Reul: Weitere Ermittlungspanne im Fall Amri in Nordrhein-Westfalen

Eine weitere Panne im Fall Anis Amri: Zehn Monate vor dem Attentat in Berlin wurde Anis Amris Handy ausgewertet – doch anscheinend nicht gründlich genug.

Im Fall der Berlin-Attentäters Anis Amri hat es nach Angaben des nordrhein-westfälischen Innenministers Herbert Reul (CDU) eine weitere Ermittlungspanne gegeben. Nach einer Kontrolle Amris zehn Monate vor dem Weihnachtsmarktanschlag in Berlin vor knapp einem Jahr seien im Handy des späteren Attentäters gefundene Dateien offenbar unzureichend ausgewertet worden, sagte Reul am Montag in Düsseldorf.

Dem NRW-Innenminister zufolge befanden sich unter den insgesamt 12.126 Bilddateien auf Amris Handy sieben Bilder, die den Tunesier mit einer Schreckschusswaffe, Stichwaffen oder aber Pfefferspray zeigten. Bei der Auswertung der Handydateien durch eine automatisiertes Programm seien diese Bilder „durchs Raster gefallen“, sagte Reul.

Eine „händische Auswertung“ der Handybilder habe beim Landeskriminalamt (LKA) Nordrhein-Westfalen aufgrund der großen Datenmenge nicht stattgefunden. „Hier ist ein Fehler passiert“, sagte Reul. „Ein Fehler, der hätte nicht passieren dürfen.“

Bereits zuvor waren mehrere Pannen beim Umgang der Sicherheitsbehörden mit dem als islamistischem Gefährder eingestuften Amri bekannt geworden. Der Tunesier hatte am 19. Dezember 2016 einen Lastwagen gekapert und war damit auf den Weihnachtsmarkt auf dem Berliner Breitscheidplatz gerast. Bei dem Attentat starben zwölf Menschen, 67 wurden verletzt. Auf der Flucht soll Amri von der italienischen Polizei in Mailand erschossen worden sein. (afp)