Studie: Deutsche fühlen sich so frei wie schon lange nicht mehr – Hype um AfD sei vorbei

Seit 2011 hätte es nicht mehr so eine große Zahl von Deutschen gegeben, die ihr Leben als "frei" definieren würden. Es sei deswegen erfreulich, dass das Vertrauen in die Freiheit der politischen Meinungsäußerung wieder wachse, heißt es im Freiheitsindex 2017, der in Berlin vorgestellt wurde.

Jeder Zweite in Deutschland bewerte sein Leben gegenwärtig als „frei“. Das geht aus dem am Dienstag in Berlin vorgestellten Freiheitsindex 2017 hervor. Demnach glauben 63 Prozent der 1.457 befragten Bürger, dass sie ihre Meinung frei artikulieren könnten, was eng mit einem Freiheitsgefühl verknüpft ist. Laut der Studie mit dem Schwerpunkt „Populistische Herausforderungen der Demokratie“ sei das ein Rekordwert.

Im letzten Jahr sei das noch ganz anders gewesen, da hätte man einen „beunruhigenden Abwärtstrend“ verzeichnet mit einem Tiefpunkt während der Flüchtlingskrise, sagt Ulrike Ackermann, Leiterin des John Stuart Mill Instituts, das die Umfrage durchführte. Es sei deswegen erfreulich, dass das Vertrauen in die Freiheit der politischen Meinungsäußerung wieder wachse.

Anders verhält es sich offenbar mit dem Vertrauen in die „Führungselite“ aus Politik, Wirtschaft und Medien. Demnach seien etwa 39 Prozent der Bürger der Meinung, Politiker hätten keine Ahnung von ihrer Arbeit, 43 Prozent unterstellten sogar, Politiker handelten nur im eigenen oder im Interesse anderer Mächte, nicht aber zum Wohle der Bevölkerung. Ackermann sehe darin eine „deutliche Zunahme der Verächtlichmachung der Politik“, die „bedenklich“ sei. Und: „Das Misstrauen in die Akteure der politischen Klasse ist groß.“

33 Prozent verträten die Ansicht, „dass Deutschland auf eine ganz große Krise zusteuert“, die ohne eine grundlegende Veränderung des politischen Systems nicht überwunden werden könne. Fast jeder Zweite fürchte sogar eine bevorstehende Katastrophe.

Positiv bewertet das Institut einen Rückgang des Populismus. Hier erkenne man eine „deutliche Trendwende“ gegen den „populistischen Zeitgeist“. Der Höhepunkt sei überschritten, auch wenn noch einige „populistische Elemente“ in der Mitte der Gesellschaft vorhanden seien. Das Ansehen demokratischer Institutionen in der Öffentlichkeit nehme wieder zu. „Die Befürchtungen, die AfD erlange immer größeren Zulauf, haben sich nicht bestätigt. Zu Alarmismus und Hysterie besteht deshalb keinerlei Anlass mehr“, heißt es in Ackermanns Ausführungen.

Dafür wachse aber die Zahl derjenigen, die über den Bundestag eine „gute Meinung“ hätten, heißt es. Im vergangenen Jahr soll dies besonders stark der Fall gewesen sein. Mit 39 Prozent der Befragten sei die Quote derjenigen, die ein positives Bild zeichneten, noch nie so hoch gewesen.

Für die Bestimmung des Freiheitsindex wurde neben der Befragung von 1.457 Personen außerdem eine quantitative Medieninhaltsanalyse von 1.869 Presseartikeln überregionaler Printmedien durchgeführt, heißt es in der Pressemitteilung des Instituts.

Das John Stuart Mill Institut hat sich der Freiheitsforschung verschrieben. Zu den „substanziellen Förderern“ der Einrichtung gehört unter anderem die FDP-nahe „Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit“.

(mcd/as)

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