Studie: So pessimistisch sehen Deutsche die Zukunft wegen Flüchtlingskrise

Eine neue Studie zeichnet ein Bild von Pessimismus, Ratlosigkeit aber auch Hilfsbereitschaft angesichts der Migrationskrise.

Die Zeitung Welt veröffentlichte heute die Ergebnisse einer Studie des Sozialwissenschaftlichen Instituts der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Für die Umfrage wurden knapp 2.000 „repäsentativ ausgewählte Personen“ befragt.

Das Stimmungsbild das sich dabei ergab ist widersprüchlich: Zwar wurde der Fokus auf die Hilfsbereitschaft der Bevölkerung gelegt, doch über ihre Gedanken zu den Zukunftsaussichten Deutschlands wurden sie natürlich auch befragt – und diese waren sehr pessimistisch.

77 % befürchten Wohnungsnot

77 Prozent befürchten Schwierigkeiten bei der Suche nach einer bezahlbaren Wohnung. 70 Prozent denken, es komme demnächst zu staatlichen Einsparungen in anderen Bereichen.

77% sehen keine Job-Aussichten für Migranten

63 % befürchten Überforderung von Polizei und Behörden

77 Prozent glauben, dass "viele dieser Menschen keinen Arbeitsplatz finden" werden. Nur wenig geringer ist der Anteil derer (70 Prozent), die meinen, dass man für die Flüchtlinge nicht genügend angemessene Unterkünfte und Versorgungsleistungen bereitstellen könne und dass "Behörden und Polizei die Situation nicht bewältigen" (63 Prozent).

69,1 % befürchten wachsende Zahl radikaler Muslime

Viele machen sich Sorgen um die Sicherheit in Deutschland: Mehr als die Hälfte der Befragten glaubt, dass man sich künftig "in bestimmten Gegenden nicht mehr so frei bewegen" könne. Eine Zunahme der Kriminalität befürchten 60 Prozent, ein Anwachsen der Zahl extremistischer Muslime 69,1 Prozent. 45 Prozent glauben, dass "die meisten Flüchtlinge unberechtigt zu uns kommen". Und gut 40 Prozent meinen, die muslimische Kultur werde künftig "unseren Alltag dominieren".

85 % befürchten wachsenden Rechtsextremismus

Dass "der Rechtsextremismus wachsen wird", glauben 85 Prozent der Befragten. Zum moralischen Selbstbild der Deutschen waren folgende Punkte aussagekräftig: Dass Deutschland jetzt "Menschen in existenzieller Not zur Seite steht", sagen gut 88 Prozent. Fast 70 Prozent meinen, damit gewinne Deutschland "Ansehen in der Welt". 56 Prozent finden, dass sich das "Christliche unserer Gesellschaft" zeige.

Spendenbereitschaft 37 %

Darüber hinaus ergab die Studie eine hohe Spendenbereitschaft: 37 Prozent erklärten, Sachspenden entweder bereits vor der Umfrage oder im aktuellen Befragungszeitraum geleistet zu haben. Geld spendeten vor oder während der Befragung 17 Prozent. Zugleich aber hatten 52 Prozent der Bürger "bisher noch keine Erfahrungen" mit Migranten gemacht. Bei denjenigen Befragten, die bereits Kontakt zu Asylbewerbern hatten, überwogen oft die guten Eindrücke. 26,2 Prozent gaben an, "eher positive" oder "sehr positive" Erfahrungen gemacht zu haben. Gemischt sowie negativ oder sehr negativ war der Eindruck bei 21 Prozent.

10,9 Prozent engagieren sich ehrenamtlich

In Deutschland ist das ehrenamtliche Engagement in der Flüchtlingshilfe größer als in jedem anderen gesellschaftlichen Bereich. Demnach gaben bei der Anfang November 2015 durchgeführten Umfrage 10,9 Prozent der Befragten an, zu jener Zeit aktiv in der Flüchtlingshilfe tätig zu sein. Dieser Wert, so die Studienautoren, sei noch höher als im Bereich von Sport und körperlicher Bewegung, wo der Ehrenamtlichen-Anteil 10,1 Prozent betrage.

Zu den Tätigkeitsbereichen der Ehrenamtlichen gehören die Hilfe bei der Ausgabe von Kleidung und Essen, die Unterstützung eines Flüchtlingsheims in der Nähe, die Begleitung bei Behördengängen und Kinderbetreuung. Nur ein Prozent der Befragten hat sogar Migranten in den eigenen vier Wänden aufgenommen.

(dts / rf)