Massendrogen fast zum Nulltarif: Chemische Industrie produziert tonnenweise GBL als Putzmittel – Regierung schaut weg

Produziert wird es tonnenweise als Putzmittel. Doch genauso kann die leicht zu beschaffende und billige Chemikalie GBL als Party-Droge oder gar als K.O.-Tropfen verwendet werden. Gamma-Butyrolacton liefert einen Party-Rausch bereits im Cent-Bereich und wirkt stark abhängig machend. Doch weder Industrie noch Regierung sehen Bedarf zum Handeln.

Spätestens seit der Einordnung von Gamma-Hydroxybuttersäure (GHB) zu den verschreibungsfähigen Betäubungsmitteln (2002, BTM Klasse III) findet auch Gamma-Butyrolacton (GBL) als Party-Droge Verwendung oder dient als Ausgangsstoff zur illegalen Herstellung von GHB. Beide Stoffe sind seither als „Liquid Ecstasy“ und andere Szene-Begriffe bekannt.

In einer anderen kriminellen Verwendung nennt man sie auch Vergewaltigungsdroge oder „Date Rape Drug“. Die Verabreichung wird als gefährliche Körperverletzung gewertet.

Und dennoch: Jedes Jahr schüttet die Industrie Zigtausende Tonnen GBL als sogenannte Putzmittel auf den Markt und bietet somit Möglichkeiten für einen leicht zu beschaffenden Drogenrausch im Cent-Bereich.

Experiment 1 – Im Club

Der Bayerische Rundfunk recherchierte aktuell im Rahmen der TV-Sendung „PULS“ zum Thema K.O.-Tropfen und wandte sich dazu vertrauensvoll an den Chemieriesen BASF. Die Reporterin Ariane Alter fragte, warum der Konzern, der jährlich 50.000 Tonnen GBL produziere es ablehne, der Chemikalie Bitterstoffe beizufügen, um sie ungenießbar zu machen?

Ein weiteres Schreiben ging an die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, warum GBL nicht unter das Betäubungsmittel falle.

Zudem wurde das im Internet bestellte Putzmittel im Labor untersucht und auf 100 Prozent reines GBL deklariert.

Als letztes wurde ein Notarzt arrangiert, der beim Versuch anwesend sein würde. Doch wie schon im ersten Fall wurde auf die unsicher zu dosierende Wirksubstanz GBL verzichtet und auf ein ähnlich wirkendes Präparat in medizinischer Reinheit und geringer Dosierung zurückgegriffen.

Am 5. Oktober 2017 veröffentlichte „PULS“ einen Soft-Test mit einem Präparat, welches K.O.-Tropfen in der Wirkung ähnelt:

Die Drogenbeauftragte antwortete pauschal mit dem Hinweis auf die freiwillige Abgabekontrolle der Vertreiber:

GBL untersteht als Massenchemikalie nicht dem Betäubungsmittelgesetz, sondern unterliegt dem freiwilligen Europäischen Monitoring.“

(Marlene Mortler, CSU, Bundesdrogenbeauftragte)

Auch BASF äußerte sich zum Vorschlag der Vergällung mit Bitterstoffen:

Ein Bitterstoff würde die meisten GBL-Produkte chemisch verunreinigen.“

(BASF)

Um sich nicht ganz die Blöße zu geben, wurde die Antwort jedoch um folgende Aussage erweitert:

Für bestimmte Anwendungen, in denen eine Vergällung möglich erscheint, prüft BASF entsprechende Substanzen und Prozesse.“

(BASF)

Man prüft. Doch getan wurde bisher nichts.

Experiment 2 – GHB beim Arzt

Der Sender Pro7 veröffentlichte Anfang 2017 ein Selbstexperiment mit sogenannten K.O.-Tropfen. Die „Galileo“-Reporterin Claire Oelkers macht den Selbstversuch unter ärztlicher Aufsicht. Im Internet bestellt sie sich einen Liter der offiziell als Putzmittel gehandelten Chemikalie GBL. Der Arzt weigerte sich jedoch die Flüssigkeit mit unbekannter Konzentration zu verabreichen. Um dennoch den Versuch zu unterstützen verabreichte er reines und gut dosierbares GHB aus dem Medizinhandel …

Die deutschen Gesetze bieten bei jeglichen anderen Drogen, bis hin zu weichen Drogen wie Marihuana – und das selbst für die medizinische Anwendung bei chronischen Schmerzpatienten –  ein strenges Reglement.

Warum also wird bei diesen billigen, hochgefährlichen und leicht zu besorgenden Massendrogen so offensichtlich weggeschaut?

Im Vergleich: Alkohol wird durch den Zusatz von Bitterstoffen zu ungenießbarem Brennspiritus vergällt. Erst dann darf er ohne die für Trinkalkohol anfallende Branntweinsteuer verkauft werden. In diesem Fall ist die industriell und massenhaft erzeugte Ungenießbarkeit kein Problem.

Bei GBL hält man diesen Aufwand offenbar für unzumutbar oder nicht so wichtig, wie es in dem Video-Beitrag von „Galileo“ auf Anfrage aus dem Ministerium heißt:

Die Regelungen des Betäubungsmittelgesetzes sind für Massenchemikalien wie GBL nicht geeignet.“

(Bundesgesundheitsministerium)

Billiger Rausch, große Abhängigkeit

Auch andere Drogenabhängige greifen zu GBL, weil es so günstig und leicht zu erhalten ist. Nach Dr. Arne Lueg von der LWL-Suchtklinik in Dortmund koste ein leichter Drogentrip gerade einmal vier Cent. Doch mache die Substanz bereits nach kurzer Zeit abhängig und der Entzug sei schwierig, berichtet der Ansprechpartner für Konsumenten illegaler Drogen in der Klinik auf „pflichtlektuere.com“:

Entzugserscheinungen sind hoher Blutdruck, Herzrasen, Halluzinationen oder auch epileptische Anfälle.“

(Arne Lueg, Fachoberarzt, LWL-Klinik, Dortmund)

Bereits 2001 sollte auch GBL als Vorstufe von GBH verboten werden. Im letzten Moment nahm das Gesundheitsministerium jedoch den Stoff aus der Liste heraus, da er ein wichtiges Mittel der chemischen Industrie sei.

Das Landeskriminalamt in Baden-Württemberg hatte laut „Stuttgarter Zeitung“ im Jahr 2005 ganze 13 Fälle im Zusammenhang mit Liquid Ecstasy zu verzeichnen. 2009 waren es bereits 135 und 2014 waren es 255 Fälle. Die Dunkelziffer dürfte erschreckend höher liegen, da sich die Opfer oft an nichts erinnern können. Erst am 30. Juli wurde ein solcher Fall aus Stuttgart berichtet, bei dem eine 40-jährige Frau vergewaltigt wurde:

Auch Dr. Michael Rath, ärztlicher Leiter der Suchtabteilung im Zentrum für Psychiatrie Bad Schussenried kämpft seit Jahren gegen die Untätigkeit von Regierung und Industrie, berichtete die „Stuttgarter Zeitung“ Ende 2016.

Das hat die Größenordnung von Heroin. […] Das ist häufig ein sehr schwerer Entzug.“

(Dr. Rath, Psychiatrie-Arzt)

Auch Rath rechnet den billigen Preis der Droge vor, die um 70 Euro in Internetapotheken zu beziehen sei, so der Mediziner. Dies reiche für bis zu 1.000 K.O.-Dosen, da ein bis zwei Milliliter für einen Erwachsenen ausreichen könnten. Für sieben Cent könnte somit ein Krimineller angreifen.

Bei Methadon müsse er in seiner Klinik über jeden Milliliter Buch führen, doch bei GBL seien Besitz und Konsum straffrei.

Rath setzte sich bereist mit dem Bitrex-Hersteller in Schottland in Verbindung, der jenen Stoff Denatonium produziert, die derzeit bitterste bekannte Substand, die aus Alkohol Brennspiritus macht: „Das kriegen Sie nicht runtergeschluckt“, so Rath in der „SZ“.

Ich habe gefragt, ob es mit der Vergällung von GBL Probleme geben könnte. Dort hieß es, nein. Das wird sogar vereinzelt schon gemacht.“

(Dr. Rath, Psychiater)

Doch BASF winkte ab: Die Vergällung sei „mit den meisten Anwendungen nicht kompatibel, da sie zur Verunreinigung des Stoffes selbst und der daraus hergestellten Produkte führen kann.“

Und für die Putzmittel? „Der mit Graffiti beschmierten Hauswand ist es völlig egal, ob das GBL im Reiniger bitter schmeckt“, so Rath in der „SZ“ weiter. Doch auch als er seinen Vorschlag ans Bundesgesundheitsministerium richtete kam eine Absage: „Geht nicht, ist zu kompliziert.“

Rath vermutet, dass die Vergällung das Mittel etwas verteuern werde, verweist aber darauf, dass da, wo der Staat wolle, dennoch eine großindustrielle Lösungen möglich sei. Als weiteres Beispiel nannte er das rötlich eingefärbte Heizöl im Vergleich zum höher besteuerten Dieselkraftstoff.

Und wieder heißt das Zauberwort Steuer, wie schon beim Alkohol. Dann geht es auf einmal, auch in großem Maßstab.

Liquid Ecstasy

Wie die „Deutsche AIDS-Hilfe“ informiert, handelt es sich bei Liquid Ecstasy (GBL, GHB, K.O.-Tropfen) um schwer zu dosierende künstliche Drogen mit einer unter Umständen tödlichen Wirkung.

Die vom Konsument erwünschte euphorisierende und entspannende Wirkung kann je nach Menge und persönlichen und äußeren Umständen zu Angstattacken und Schlaflosigkeit, Wahrnehmungsverschiebungen und Sprachstörungen, aber auch zu Benommenheit, plötzlicher Bewusstlosigkeit und epileptischen Anfällen führen.

In kritischen Fällen kann die Wirkung zu Atemlähmung, Kreislaufschock, Koma und sogar Tod führen. Ebenso besteht die Gefahr einer psychischen Abhängigkeit. Besonders gefährlich ist die  Kombination mit Alkohol und anderen Drogen.

Anzeichen einer Überdosierung

Die Infoseite der AIDS-Hilfe warnt zudem den Konsumenten vor einer Überdosierung der leichtfertig als Party-Droge bezeichneten Substanzen. Die Wirkung könne an unterschiedlichen Tagen sehr verschieden sein, was mit der eigenen psychischen und körperlichen Verfassung, aber auch mit dem „Reinheitsgehalt“ der Drogen zu tun habe.  Auch könnte die gleiche Substanz bei verschiedenen Menschen unterschiedlich stark und anhaltend wirken. Dies macht die Droge unberechenbar.

Wer sich dennoch nicht vom Missbrauch dieser gefährlichen Substanzen abhalten lässt, sollte laut der Infoseite Folgendes ernsthaft in Betracht ziehen:

  • Die Gefahr einer unbeabsichtigten Überdosierung von GHB ist sehr hoch; Anzeichen sind starke Schläfrigkeit und danach ein mehrstündiger, nur schwer störbarer Schlaf sowie das Verschwinden des Lidreflexes – oft kann man kaum einschätzen, ob jemand nach GHB-Konsum nur im Tiefschlaf ist oder im Koma liegt. Im Zweifelsfall sofort einen Arzt rufen!
  • GHB niemals alleine konsumieren – wichtig ist, dass im Zweifelsfall jemand mit klarem Kopf Hilfe holen kann!

GBL schmecke laut Info der Berliner Drogenhilfe medizinisch bitter und sei auch noch in Verdünnung deutlich wahrnehmbar, während GHB nahezu geschmacklos sei. Allerdings wirkt GBL etwa doppelt so stark wie GHB.

„K.O.-Tropfen“ – Vergewaltigungsdroge

Die Dosierung kann schnell von einem gewollten Effekt in eine halluzinogene oder narkotische Dosis abgleiten. Die Unterschiede liegen hier bei wenigen Millilitern bzw. Milligramm. Besonders die für „K.O.-Tropfen“ missbrauchte hohe Dosierung birgt Lebensgefahr für das Opfer in sich.

Von Kriminellen wird die Droge beispielsweise in Diskotheken, Clubs oder auf Weihnachtsmärkten eingesetzt, weil das im Getränk nahezu geschmacklose Liquid Ecstasy reaktionsunfähig machen und eine retrograde Amnesie (Filmriss) erzeugen kann.

Wie der „WDR“ warnt, können bereits geringe Mengen zu Willenlosigkeit führen. Der Sender gibt fünf einfache Regeln an die Hand, eine unbeabsichtigte Vergiftung zu vermeiden:

  1. Das Getränk am Tisch nicht unbeobachtet lassen und Vorsicht bei spendierten Getränken, vor allem, wenn man den Weg vom Ausschank bis zu sich nicht überblicken kann. Mit den Freunden absprechen, auf die Getränke zu achten.
  2. Am besten schützt man sich gegenseitig, indem man mit Freunden zusammen kommt, bleibt und auch wieder geht. Auch der Gang zur Toilette solle am besten zu zweit angetreten werden. Da die Wirkung der Droge nicht unmittelbar einsetzt, könne man in einer unbeobachteten Ecke zusammenbrechen, so der Sender weiter. Auch könne man vom Täter einfach „mitgenommen“ werden.
  3. Da die Anfangswirkung der des Alkohols sehr ähnlich ist, wird diese oft nicht bemerkt. Das Umfeld könnte hier schneller bemerken, dass etwas nicht stimmt, man plötzlich enthemmter, euphorischer oder irgendwie anders als sonst wirkt. In diesem Fall sollte man die betreffende Person nicht mehr alleine lassen und eventuell Hilfe holen. Im Notfall sollte dies auch der Notarzt oder die Polizei sein.
  4. Sollte man selbst bemerken, dass etwas nicht stimmt, es einem schwindelig oder übel wird, ist es ratsam, sich an Freunde oder das Personal zu wenden. Im Zweifelsfall sollte man immer in der Nähe anderer Menschen bleiben, um einem Täter keine Chance zu bieten, so der „WDR“.
  5. Man sollte auch in Betracht ziehen, dass potenzielle Täter nicht unbedingt Unbekannte sein müssen. Auch vermeintliche Freunde, Bekannte oder Arbeitskollegen könnten finstere Absichten hegen. Dies beschränkt sich nicht nur auf öffentliche Orte wie Diskotheken, sondern könnte auch in der eigenen Wohnung oder der von Bekannten passieren. Vorsicht auch vor Blind Dates und Internetbekanntschaften: Besser an einem öffentlichen Ort treffen und Essen und Getränke nicht aus den Augen lassen.

Praktisch zur Verhinderung einer Drogenabgabe in Flaschen sind kleine Stopfen, manchmal als „Stopper“ und „Spikeys“ bezeichnet, die die Öffnungen gängiger Getränkeflaschen verschließen. Zudem gebe es „Drink Detective“, Teststreifen, die Drogen im Getränk feststellen können. Diese können jedoch nur auf die

Die AIDS-Infoseite berichtet aus der Praxis:

Unter Einfluss dieser Droge wurden im Jahr 2006 in Aachen 24 Frauen Opfer sexueller Gewalt, in Köln wurde bei einem 19-Jährigen eine frische HIV-Infektion nach unfreiwilliger analer Penetration festgestellt.“

(Deutsche AIDS-Hilfe)

Doch nicht nur Sexualstraftaten sind zu befürchten. Der Täter kann es auch auf Geld oder Wertgegenstände abgesehen haben.

GBL und GHB sind bereits nach wenigen Stunden (6 – 8 Stunden im Blut, 12 Stunden im Urin) nicht mehr oder nur sehr aufwendig und in Speziallabors nachweisbar, da sie in Kohlendioxid und Wasser abgebaut werden.

Video: Doch nicht nur in schummrigen Clubs, lauten Diskotheken oder auf dem Weihnachtsmarkt schlagen Täter aus den verschiedensten Gründen zu. In einem Spiegel-Bericht vom Januar 2017 wird Angelina Heger, ehemals RTL-Dschungelcamp-Teilnehmerin interviewt. Sie wurde vor zwei Jahren auf einem Promi-Event mit K.O.-Tropfen vergiftet…

Siehe auch:

St. Veit: Drogen-Bier auf Wiesenmarkt – 20-Jähriger sackt in Partyhütte bewusstlos zusammen

Welle neuer synthetischer Drogen, in Sachsen immer mehr Crystal-Babys

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