Industrie 4.0 – Wer gewinnt, wer verliert?

Von 5. February 2018 Aktualisiert: 6. Februar 2018 10:03
Angela Merkel sagte in ihrer Rede auf dem Wirtschaftsforum in Davos, die Bürger müssten sich auf lebenslanges Lernen einstellen. „Müssen“ sie das wirklich, oder „müssen“ sie Industrie 4.0 eher als wirtschaftspolitische Perversion identifizieren und kompromisslos unterbinden?

In ihrer Rede auf dem Wirtschaftsforum in Davos sprach Angela Merkel die von den Unternehmen geplante nächste Stufe der Automation von Arbeitsabläufen an, die unter dem Begriff Industrie 4.0 publiziert wird. Dabei streifte sie, wenn auch nur am Rand, leicht verklausuliert als „disruptive technologische Veränderungen“ die nicht unproblematischen Auswirkungen von Industrie 4.0 – ohne seine Umsetzung grundsätzlich in Frage zu stellen.

Worum geht es bei Industrie 4.0?

Gemäß den bisherigen Publikationen besteht Industrie 4.0 im Wesentlichen aus drei Maßnahmen: 1. Optimierung von Logistik und Betriebsabläufen durch Digitalisierung, 2. Optimierung der Kommunikation mit Kunden via Internet, zwecks Anbahnung von Geschäftsabschlüssen und 3. Austausch von Arbeitern durch intelligente Robotersysteme.

Und speziell im Punkt 3 wird der Haken dieses Vorhabens erkennbar. Die Entwicklung intelligenter Computersysteme auch „Künstliche Intelligenz (KI)“ genannt ermöglicht es, hochqualifizierte Facharbeiter und Verwaltungsangestellte durch diese Technik zu ersetzen, damit Lohnkosten zu verringern und die Profite der Unternehmen zu steigern.

Befragte Manager auf dem Wirtschaftsgipfel in Davos schätzten die Einsparpotentiale an Mitarbeitern durch Industrie 4.0 auf 7 Mio. Personen in den Industrieländern. Da Deutschland ein Industrie-Land ist, wird man da mit gewaltigen Massenentlassungen in vermutlich mehrere Millionen zählender Stärke rechnen müssen.

Auch die durch Automation entstehenden Arbeitsplätze im hochqualifizierten Bereich werden diese unsere Volkswirtschaft und die Finanzierbarkeit des in der Verfassung festgeschriebenen Sozialstaates massive Schädigung durch Massenentlassungen nicht kompensieren, da Automation für die Profitabsichten der Unternehmen ja nur dann und nur so lange Sinn macht, wenn sie mehr Mitarbeiter rausschmeißen als einstellen. Und diese Hochqualifizierten sollen dann den Unternehmen Beihilfe leisten, um ihre Mitbürger arbeitslos zu machen und für den Rest ihres Lebens finanziell in der Armut von Hartz4 zu ruinieren.

Angela Merkel sagte in ihrer Rede, die Bürger müssten sich auf lebenslanges Lernen einstellen. „Müssen“ sie das wirklich, oder „müssen“ sie Industrie 4.0 eher als wirtschaftspolitische Perversion identifizieren und kompromisslos unterbinden?

An dieser Stelle ist unsere Gesellschaft an einem Punkt angelangt, der von uns die Reflektion bezüglich der Frage verlangt, wann und unter welchen Voraussetzungen ein Technologiesprung für unsere Volkswirtschaft zu Wohlstandsmehrung oder -minderung führt.

Wir stehen an einer Weggabelung und unsere Entscheidung wird weitreichende Auswirkungen auf unsere Lebensverhältnisse und der unserer Nachkommen haben. Schauen wir also genau hin:

Ist Automation grundsätzlich volkswirtschaftlich kontraproduktiv?

Nein, denn lässt eine Gesellschaft Roboter für sich arbeiten, so braucht sie dies selber weniger, kann mehr Güter konsumieren, da Roboter rund um die Uhr für das Volk arbeiten können. Die Bürger haben nun mehr Zeit für Kindererziehung, was Kitas überflüssig macht, können sich Bildung, Politik und Selbstverwirklichung widmen. Armut wird zu einem Relikt vergangener Zeit, denn Roboter erarbeiten jedem Bürger reichlich Konsumgüter. Automation ist also im Kern eine hervorragende Sache.

Was läuft schief bei Industrie 4.0?

Bei Industrie 4.0 wird die Wertschöpfung der Automation nicht zur Finanzierung der Volkswirtschaft herangezogen, sondern als Konkurrenz zu ihr aufgebaut, bei der die Gewinne der Unternehmen mit der Schädigung der Volkswirtschaft direkt korrelieren. Das nun fehlende Einkommen der arbeitslos gemachten Bürger ist der Gewinn der Unternehmen.

Sozialstaat und Automation in Unternehmerhand sind ein Widerspruch in sich.

Und auch der Staat holt sich diesen Mehrgewinn nicht über Unternehmensertrags-Steuern zurück, da Merkels Finanzminister Wolfgang Schäuble Steuerschlupflöcher für Konzerne geschaffen hat, die es ihnen ermöglichen, die Gewinne über Firmenverschachtelungen mit Sitz auf den Niederländischen Antillen nahezu steuerfrei außer Landes zu schaffen.

Die Merkel-Regierung setzt den volkswirtschaftlich-schädigenden Strategien der Unternehmen weniger Widerstand entgegen denn ein Halm im Wind. Was kostet uns eine schwache Regierung?

Die Automation in Unternehmerhand führt also zu einer Absenkung des Wohlstandes, obgleich die Technologie eigentlich das Gegenteil ermöglicht. Die gleiche Fehlentwicklung hatten wir bereits im   Zuge der Industrialisierung des 19ten Jahrhunderts, auch damals wurde Automation gegen die Bevölkerung eingesetzt, was zu Massenarmut und dem Entstehen des Kommunismus mit all seinen Opfern führte. Auch die SPD verdankt ihre Existenz letztlich dem Fehler der damals für die Wirtschaftspolitik Verantwortlichen. Es scheint, auch sie will diesen Fehler wiederholen.

Wer die Fehler der Geschichte nicht versteht, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.

Fazit: Automation im Eigentum des Volkes ist die notwendige Bedingung für die Wohlstands-mehrende Entfaltung dieser Technologie.

Die Alternative zu Industrie 4.0 sind folglich hoch-automatisierte Volksbetriebe – nicht zu verwechseln mit Staatsbetrieben -, die ohne Gewinnabsichten auf Selbstkostenbasis arbeiten und deren Wertschöpfung auf die Bevölkerung verteilt wird.

Der an dieser Stelle regelmäßig reflexartig vorgebrachte Einwand, Staatsbetriebe seien ja generell Misswirtschaft, wie die der sozialistischen DDR bewiesen haben ist insofern nicht die ganze Wahrheit, da Privatunternehmen ebenfalls reihenweise Pleite machen. So gingen allein in 2017 116.000 Privatbetriebe pleite und die Gesellschaft musste für den von diesen Unternehmern angerichteten Schaden aufkommen.

Gerade haben die privatwirtschaftlichen Manager von Air Berlin einen Schaden von über 270 Mio. € angerichtet, den, auf Anweisung von Frau Merkel nun die Bürger bezahlen sollen, während für eine armuts- beendende Mindestrente laut Sigmar Gabriel (SPD) kein Geld da sei.

In einem einzigen Jahr gehen mehr Privatunternehmen aufgrund von Misswirtschaft pleite als Staatsbetriebe in der gesamten Geschichte der BRD.

Die Wahrheit wird wohl eher die sein, dass die Effektivität eines Betriebes nicht von seinen Eigentumsverhältnissen, sondern vielmehr von den Fähigkeiten der Betriebsleitung abhängt.

Volksbetriebe sollten also eine möglichst gut ausgebildete Betriebsleitung haben. Zugleich sollte eine Einflussnahme von Parteigängern auf diese konsequent unterbunden werden, da Parteien die Tendenz haben, Personen nach oben zu spülen, deren zentrale Fähigkeit darin liegt, alles, was sie in die Finger bekommen in kürzester Zeit zu ruinieren.

Die Betriebsleitung sollte aus den besten Abgängern unserer Universitäten bestehen, deren Aktionen im Betrieb durch eine externe Controlling-Abteilung überwacht werden, welche nur dem Volk untersteht und Fehlentwicklungen im Betrieb zeitnah identifiziert, zur Einleitung von Gegenmaßnahmen. Für diese Controlling-Abteilung werden auch hier die besten Mathematiker direkt von der Uni rekrutiert, denn die Effektivität eines Betriebs ist ganz wesentlich ein Zusammenspiel mathematischer Funktionen.

Betriebsleiter wie Mitarbeiter erhalten eine Ergebnisprovision. Dieser Leistungsanreiz fördert die Tendenz zur Optimierung der Arbeitsabläufe.

Mit den Erträgen wird unter anderem ein Forschungszentrum finanziert, in dem die besten Ingenieure des Landes gegen hohe Provision Patente entwickeln, die nur in den Volksbetrieben verwendet werden und den Volksbetrieben einen technologischen Vorsprung gegenüber Privatbetrieben verschaffen.

Die erfolgreichsten Ingenieure werden jedes Jahr gleich der Nobelpreis-Verleihung öffentlich im TV geehrt und erhalten zusätzlich eine finanzielle Belohnung. Dies erzeugt einen für die Volkswirtschaft arbeitenden Wettbewerb unter den Ingenieuren – konstruktiver Wettbewerb statt ruinösem Wettbewerb der „Freien“ Marktwirtschaft.

Der Kostenvorteil des Volksbetriebes gegenüber den Privatunternehmen besteht aus drei Punkten:

  1. Kein zu erwirtschaftender Gewinn, es wird auf Selbstkostenbasis produziert.
  2. Infolge dessen keine Unternehmensertrags-Steuern, da gemeinnützig.
  3. Keine Zinslasten für Kredite, da sich das Volk für die Errichtung der Betriebe selbst zinslos Kredit gewährt.

Diese Kostenstruktur ist im Grunde unschlagbar

Parallel wird durch einen Mindestlohn, der dem des Lohnes im Volksbetrieb entspricht verhindert, dass die Privatunternehmer durch Lohnbetrug an unseren Mitbürgern den Kostenvorteil des Volksbetriebes aushebeln. Wenn die Privatunternehmer glauben, sie seien fähiger, sollen sie es durch Organisation ihres Betriebes beweisen – nicht durch Diebstahl an unseren Mitbürgern.

Ebenso wird – wie Trump es gerade bei Waschmaschinen vormacht – mit hohen Zöllen verhindert, dass Dumpinglohn-Produkte aus Fernost unseren Volksbetrieb preislich unterlaufen.

 

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