München: Keine Anklageerhebung nach Kopfschuss auf Polizistin (26) – Täter schuldunfähig, Opfer im Wachkoma

Die junge Polizistin Jessica L. (26) liegt derzeit noch im Wachkoma in einer sächsischen Klinik. Ein 37-jähriger Mann schoss ihr am S-Bahnhof Unterföhring im Juni mit der Dienstwaffe eines Kollegen in den Kopf.

Am S-Bahnhof Unterföhring in München schießt ein Mann einer Polizistin eine Kugel in den Kopf, mit der Dienstwaffe ihres Kollegen. Die 26-Jährige schwebt in Lebensgefahr. Einen terroristischen Hintergrund schließt die Polizei offiziell aus.

So hieß es nach dem eskalierten Polizeieinsatz vom 13. Juni 2017. Der zu dieser Zeit 37-jährige Schütze, Alexander Bischof, ein in den USA lebender Deutscher, hatte zuvor bereits im Zug vom Flughafen in Richtung Münchner City einen Mann tätlich angegriffen. Bischof befand sich auf Europa-Rundreise und hatte zuvor bereits seine Mutter in Griechenland besucht. München stand als nächstes Reiseziel auf der Route des 37-Jährigen.

Als der Mann am S-Bahnhof in Unterföhring dann der Polizei übergeben wird, scheint alles Routine. Doch plötzlich geschieht das Unfassbare …

Münchens Polizeipräsident Hubertus Andrä rätselte noch nach der Tat:

Aber was wir uns natürlich alle fragen, ist: Warum tickt der plötzlich so aus, in einer Situation, die ganz normal und ruhig begonnen hat?“

(Hubertus Andrä, Polizeipräsident München)

Der Schütze ist offenbar ein Fall für den Psychiater. Ob der die Frage des Polizeichefs beantworten kann, bleibt offen.

Täter vermutlich schuldunfähig

Vor Gericht kommt der Täter im kommenden Jahr. Wie der „Merkur“ auf Nachfrage bei der Staatsanwaltschaft erfuhr, soll bei diesem „zum Vorfallszeitpunkt die Schuldfähigkeit nicht gegeben“ gewesen sein, wie Staatsanwalt Florian Weinzierl eröffnete.

Die Behörde wird deshalb keine Anklage erheben. Es wird aber einen Antrag auf Unterbringung in einer psychiatrischen Einrichtung geben, wegen vorsätzlicher Körperverletzung in Tatmehrheit mit versuchtem Mord.

Gestanden hat der Täter bisher noch nicht.

Polizisten halten zusammen

Die junge Polizistin liegt derzeit in einer Klinik in ihrer sächsischen Heimat, irgendwo zwischen Chemnitz und Dresden, im Wachkoma. Ihr Zustand ist unverändert.

Mitte November spielte die deutsche Polizei-Nationalmannschaft gegen den Sternstunden e.V. All Stars ein Benefizspiel für Jessica, so der „Merkur“.

Die Spielerfrauen Claudia W. (50) und Alexandra S. (34) verkauften limitierte Pucks und sammelten damit Geld auf den Tribünen für die Polizistin, berichtete der „Merkur“:

Auch unsere Männer sind Polizisten, heute stehen sie auf dem Eis. (…) Der Job wird immer heftiger. Umso wichtiger sind Solidarität und Zusammenhalt, besonders in tragischen Situationen. (…) Polizisten halten zusammen. Wir hatten von dem Schicksal der Kollegin gehört und wollten helfen.“

Siehe auch:

Schütze vom Münchner S-Bahnhof kommt aus den USA – Polizistin (26) im Koma – Täter in Psychiatrie