Problemlos mit falschem Pass in Deutschland bleiben: „Hier laufen Hunderttausende mit falscher Identität rum“

Es ist kein Problem mit einem falschen Pass in Deutschland einen Asylstatus zu erhalten. Zu diesem Ergebnis kommt eine ZDF-Reportage. Viele Menschen haben sich gleich mehrere Identitäten zugelegt. Damit betrügen sie die Behörden und kassieren Sozialhilfe. Sie machen illegale Geschäfte und bereiten sogar terroristische Attentate vor.

Viele Flüchtlinge geben sich gern als Minderjährige aus, um leichter Asylstatus zu erhalten oder die Familie nachholen zu können.

Beliebt sind aber auch syrische Pässe, weil Asylanträge aus diesem Land oft Erfolg haben. Eine ZDF-Reportage ging dem nun nach und fand heraus, wie leicht es in Deutschland ist, sich gleichzeitig mit Mehrfachidentitäten in mehreren Orten zu registrieren. Sie zeigt drastisch die Sicherheitslücken und die Wege der Täter auf.

Fehlende Prüfgeräte, überforderte Behörden

In Deutschland gibt es 5.500 Meldeämter, doch nur 250 davon sind mit Dokumentenprüfgeräten ausgestattet, so die Reportage „ZDFzoom“. Die Redakteure fragten beim Bundesinnenministerium nach:

„Das Bundesinnenministerium begrüßt den Einsatz von Prüftechnik. Einen verbindlichen Einsatz von Prüftechnik kann und darf der Bund den Ländern allerdings nicht vorschreiben“, so das Ministerium. Sich darum zu kümmern, sei Aufgabe von Städten und Kommunen. Die örtlichen Behörden sind allerdings oft mit der Menge gefälschter Pässen überfordert.

Für das Jahr 2015 nennt die Kriminalstatistik der Polizei 1.565 aufgedeckte Fälle von „versuchter Beschaffung gefälschter Ausweise“. 2016 sind es bereits 3.111, ein Anstieg von 99%. Die Dunkelziffer liegt Experten zufolge noch höher.

Gut vernetzt: Die Täter agieren europaweit

In der Reportage kommt der griechische Anwalt Zacharias Kesses zu Wort. Er vertritt Passfälscher vor Gericht: „Sie haben Spitzel in den griechischen Flughäfen, sie haben Schleuser an der griechisch-bulgarischen Grenze, sie haben Leute, die sie in Wien empfangen und auch in Deutschland.“

Syrischer Fake-Ausweis – per Bestellhotline

Die Redakteure probieren selbst aus, an gefälschte Papiere zu kommen. Über einen Kontaktmann kaufen sie für 350 Euro in Athen einen französischen Pass. Der werde als Fälschung in Deutschland nicht so leicht erkannt. Es dauert nur einen Tag, bis dieser ausgestellt ist.

Besonders beliebt sind syrische Pässe, Syrer werden normalerweise dauerhaft als Asylberechtigt anerkannt. Auch einen „syrischen Pass“ bekommen die Redakteure problemlos. Sie treten einer syrischen Facebook-Gruppe bei, in der sich Syrer und „Syrer“, austauschen. Per Bestellhotline gelangen sie an den gefälschten Pass – für 500 Euro.

Leichtes Spiel für Kleinkriminelle und Terroristen

Am Fall eines „Griechen“ (tatsächlich ein Türke der in Berlin lebte) und jahrelang unter falscher Identität Straftaten beging, zeigt die Reportage wie einfach es in Deutschland ist, unter falscher Identität kriminellen Machenschaften nachzugehen. Der Mann mietete Fahrzeuge und verkaufte diese ins Ausland. Per Internethandel „verkaufte“ er Mobiltelefone, beim Kunden kamen diese nie an. So ergaunerte er Zehntausende Euros.

Millionen Zugereiste mit falscher Identität?

Thomas Simmroß, leitender Kriminaldirektor beim LKA in Berlin: „Ich wage zu behaupten, dass hier Hunderttausende Menschen, vielleicht sogar Millionen mit falscher Identität rumlaufen“.

Der Weihnachtsmarkt-Attentäter Anis Amri sei mit seinen 14 Identitäten ein Fall von vielen, sagt er und spricht von Personen mit noch mehr falschen Identitäten. Simmroß wünscht sich von der Politik mehr Personal zur Bearbeitung solcher Fälle. (aw)

Siehe auch:

Wiedergeboren in Deutschland: Neue Syrer, neue Namen, neue Daten – Falsche Pässe oder besser gleich wegwerfen?

Undercover im Asylheim: Polizei erwischt Shams Ul-Haq – Was Angela Merkel dazu sagt (TEIL 3)

Vera Lengsfeld: Nicht die Flüchtlinge sind das Problem, sondern die Medien und Flüchtlingshelfer

Kommentieren

Werte Leserinnen und Leser!

Schon lange wollen wir das Diskussionsklima in der Kommentarfunktion verbessern und dabei unserer Maxime „Meinungsfreiheit für alle“ treu bleiben. Wegen personeller und finanzieller Engpässe war dies bisher nicht möglich.

Wir wenden uns deshalb mit der besonderen Bitte an Sie: Unterstützen Sie die Einrichtung unseres Moderators mit Ihrer Spende! Er wird sich um Trolle, Provokateure und strafrechtlich relevante Äußerungen kümmern.

Hier Spenden!

IBAN: DE21100700240525505400 BIC: DEUTDEDBBER, Verwendungszweck: Kommentar-Moderator