Flüchtling macht Heimurlaub in Aleppo – dort bleiben will der Christ nicht: Angst vor Assads Gegnern – den Dschihadisten

Ein syrischer Flüchtling aus Jena machte Heimurlaub in Aleppo: Er wollte seine Familie und Freunde besuchen und reiste zu Weihnachten in das Kriegsgebiet. Die russische und syrische Regierung hätten zumindest in Aleppo den Frieden wieder hergestellt, sagt er.

Ein anerkannter Flüchtling aus Jena ist im Dezember nach Syrien ausgereist, um dort Weihnachten zu feiern. Der 32-Jährige veröffentlichte sogar einige Bilder auf Facebook, die ihn in der Altstadt von Aleppo zeigten. Vor seinem Urlaub in Aleppo, eroberte die syrische Armee mit der Unterstützung von Russland den Ostteil der Stadt.

Wie „Thüringen 24” berichtet, wollte Hamid M. (Name geändert) das Weihnachtsfest mit Freunden und Familie verbringen, die trotz Krieg in der Heimat geblieben sind. Hamid und seine Familie seien Christen und Anhänger des syrischen Präsidenten Bashar al-Assad, so die Zeitung.

Bei seiner Rückkehr nach Deutschland wurde er als mutmaßlicher Assad-Spion vom Thüringer Verfassungsschutz kurzzeitig beobachtet. Es wurde angenommen, Hamid sei ein Spitzel der syrischen Regierung. Der Vorwurf bestätigte sich nicht. Bevor Hamid nach Deutschland floh, arbeitete er in einer Bank im IT-Bereich und nicht für den Staat. „Thüringen 24” zufolge, machte der Exil-Syrer einen Bachelor in Wirtschaftswissenschaften. Neben seiner Muttersprache Arabisch spricht er demnach sehr gut Englisch, Französisch auf gutem Niveau und Deutsch auf B2-Level.

Ausländerbehörde erlaubte Ausreise nach Syrien

Im Oktober 2015 kam Hamid durch seinen Cousin über das Familiennachzugprogramm nach Thüringen. Danach sah er seine Eltern und seine Großmutter über ein Jahr lang nicht. Deshalb entschloss er sich, im Dezember 2016 nach Syrien zu reisen. Ähnlich wie jeder Hartz-IV-Empfänger hat der Syrer Anspruch auf drei Wochen Urlaub im Jahr. Hamid erzählte der Agentur für Arbeit in Jena von seinen Plänen. Das Amt genehmigte ihm die drei Wochen Jahresurlaub im Dezember. Er hatte keine Probleme mit seinen Plänen nach Aleppo zu reisen, die der Syrer selbst finanzierte.

Hamid hofft auf baldigen Frieden

In Aleppo sei mit der Befreiung durch syrische und russische Soldaten wieder Frieden eingekehrt, sagt er. Deshalb konnte er und seine christliche Familie das Weihnachtsfest ausgelassen feiern. „Ich wollte nur meine Eltern sehen und mit ihnen Weihnachten feiern“, sagt er der Zeitung.

Weil die Lage in Aleppo noch zu instabil ist, wolle er aber nicht dort bleiben. Im Januar kehrte Hamid deshalb nach Jena zurück.

Das ein Flüchtling in seinem Heimatland Urlaub macht, ist eine heikle Sache, denn, ein anerkannter Flüchtling dürfe zwar Reisen, aber: „Eine Reise in das Herkunftsland ist problematisch. Die Flüchtlingstitel wurden den betreffenden Personen zuerkannt, weil sie in ihrer Heimat Verfolgung befürchten müssen. Reisen die anerkannten Flüchtlinge in ihr Herkunftsland, droht ihnen die Aberkennung des Flüchtlingsstatus“, erklärt ein Sprecher des Thüringer Migrationsministeriums der Zeitung.

Hamid hat Angst vor Assads Gegnern – den islamistischen Terroristen

„Ich habe gut mit dem Regime gelebt“, fährt Hamid fort. Die Korruption sei zwar belastend gewesen, aber immer noch besser als die islamistischen Terroristen – die ihm zufolge die Oppositionskräfte in Syrien darstellen. Als einen Christen würden die Extremisten ihm den Kopf abschneiden, sagt er.

Doch auch Deutschland ist für Hamid nicht das Gelobte Land – als Anfangs angenommen. Er stecke in der Arbeitslosigkeit fest und habe kein geregeltes Leben, erklärt er „Thüringen 24”. Zu viele bürokratische Hürden würden den Flüchtlingen die Integration erschweren. Auch die deutsche Sprache sei viel schwerer zu erlernen als erwartet. Dennoch habe er sich fest dazu entschlossen Deutschland, das ihn so bereitwillig aufgenommen und unterstützt hat, etwas zurückgeben. (so)