Lünen: Verhüllte Schweigeminute und Statement von Schülergruppe der Vorzeige-„Schule ohne Rassismus“ zu Presseberichten

Während der Schweigeminute am Mittwoch schotteten die Verantwortlichen der betroffenen Lünener Gesamtschule das Schulgelände vor den Blicken der Presse ab. Auf der Schulwebseite wurde ein Statement einer "Gruppe von Schülerinnen und Schülern aus dem 12. Jahrgang" veröffentlicht, die sich über die "negative und unsachliche Medienflut" äußerten.

Im Gedenken an den am Dienstagmorgen ermordeten 14-jährigen deutschen Schüler an der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule in Lünen zeigte sich Bürgermeister Jürgen Kleine-Frauns erschüttert.

Auf der Internetseite der Stadt veröffentlichte der Rathauschef ein Statement und rief zu einer Schweigeminute am Mittwoch auf:

Liebe Schülerinnen und Schüler, liebe Eltern, liebe Lehrer, liebe Angehörige,

am heutigen Dienstagmorgen wurde ein Schüler der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule tödlich verletzt. Diese schreckliche Tat macht mich tief betroffen. Wir alle in Lünen sind entsetzt und fassungslos.“

(Jürgen Kleine-Frauns, Bürgermeister)

Um in dieser Situation zusammenzustehen, werde man am Mittwoch um 12 Uhr zu einer Schweigeminute in allen Schulen und im Lüneburger Rathaus zusammenkommen. Insbesondere die Schule, an der die Tat geschah, war hier im Fokus der Presse.

Die Verantwortlichen der Schule organisierten eine Verhüllung des Schulhofes durch aufgehängte Stoffbahnen.

Statement einer Schülergruppe

Auf der Webseite der Schule (kkg-luenen.de) wurde ein Statement einer Gruppe von Schülern der Schule veröffentlicht, welches wir hier ungekürzt wiedergeben:

STATEMENT DER SCHÜLERINNEN UND SCHÜLER DES 12. JAHRGANGS (Q1) DER KÄTHE-KOLLWITZ-GESAMTSCHULE LÜNEN

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir sind eine Gruppe von Schülerinnen und Schülern aus dem 12. Jahrgang der KKG Lünen, die über die negative und unsachliche Medienflut ihre Meinung äußern möchte.

Die Berichterstattung über unsere Schule erschüttert uns zutiefst. Da viele von uns bereits seit der 5. Klasse Schülerinnen und Schüler sind, wollen wir uns von diesen Aussagen distanzieren, weil wir überwiegend positive Erfahrungen während unserer Schulzeit gemacht haben bzw. machen.

Unsere Schule ist wie ein zweites Zuhause, da jeder hier willkommen ist und das Schulklima sehr familiär ist. Daraus lässt sich schließen, dass es sich bei dem Geschehenen um eine Einzeltat handelt.

Wir haben viele Möglichkeiten, uns an Personen zu wenden, wenn Stress- oder Drucksituationen auftreten.

Außerdem gibt es regelmäßige Projekte und Projekttage, um die Gemeinschaft ALLER Schülerinnen und Schüler aus verschiedenen Kulturen an unserer Schule zu stärken. Dies zeigt deutlich, weswegen wir uns den Titel ,,Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ zurecht verdient haben.

Selbst in dieser schrecklichen Zeit unterstützen sich Lehrerinnen und Lehrer und Schülerinnen und Schüler gegenseitig.

Das ist Gemeinschaft!
Dafür steht die Schule!
Dafür stehen WIR!

Wir haben keine verschiedenen Nationalitäten an unserer Schule, sondern EINE.
Diese heißt MENSCH!

Wir bitten Sie, uns und den Angehörigen genügend Zeit und Ruhe zum Trauen zu lassen, um das Geschehene zu verarbeiten.

In stillem Gedenken an Leon

Die Schülerinnen und Schüler
der Käthe-Kollwitz Gesamtschule
in Lünen

KKG: Vorzeige-Gesamtschule in Lünen

Wie die „Bild“ über die Schule berichtet, beschreibe diese sich auf ihrer Internetseite als „eine Schule, in der alle Kinder willkommen sind, gern miteinander leben und voneinander lernen“.

Die „Welt“ fügt ergänzend hinzu, dass sich die Gesamtschule als „pädagogische Alternative“ zum gegliederten Schulsystem verstehe und eine Schule des gemeinsamen Lernens sei, welche die Belange von Kindern und Eltern in dem Mittelpunkt stelle.

Neben der KKG gibt es eine weitere Gesamtschule in Lünen, die Geschwister-Scholl-Gesamtschule.

Laut „Philosophia Perennis“ gelte die KKG Lünen als Vorzeigeschule, trage das „Gütesiegel des Landes NRW“ und gehört zum Schulnetzwerk „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“. Derzeit findet im Foyer der Schule eine Ausstellung von ProAsyl zum Thema „Asyl ist Menschenrecht“ statt.

„PP“ zitiert aus einem Werbevideo der KKG:

Auch die Vielfalt der Nationen, die über unsere Schüler an der KKG vertreten sind, ist ein prägendes Merkmal, das die Chance zu einer lebensnahen Pädagogik des gemeinschaftlichen und respektvollen Umgangs miteinander bietet.“

„Ein Hassverbrechen hier eigentlich undenkbar!“, schlussfolgert „PP“.

Siehe auch:

Lünen/NRW: Tödliche Messer-Attacke an Gesamtschule – 15-Jähriger sticht Mitschüler (14) nieder

Messer-Mord in Lünen: Was sich die Schüler erzählen – Polizei warnt vor Gerüchten