In tiefer Trauer um einen großen Deutschen und einen großen Europäer – Erste Reaktionen

"Einer der größten Staatenlenker von Nachkriegs-Europa" und ein "großer Europäer" - Reaktionen zum Tod von Helmut Kohl.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) würdigt den verstorbenen Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl. „In tiefer Trauer um einen großen Deutschen und einen großen Europäer“, schrieb ihr Sprecher Steffen Seibert am Freitag im Internetdienst Twitter.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die Nachricht vom Tod ihres Vorgängers Helmut Kohl während einer Reise nach Rom erreicht. Die Kanzlerin änderte ihr Besuchsprogramm. Sie wollte sich am Abend in der Residenz der deutschen Botschafterin öffentlich äußern. Merkel ist für eine Privataudienz bei Papst Franziskus an diesem Samstag nach Rom geflogen.

CSU: Großer Staatsmann

Die CSU trauert um den langjährigen Vorsitzenden ihrer Schwesterpartei CDU, Altkanzler Helmut Kohl. „Helmut Kohl war ein großer Staatsmann, seine Verdienste um unser Land sind unschätzbar“, twitterten die Christsozialen mitsamt einem Schwarz-Weiß-Foto des früheren CDU-Parteichefs.

Sigmar Gabriel: Kohl war ein großer Europäer

Außenminister Sigmar Gabriel erklärt: „Er war ein großer Staatsmann, ein großer deutscher Politiker und vor allem ein großer Europäer, der sehr viel dafür getan hat, dass nicht nur die Deutsche Einheit gekommen ist, sondern auch dass Europa zusammengewachsen ist“.

„Das ist sein großes Vermächtnis. So wird er uns in Erinnerung bleiben. Wir sind in diesen Minuten in Gedanken bei seiner Familie und seinen Kindern. Es ist ein wirklich großer Deutscher gestorben.“

SPD-Chef Martin Schulz: Er stellte historische Weichen

SPD-Chef Martin Schulz hat dem verstorbenen Altkanzler Helmut Kohl „Anerkennung für sein politisches Lebenswerk“ gezollt. Kohl habe „historische Weichen für Deutschland und Europa gestellt und sich Verdienste erworben, die Bestand haben und nicht vergessen werden“, schrieb Schulz laut einer Mitteilung am Freitag an Kohls Witwe Maike Kohl-Richter.

Es sei Kohls „Geistesgegenwart, seinem politischen Mut und seiner Führungsstärke zu verdanken, dass die Wiederherstellung der deutschen Einheit möglich wurde“.

Altkanzler Schröder: Er habe größten Respekt

Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) hat seinen verstorbenen Vorgänger Helmut Kohl Gerhard Schröder als „großen Patrioten und Europäer“ gewürdigt. „Die Einigung unseres Landes und unseres Kontinents wird auf alle Zeit auch mit seinem Namen verbunden bleiben“, sagte Schröder.

Trotz des harten Wahlkampfs im Jahr 1998 und fundamental unterschiedlicher Ansichten in vielen politischen Fragen habe er „für seine historische Leistung größten Respekt“.

George Bush senior: „Einer der größten Staatenlenker von Nachkriegs-Europa“

Der frühere US-Präsident George Bush senior hat den verstorbenen Altkanzler Helmut Kohl als „einen der größten Staatenlenker von Nachkriegs-Europa“ gewürdigt. Bush bezeichnete Kohl in einer am Freitag veröffentlichten Erklärung als einen „wahren Freund der Freiheit“, der sein Leben der Aufgabe gewidmet habe, die demokratischen Institutionen in seinem Heimatland und anderswo zu stärken.

Nach dem Fall der Mauer hatten Kohl und Bush eng bei der Verhandlungen über den Zwei-plus-vier-Vertrag zusammengearbeitet, der den Weg zur deutschen Wiedervereinigung ebnete. Bush bezeichnete sein damaliges Zusammenwirken mit seinem „sehr guten Freund“ als „eine der großen Freuden meines Lebens“. Kohl sei in den damaligen Verhandlungen „wie ein Fels gewesen, also „sowohl standfest als  auch stark“.

Jean-Claude Juncker: „Er hat mich persönlich auf allen europäischen Wegen geleitet und begleitet“

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hat sich tief betroffen über den Tod von Altkanzler Helmut Kohl (CDU) gezeigt. „Die Nachricht vom Tod des früheren Bundeskanzlers und meines engen Freundes Helmut Kohl hat mich tief getroffen“, erklärte Juncker am Freitag in Brüssel. Kohl sei Europa und ihm persönlich „ein echter Vertrauter und Verbündeter“ gewesen. „Er hat mich persönlich auf allen europäischen Wegen geleitet und begleitet“, erklärte Juncker.

Der EU-Kommissionspräsident würdigte Kohls Engagement für Europa: „Helmut Kohl hat das europäische Haus mit Leben erfüllt – nicht nur, weil er Brücken nach Westen wie nach Osten gebaut hat, sondern auch, weil er niemals aufgehört hat, noch bessere Baupläne für die Zukunft Europas zu entwerfen“, erklärte Juncker. Ohne Kohl gäbe es überdies den Euro nicht. Kohl habe „von Anfang an erfasst, welche politische und wirtschaftliche Bedeutung eine einheitliche Währung für unseren Kontinent hat“.

Die deutsche Einheit sei Kohl „wie keinem anderen zu verdanken“. Diese habe er „stets als Teil des europäischen Projekts verstanden“. Kohl sei „ein großer Europäer“ gewesen. Es sei sein „politischer wie persönlicher Wunsch“, daran mitzuwirken, dass Kohls „Traum von Europa in Erfüllung geht“, erklärte Juncker. Im Gedenken an Kohl seien die Europaflaggen vor den europäischen Institutionen auf Halbmast gesetzt worden. (ks/afp/dts/dpa)