Wie Mütter aus Sachsen-Anhalt auf die Entführungsversuche reagieren

In Sachsen-Anhalt wurden Mädchen auf dem Weg zur Schule von Unbekannten angesprochen. Sie wurden aufgefordert, in einen Transporter zu steigen. Eines der Mädchen sei sogar gepackt worden, heißt es. Mütter einer der betroffenen Schulen äußerten, wie sie jetzt auf die Vorfälle reagieren.

Im Süden Sachsen-Anhalts kam es zu beunruhigenden Vorfällen. Innerhalb weniger Tage seien zwei Mädchen, 14 und neun Jahre alt, in Merseburg und im Weißenfelser Ortsteil Großkorbetha von Unbekannten angesprochen und von diesen dazu gedrängt worden in einen Transporter zu steigen.

Mütter aus Großkorbetha äußerten nun ihre Sorgen um die Sicherheit ihrer Kinder und wie sie in Zukunft darauf reagieren wollen.   

Eltern waren zunächst geschockt

Es war ein Schock für die Eltern im Ort. Manche versuchen ihre Kinder nun selbst zur Schule zu bringen und auch wieder abzuholen.

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"Wir holen unsere Kinder jetzt erst einmal selbst von der Schule ab", sagt eine der Mütter gegenüber Halle TV. "Wir haben natürlich mit ihr geredet, wie sie sich verhalten soll und die Schule hat natürlich auch ihren Beitrag dazu geleistet." 

"Man ist natürlich schon geschockt. Man überlegt, lässt man sein Kind allein auf die Straße oder nicht", so eine andere. "Das ist natürlich sehr schwierig. Ich hatte echt Angst sie früh zum Bus zu lassen und überlegt, fährt man sie dann wirklich doch zur Schule. Aber das lässt sich meistens auch nicht vereinbaren. Mein Kind ist 9 Jahre und geht in die Parallelklasse von dem [betroffenen] Kind."

"Mir gings durch und durch"

"Mir gings durch und durch", so eine der Befragten." Als man gehört hatte: 8 Jahre, 9 Jahre – das hätte auch dein Sohn sein können. Ich wollte meinen Sohn ab den Sommerferien eigentlich allein schicken. Aber das mach ich natürlich auch nicht mehr. Ich sagte zu ihm: ‚Wenn du mit den Kumpels raus willst, sag Bescheid. Dann gehen wir halt auf den Spielplatz und holen denjenigen dann einfach ab‘. Anders kann man es nicht mehr machen. Ich bekomme Gänsehaut wenn ich daran denke."

"Ich habe es durch das Radio und durch die Zeitung erfahren", so eine weitere Mutter. "Mein Kind war zu dieser Zeit zur Klassenfahrt. Ich habe meinem Kind geraten den kürzesten Weg zur Schule zu gehen und mit niemandem mitzufahren. Und wenn jemand anhält und zu ihm sagt, er solle einsteigen, soll er weglaufen und schreien und an der nächsten Tür Klingeln."

Ähnliches rät auch die Schulleitung. Zu der jährlichen Belehrung hatte die Schulleiterin der Grundschule in Großkorbetha direkt nach dem Vorfall alle Kinder noch einmal extra belehren lassen. 

Im Ernstfall reagiert jeder Schüler anders

Richtiges Verhalten auf dem Schulweg auch in Notsituationen sei immer ein Thema, so Steffen Rahaus Schulleiter des Domgymnasiums in Merseburg, berichtet MZ. Man könne Schüler nur auf Gefahren hinweisen und das richtige Verhalten üben. Jeder reagiere aber anders, "wenn es dann ernst wird", so der Schulleiter. Die Grundschüler seien von den Lehrern noch einmal ausdrücklich belehrt worden, wie diese sich Fremden gegenüber verhalten sollen. (dk)