis, 1995 den Civis Medienpreis für Integration und kulturelle Vielfalt in Europa für „Kumpel Charly“ aus der WDR-Produktion „Menschen hautnah“ und 1999 den Prix Iris Niederlande für „From Germany To Ghana And Back – Charly In Search Of Home“. Viele Jahre war er auch als Auslandsreporter, vor allem im Libanon unterwegs. (Webseite: www.imad-karim.de)

 

 

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