Mini-Häuser für Obdachlose – Ordnungsämter sind verärgert

In Berlin Pankow-Heinersdorf schlafen Obdachlose unter einer Autobahnbrücke. Doch nun haben sie ein Dach über ihrem Kopf – dank eines Vereins aus Köln.

Um die 1,2 Millionen Menschen haben in Deutschland keine Wohnung – so die Schätzung der BAG Wohnungslosenhilfe vom November. Ca. 52.000 von ihnen leben laut BAG dauerhaft auf der Straße. Die Dunkelziffer dürfte dabei weitaus höher sein.

Ein Mann sagte der Obdachlosigkeit den Kampf an: Sven Lüdecke. Der Fotograf und Hobby-Schreiner baut seit 2016 mit seinem Verein „Little Home“ kleine Wohnboxen aus Europaletten und verschenkt sie an Obdachlose. Die EPOCH TIMES berichtete im letzten Jahr.

Ausgestattet sind die 3,2 Quadratmeter großen Häuschen mit einer Matratze, einem Regal, Erste-Hilfe-Set, Feuerlöscher, einer Campingtoilette und einer Arbeitsfläche. Etwa 800 Euro kostet ein Mini-Haus, der Bau wird aus Spendengeldern finanziert.

Inspiriert wurde Lüdecke von dem Amerikaner Gregory Kloehn, der solche Häuschen ausschließlich aus Sperrmüll zimmert. Das habe er im Fernsehen gesehen – und die Idee nach Deutschland geholt, wie es auf der Seite von „Little Home“ heißt.

Große Nachfrage

Bei der Vergabe der Häuser ist Lüdecke wichtig, dass die Bewerber keine Alkohol- oder Drogenprobleme haben. Offene Strafakten seien ebenfalls ein Ausschlusskriterium. „Es kommt vor allem auf die Motivation und den besonders dringenden Bedarf an“, sagte Lüdecke letzten Mittwoch der Zeitung „Bild“-Online.

Deutschlandweit wurden bereits 40 Wohnboxen an Obdachlose verschenkt: In Köln, Frankfurt, Bonn, Hamm und Nürnberg. Expansionen nach Hamburg, München und Leipzig stehen an, denn die Nachfrage ist groß: „Fast 6000 Obdachlose stehen schon auf unserer Warteliste“, so Lüdecke.

Auch in Berlin gibt es Wohnboxen von „Little Home“. Das erste Haus wurde dort vor knapp einem Jahr an einen Obdachlosen übergeben, inzwischen habe man 16 Exemplare gestiftet, sagte Lüdecke der Deutschen Presse-Agentur. Nun sind die Häuschen auch unter einer Autobahnbrücke am Berliner S-Bahnhof Pankow-Heinersdorf angekommen. Neben Heinersdorf gebe es weitere Standorte in Berlin auf Privatgeländen mit maximal fünf Häusern.

Holzhäuschen sind Übergangslösung

Dass die Mini-Häuser keine langfristige Lösung seien, weiß der Hobby-Schreiner. Aber sie könnten ein Schritt sein, „das Leben wieder richtig in die Hand zu nehmen und letztlich wieder für sich selbst zu sorgen“, erklärte Lüdecke auf der „Little Home“-Seite.

Es soll lediglich ein Platz sein, an dem die Menschen ein wenig vor Nässe und Kälte geschützt sind. An dem sie ihre Habseligkeiten trocken und halbwegs sicher lagern können, ohne die ständige Angst, dass sie bestohlen oder bedroht werden. Wir sehen das als eine Art ‚Pflaster für die Seele‘“, so der Fotograf weiter.

Die Reaktionen der Beschenkten motivieren alle Beteiligten, ihr Bestes zu geben – die Obdachlosen zimmern dabei auch mit. Viele von ihnen seien „einfach unbeschreiblich glücklich und dankbar. Oft rollen Tränen, sie sind tief bewegt“, sagte Lüdecke.

Ordnungsämter verärgert

Die Häuschen dürfen grundsätzlich nur auf Privatgelände stehen und innerhalb von 90 Tagen um mindestens 100 Meter verrückbar sein. Um die Baugenehmigung zu umgehen, stehen sie deshalb auf Rollen. Das verärgert Ordnungsämter deutschlandweit. „Das Projekt kommt zwar überall gut an, wir sind aber nicht immer gern gesehen“, meinte der Fotograf zur „Bild“.

Vor einem Jahr gab es deshalb Probleme mit der Stadt Köln. „Sobald Boxen auf städtischem Grund stehen, werden sie abgeräumt“, sagte die Pressesprecherin der Stadt damals. Die „Berliner Morgenpost“ berichtete. So habe eine Box im Kölner Stadtwald gestanden, „die hat das Ordnungsamt aufgenommen,“ so die Sprecherin weiter.

Zudem sei eine Übernachtung in den Boxen „menschenunwürdig“, so die Stadtsprecherin auch gegenüber dem „Kölner Stadtanzeiger“.

In Pankow-Heinersdorf müssen sich die Bewohner der Boxen vorerst keine Sorgen machen. „Im Moment schreiten wir aufgrund der Witterungsbedingungen nicht ein“, sagte Pankows Ordnungsstadtrat Daniel Krüger (AfD). „Zumindest wurde so ein würdiges Obdach geschaffen. Ein Dauerzustand ist das allerdings nicht.“

(as)

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