Syrische Lehrer für deutsche Schulen

Schulleiterin Ines Tesch schätzt die neue Lehrkraft aus Syrien als "Brückenbauerin" zu den Eltern der mehr als 90 geflüchteten Kinder an der Sigmund-Jähn-Grundschule im brandenburgischen Fürstenwalde.

Singen, Filme, Projekte – dass an deutschen Schulen nicht nur gebüffelt wird, hat die Syrerin Hend Al Khabbaz am meisten überrascht.

„Hier ist es besser für die Kinder, aber sehr viel Arbeit für die Lehrer“, lacht sie. Die 35-Jährige ist Lehrerin an der Sigmund-Jähn-Grundschule im brandenburgischen Fürstenwalde.

3500 Kilometer entfernt, im syrischen Homs, arbeitete Al Khabbaz bereits als Lehrerin. Sie unterrichtete Englisch an einer Grundschule, bevor sie 2015 auf einem überfüllten Schiff nach Deutschland floh. Dass sie nun wieder in ihrem alten Beruf arbeiten kann, hat sie einem Projekt der Universität Potsdam zu verdanken. Das sogenannte Refugee Teachers Program qualifiziert geflüchtete Lehrer in anderthalb Jahren, ihren Beruf auch in Deutschland auszuüben.

85 Prozent der 700 Flüchtlinge, die sich 2016 für den ersten Durchgang des Programms bewarben, stammten aus Syrien. „Das sind sehr gut ausgebildete Akademiker, sie hatten einen guten Beruf – und wir wollen ihnen die Chance geben, ihn hier auszuüben“, sagt die Initiatorin des Projekts, Professorin Miriam Vock.

In Fürstenwalde kündigt die Schulklingel das Ende der Pause an. Yasmine, Zaïd und zwei Jungen namens Mohamed nehmen in einem grün gestrichenen Zimmer Platz, an dessen Wänden Schmetterlinge aus Papier hängen. Andächtig folgen die Kinder dem Unterricht. Wie ihre Lehrerin sind auch sie aus Syrien geflohen.

„Die Kinder sind in normale Klassen integriert, aber in manchen Fächern brauchen sie Hilfe“, sagt Al Khabbaz. Sie unterstützt sie, wenn die Kinder Wörter nicht verstehen oder der Lehrer zu schnell für sie spricht. Yasmine, ein Mädchen mit einem langen braunen Zopf, wendet sich auf Arabisch an sie. Auch einmal in ihrer Muttersprache reden zu können, ist für die geflüchteten Kinder eine große Erleichterung.

Al Khabbaz kann die Probleme der Kinder beim Deutschlernen gut nachvollziehen. Die Sprache war auch für sie das größte Hindernis auf dem Weg zurück in ihren alten Beruf. Deutschunterricht macht den größten Teil des Qualifizierungsprogramms der Potsdamer Universität aus, schließlich sollen die geflüchteten Lehrer in der Fremdsprache unterrichten können.

Längst nicht alle haben dieses Niveau erreicht. Von den 26 Absolventen, die das Programm im vergangenen Jahr abschlossen, arbeiten nur zwölf tatsächlich an einer Schule. Die anderen müssen noch die Deutschprüfung wiederholen. Langfristig würden – vor allem angesichts des Lehrermangels – alle Arbeit finden, sagt Vock.

Lehrerin Al Khabbaz hat in Fürstenwalde gut zu tun. Sie hat eine Vollzeitstelle, gibt Förderunterricht und Englisch. Schulleiterin Ines Tesch schätzt die neue Lehrkraft auch als „Brückenbauerin“ zu den Eltern der mehr als 90 geflüchteten Kinder an der Schule.

Und wie reagieren die anderen Eltern auf die syrische Lehrerin? „Mir gegenüber hat noch keiner gewagt, etwas gegen Frau Al Khabbaz zu sagen“, sagt Tesch. „Aber ich weiß, dass ich ein Problem mit Eltern bekommen hätte, wenn sie ein Kopftuch tragen würde.“ (afp)

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